Atelieransicht Maximilian Prüfer, Arbeitsprozess zu dem Werk Heinrich Hoerle (1895–1936) Melancholie um 1918, Foto: Maximilian Prüfer
Atelieransicht Maximilian Prüfer, Arbeitsprozess zu dem Werk Heinrich Hoerle (1895–1936) Melancholie um 1918, Foto: Maximilian Prüfer – Mit freundlicher Genehmigung von: strabag.art / Strabag Art

Wann: 16.01.2026 - 19.02.2026

Ein Bild findet Gnade

Manchmal genügt ein leiser Blick in die Geschichte, um die Gegenwart neu zu vermessen. Bei Maximilian Prüfer führt dieser Blick weit zurück, bis zu jenem seltenen Punkt, an dem Kunst und Wissenschaft einander nicht ausschließen, sondern gegenseitig erhellen. Will man nach einer Tradition suchen, in die sich seine Arbeit einschreibt, landet man unweigerlich bei Leonardo da Vinci – bei jenem Typus des forschenden Künstlers, für den Erkenntnis und Gestaltung ein und dasselbe sind.

 

Künstler Maximilian Prüfer vor seinen Arbeiten im Ausstellungsraum in ruhiger Haltung
Künstler Maximilian Prüfer vor seinen Arbeiten im Ausstellungsraum in ruhiger Haltung – Mit freundlicher Genehmigung von: strabag.art / Strabag Art
Maximilian Prüfer, 1986 in Weilheim in Bayern geboren, gehört zu diesen Grenzgängern. Seine Werke entstehen dort, wo Kontrolle und Zufall sich berühren, wo aus dem scheinbar Chaotischen eine universelle Ordnung hervortritt. Es ist eine Kunst, die nicht behauptet, sondern sichtbar macht. Prüfer interessiert sich nicht für das Offensichtliche, sondern für das, was sich den Augen entzieht.

Vor rund fünfzehn Jahren entwickelte er dafür ein eigenes Aufzeichnungsverfahren, das er „Naturantypie“ nennt. Es ist ein Druck- und Abdruckverfahren, mit dem biologische Abläufe und natürliche Prozesse direkt auf Papier übertragen werden. Nicht als Abbild, sondern als Spur. Nicht als Illustration, sondern als physische Erinnerung an etwas, das geschieht und wieder vergeht.

Für seine Einzelausstellung „Ein Bild findet Gnade“ arbeitet Prüfer mit Fliegen. Ein irritierendes Motiv, das bei ihm jedoch nichts Provokantes hat. Die Fliege steht für Übergänge – zwischen Leben und Tod, Verfall und Schöpfung. In der Natur ist sie zugleich Zeichen des Endes und Beginn von Neuem. Dieser Gedanke durchzieht die gesamte Werkserie, von der Gewinnung der Pigmente über die Entstehung der Bilder bis hin zur Rahmung. Alles ist Prozess, nichts ist Dekoration.

Die aktuellen Arbeiten basieren auf historischer Recherche. Ausgangspunkt ist eine Tagebuchnotiz von Joseph Goebbels: „Kein Bild findet Gnade“. Gemeint waren jene Werke der sogenannten „Entarteten Kunst“, die aus Museen entfernt, verunglimpft, verkauft oder zerstört wurden. Kunst, die ausgelöscht werden sollte, weil sie nicht ins ideologische Raster passte.

Prüfer begegnet dieser Geschichte nicht mit Pathos. „Ein Bild findet Gnade“ ist kein Versuch, Geschichte zu heilen. Es ist ein stilles, präzises Sichtbarmachen dessen, was gelöscht werden sollte. Die Bilder tragen keine Anklage in sich, sie insistieren nicht. Sie sind da, als fragile Zeugnisse eines Widerstands, der nicht laut sein muss, um wirksam zu bleiben.

So entsteht eine Ausstellung, die weniger erklärt als erinnert. Eine Kunst, die sich dem schnellen Blick entzieht und gerade dadurch ihre Kraft entfaltet. Maximilian Prüfer führt vor, dass selbst dort, wo Bilder einst verurteilt wurden, etwas überlebt: eine Spur, ein Abdruck, ein Moment von Gnade.

Tags: Zeitgenössische Kunst, Konzeptkunst, Druckgrafik, experimentelle Malerei, Gegenwartskunst, Maximilian Prüfer

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