Zu Beginn tritt Condos intensive Auseinandersetzung mit der westlichen Kunstgeschichte in den Vordergrund. In einem Raum, der an die Dramaturgie klassischer Kunstmuseen erinnert, begegnen sich Referenzen von Rembrandt über Goya bis Picasso und Rodin. Diese historischen Bezüge werden in ein eigenwilliges Bilduniversum überführt, bevölkert von schreienden, beunruhigenden Figuren.
Es folgt der Komplex des von Condo geprägten „Réalisme artificiel“, eines Konzepts jenseits linearer Zeitvorstellungen. Werke im Stil vergangener Epochen treffen hier auf Einflüsse aus Graffiti und Cartoon, wodurch eine bewusste zeitliche Verunsicherung entsteht. Serien wie die Collages oder die Combination Paintings zeigen, wie Aneignung, Überlagerung und Konfrontation zu zentralen Methoden seiner Arbeit werden.
Ein Übergang führt in einen intimeren Bereich, der Condos Beziehung zur Literatur beleuchtet, insbesondere seine Zusammenarbeit mit Autoren der Beat Generation wie William Burroughs, Allen Ginsberg und Brion Gysin. Dieser Abschnitt mündet in ein dicht gehängtes Kabinett mit Arbeiten auf Papier, das die zeichnerische Produktion von den frühen Anfängen bis zu den jüngsten Werken umfasst.
Die menschliche Figur bildet einen weiteren Schwerpunkt. In imaginären Porträts sogenannter „humanoïdes“ erkundet Condo die Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche. Einzelporträts, Gruppenbilder und die Serie der Doubles Portraits führen zur Idee eines von ihm formulierten „cubisme psychologique“, mit dem mehrere, widersprüchliche Emotionen in einem einzigen Bild sichtbar werden.
Den Abschluss bildet die Auseinandersetzung mit der Abstraktion. Von den frühen Expanding Canvases über monochrome Serien in Weiß, Blau und Schwarz bis zu den jüngsten Diagonal-Arbeiten zeigt sich eine unermüdliche Bereitschaft zur Erneuerung des eigenen malerischen Vokabulars.
Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog, erschienen auf Französisch bei Paris Musées und auf Englisch bei JRP|Editions. Mit Beiträgen von Edith Devaney, Jean-Baptiste Delorme, Vincent Bessières und Marcus Steinweg versteht sich diese Publikation als neues Referenzwerk zu George Condos Œuvre.