Für seine Einzelausstellung „Ein Bild findet Gnade“ arbeitet Prüfer mit Fliegen. Ein irritierendes Motiv, das bei ihm jedoch nichts Provokantes hat. Die Fliege steht für Übergänge – zwischen Leben und Tod, Verfall und Schöpfung. In der Natur ist sie zugleich Zeichen des Endes und Beginn von Neuem. Dieser Gedanke durchzieht die gesamte Werkserie, von der Gewinnung der Pigmente über die Entstehung der Bilder bis hin zur Rahmung. Alles ist Prozess, nichts ist Dekoration.
Die aktuellen Arbeiten basieren auf historischer Recherche. Ausgangspunkt ist eine Tagebuchnotiz von Joseph Goebbels: „Kein Bild findet Gnade“. Gemeint waren jene Werke der sogenannten „Entarteten Kunst“, die aus Museen entfernt, verunglimpft, verkauft oder zerstört wurden. Kunst, die ausgelöscht werden sollte, weil sie nicht ins ideologische Raster passte.
Prüfer begegnet dieser Geschichte nicht mit Pathos. „Ein Bild findet Gnade“ ist kein Versuch, Geschichte zu heilen. Es ist ein stilles, präzises Sichtbarmachen dessen, was gelöscht werden sollte. Die Bilder tragen keine Anklage in sich, sie insistieren nicht. Sie sind da, als fragile Zeugnisse eines Widerstands, der nicht laut sein muss, um wirksam zu bleiben.
So entsteht eine Ausstellung, die weniger erklärt als erinnert. Eine Kunst, die sich dem schnellen Blick entzieht und gerade dadurch ihre Kraft entfaltet. Maximilian Prüfer führt vor, dass selbst dort, wo Bilder einst verurteilt wurden, etwas überlebt: eine Spur, ein Abdruck, ein Moment von Gnade.