Gardar Eide Einarsson, Incendiary Test Area (Interior View of Second Floor Room), 2024 Japanese woodcut on hand made washi paper paper: 66 x 96 cm – 26 x 37 3/4 in
Gardar Eide Einarsson, Incendiary Test Area (Interior View of Second Floor Room), 2024 Japanese woodcut on hand made washi paper paper: 66 x 96 cm – 26 x 37 3/4 in – Mit freundlicher Genehmigung von: maureenpaley.com / Maureen Paley

Wann: 17.01.2026 - 21.03.2026

Mit „Music Playing Over Speech“ kündigt die Londoner Galerie Maureen Paley die fünfte Ausstellung von Gardar Eide Einarsson an. Vom 17. Januar bis 21. März 2026 wird der Ausstellungsraum in der Herald Street zu einem Ort konzentrierter Reflexion über Sprache, Bild und Macht. Die Präsentation vereint zwei Werkgruppen, Closed Captions und Incendiary Test Area, in denen Einarsson untersucht, wie linguistische und visuelle Strukturen unser Verständnis der Welt formen und zugleich Systeme der Macht verschleiern.

Maureen Paley – Gardar Eide Einarsson: Music Playing Over Speech
Maureen Paley – Gardar Eide Einarsson: Music Playing Over Speech – Mit freundlicher Genehmigung von: maureenpaley.com / Maureen Paley
Die Serie Closed Captions basiert auf Textfragmenten aus der Untertitelung von Film und Fernsehen. Beschreibungen von Gesten, Geräuschen, Hintergrundlärm oder musikalischen Einsätzen, ursprünglich dazu gedacht, akustische Informationen in Schrift zu übersetzen, werden aus ihrem narrativen Zusammenhang gelöst und auf monochrome Bildfelder übertragen.

Ohne begleitendes Bild und ohne Ton beginnen diese Texte, als autonome visuelle Elemente zu wirken. Sie erzeugen eine eigentümliche Spannung und legen offen, welche Bedeutungen entstehen, wenn gewohnte audio-visuelle Orientierungshilfen fehlen. In dieser Reduktion setzt Einarsson seine fortlaufende Auseinandersetzung mit Kontrolle, Identität und Wahrnehmung fort und nutzt das Closed Captioning, um zu zeigen, wie Information durch Massenmedien vermittelt, gefiltert und neu gerahmt wird.

Die Werkgruppe Incendiary Test Area führt den Blick in ein historisch aufgeladenes Terrain. Ausgangspunkt sind Fotografien von Modellhäusern, die von der US-Armee im Dugway Proving Ground errichtet wurden, einem während des Zweiten Weltkriegs eingerichteten Testgelände für chemische und biologische Waffen. In Originalgröße rekonstruierten diese Bauten deutsche und japanische Dörfer, mit präzisen regionalen architektonischen Details und Innenräumen. Ihr Zweck war die Entwicklung möglichst effizienter Bomben für die bevorstehenden Angriffe auf deutsche und japanische Städte. Mindestens siebenundzwanzig Mal wurden diese Häuser niedergebrannt und wieder aufgebaut. Architektur wurde so zu einer Form von Anti-Architektur, nicht mehr die „machine for living“ im Sinne Le Corbusiers, sondern ihr Gegenteil, ein Ort systematischer Zerstörung.

Einarsson übersetzt diese Motive in traditionelle japanische Mokuhanga-Holzschnitte, die in Kyoto vom Mokuhanga-Meister Shoichi Kitamura gefertigt wurden. Die Arbeiten erscheinen beinahe fotorealistisch und entfalten eine stille, konzentrierte Atmosphäre. Sie erinnern an die introspektive Ruhe nordeuropäischer Interieurmalerei ebenso wie an die Sensibilitäten, die Jun’ichirō Tanizaki 1933 in „In Praise of Shadows“ beschrieb, eine Reflexion über die alltägliche Schönheit traditioneller japanischer Ästhetik. Gerade dieser poetische Ton steht in scharfem Kontrast zur gewaltsamen Geschichte der dargestellten Räume und macht die Fragilität der von Menschen geschaffenen Umgebungen sichtbar.

Arbeiten aus der Serie Closed Captions sind derzeit in der Ausstellung What Passes is Time. We Are Eternal im Mori Art Museum in Tokio zu sehen. Im Oktober 2026 folgt mit The Purpose Of A System Is What It Does eine weitere Einzelausstellung von Einarsson im KODE in Bergen.

Gardar Eide Einarsson blickt auf eine internationale Ausstellungstätigkeit zurück, die von bedeutenden Einzelausstellungen und institutionellen Präsentationen geprägt ist. Seine Werke befinden sich heute in renommierten Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art, das Moderna Museet und das Los Angeles County Museum of Art. „Music Playing Over Speech“ fügt diesem Werkkomplex ein weiteres Kapitel hinzu, leise in der Erscheinung, präzise im Denken und nachhaltig in seiner Wirkung.

Tags: Konzeptkunst, Zeitgenössische Kunst, Textarbeiten, Farbholzschnitt, Monochrom, Arbeiten auf Papier

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