Karl Tratt  Die Hauptwache (Straßenszene mit Gepäckmann)., 1930
Karl Tratt Die Hauptwache (Straßenszene mit Gepäckmann)., 1930 – Mit freundlicher Genehmigung von: VerloreneGeneration / Museum Kunst der Verlorenen Generation

Wann: 10.10.2025 - 06.03.2027

Das Museum Kunst der Verlorenen Generation widmet sich mit dieser Ausstellung einem der stillsten, zugleich folgenreichsten Kapitel der europäischen Kunstgeschichte: der Verlorenen Generation. Gemeint sind jene Künstler, die um die Jahrhundertwende im Deutschen Kaiserreich, in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie oder in den östlich angrenzenden Gebieten des Russischen Reiches geboren wurden und deren künstlerische Entwicklung durch das nationalsozialistische Regime brutal unterbrochen, zerstört oder ins Vergessen gedrängt wurde. Ihre Werke erzählen von einer Moderne, die nicht vollendet werden durfte, von einer künstlerischen Sprache, die verstummte, bevor sie ihr Publikum fand.

Aberdam, Alfred ( 1894 - 1963 )  Porträt Frau Hoffman | 1942
Abramowicz, Leon ( 1889 - 1978 )  Stillleben mit Rosen und Äpfeln | 1922
Aberdam, Alfred ( 1894 - 1963 ) Porträt Frau Hoffman | 1942 • Abramowicz, Leon ( 1889 - 1978 ) Stillleben mit Rosen und Äpfeln | 1922 – Mit freundlicher Genehmigung von: VerloreneGeneration / Museum Kunst der Verlorenen Generation

Im Zentrum steht nicht der Mythos, sondern die kunsthistorische Realität einer Generation, die zwischen den Weltkriegen nach neuen Ausdrucksformen suchte und deren Vertreter durch Diffamierung, Berufsverbote, Emigration oder Ermordung systematisch aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht wurden. Das Regime brandmarkte ihre Arbeiten als „entartet“ und entzog ihnen Öffentlichkeit, Markt und Wirkungsmacht. Was blieb, waren verstreute Werke, fragmentierte Biografien und eine Leerstelle in der Erzählung der Moderne.

Adametz, Heinrich Emil ( 1884 - 1972 )  Märchentante | 1957
Adametz, Heinrich Emil ( 1884 - 1972 ) Selbstbildnis mit Hut | 1916
Adametz, Heinrich Emil ( 1884 - 1972 ) Märchentante | 1957 • Adametz, Heinrich Emil ( 1884 - 1972 ) Selbstbildnis mit Hut | 1916 – Mit freundlicher Genehmigung von: VerloreneGeneration / Museum Kunst der Verlorenen Generation

Die präsentierte Privatsammlung macht diese Leerstelle sichtbar. Sie führt vor Augen, wie vielfältig, eigenständig und international anschlussfähig die Kunst dieser Generation war. Malerei, Zeichnung und plastische Arbeiten offenbaren eine große Spannweite zwischen expressiver Zuspitzung, sachlicher Analyse und poetischer Innerlichkeit. In vielen Werken ist das Ringen um eine neue Bildsprache spürbar, geprägt von den Erfahrungen einer Zeit radikaler Umbrüche, politischer Gewalt und existenzieller Verunsicherung.

Aknin, Anne ( 1922 - 2017 )  Die Segelboote | o. D.
Bachem, Bele ( 1916 - 2005 ) Porträt Margarete von Waetjen | 1950
Aknin, Anne ( 1922 - 2017 ) Die Segelboote | o. D. • Bachem, Bele ( 1916 - 2005 ) Porträt Margarete von Waetjen | 1950 – Mit freundlicher Genehmigung von: VerloreneGeneration / Museum Kunst der Verlorenen Generation
Bachrach-Barée, Helmut ( 1898 - 1968 ) Weiblicher Akt | o. D.
Bekker vom Rath, Hanna ( 1893 - 1983 ) Stillleben mit Tischlampe und Zitronen | 1962
Bachrach-Barée, Helmut ( 1898 - 1968 ) Weiblicher Akt | o. D. • Bekker vom Rath, Hanna ( 1893 - 1983 ) Stillleben mit Tischlampe und Zitronen | 1962 – Mit freundlicher Genehmigung von: VerloreneGeneration / Museum Kunst der Verlorenen Generation

Die Ausstellung versteht sich als kunsthistorische Rückgewinnung. Sie erzählt keine lineare Erfolgsgeschichte, sondern rekonstruiert unterbrochene Wege und verlorene Möglichkeiten. Gerade darin liegt ihre Aktualität. Die Verlorene Generation erscheint nicht als Randnotiz, sondern als integraler Bestandteil der europäischen Moderne, deren Auslassung das Gesamtbild bis heute verzerrt.

Zwischen dem 10. Oktober 2025 und dem 6. März 2027 öffnet das Museum einen Raum für diese lange überhörten Stimmen. Die Werke treten aus dem Schatten der Geschichte und fordern eine Neubewertung, jenseits ideologischer Zuschreibungen und kunstpolitischer Gewalt. Es ist eine stille, eindringliche Erinnerung daran, dass Kunstgeschichte nicht nur aus dem besteht, was gezeigt wurde, sondern auch aus dem, was man zum Schweigen bringen wollte.

Tags: Moderne Kunst, Kunstgeschichte, 20. Jahrhundert, Nationalsozialismus, Expressionismus, Neue Sachlichkeit, europäische Kunst, Exilkunst, Malerei, Zeichnungen

Dienstag bis Samstag: 10:00 - 17:00 Uhr

Feiertags geschlossen