Zwei Gemälde von George Condo mit deformierten Figuren in Museumspräsentation
Zwei Gemälde von George Condo mit deformierten Figuren in Museumspräsentation – Mit freundlicher Genehmigung von: mam.paris.fr / Musée d'Art Moderne de Paris

Wann: 10.10.2025 - 15.02.2026

Prolongation de l’exposition jusqu’au 15 février 2026

Vom 10. Oktober 2025 bis zum 15. Februar 2026 widmet das Musée d’Art Moderne de Paris George Condo die bislang umfangreichste Ausstellung seines Werks. In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden, entfaltet diese Schau ein Panorama von mehr als vier Jahrzehnten künstlerischer Arbeit und markiert einen zentralen Moment im Ausstellungsprogramm des Hauses.

George Condo, 1957 in Concord, New Hampshire, geboren, ließ sich 1979 in New York nieder und fand rasch Zugang zur dortigen Kunstszene, unter anderem durch seine Tätigkeit im Siebdruckatelier von Andy Warhol. Aufenthalte in Köln und Paris prägten seine künstlerische Entwicklung nachhaltig; insbesondere Paris wurde zwischen 1985 und 1995 zu seinem Lebensmittelpunkt. Die intensive Auseinandersetzung mit der europäischen Kunstgeschichte führte zu einer eigenständigen Form figurativer Malerei, verbunden mit einem scharfen, oft schonungslosen Blick auf seine Zeit.

Double Heads on Red - George Condo
The Fallen Butler" von George Condo
Double Heads on Red - George Condo • The Fallen Butler" von George Condo – Mit freundlicher Genehmigung von: mam.paris.fr / Musée d'Art Moderne de Paris

Nach den großen Retrospektiven zu Jean-Michel Basquiat im Jahr 2010 und Keith Haring im Jahr 2013 versteht sich diese Ausstellung als letzter Teil einer New Yorker Trilogie. Sie untersucht das Aufkommen einer neuen Generation von Malern in den 1980er Jahren, die das Medium Malerei grundlegend infrage stellte. George Condo, der einzige noch lebende Vertreter dieser Konstellation, führt diese Auseinandersetzung bis heute fort.

Porträtgemälde von George Condo mit stilisierter Figur und surrealer Farbigkeit
 George Condo Birdbrain, 2018
Porträtgemälde von George Condo mit stilisierter Figur und surrealer Farbigkeit • George Condo Birdbrain, 2018 – Mit freundlicher Genehmigung von: mam.paris.fr / Musée d'Art Moderne de Paris

Die Ausstellung versammelt rund 80 Gemälde, 110 Zeichnungen – präsentiert in einem eigenen Kabinett für grafische Arbeiten – sowie etwa zwanzig Skulpturen. Zahlreiche Leihgaben aus bedeutenden internationalen Institutionen wie dem MoMA, dem Metropolitan Museum of Art, dem Whitney Museum of American Art und dem Louisiana Museum of Modern Art sowie aus privaten Sammlungen sind erstmals gemeinsam in Paris zu sehen.

Obwohl der Charakter der Schau retrospektiv ist, folgt der Rundgang keiner strengen Chronologie. Stattdessen entfaltet sich das Werk entlang wiederkehrender Zyklen und Themen, die Condos Praxis seit Jahrzehnten prägen. Drei zentrale Linien strukturieren den Parcours: der Dialog mit der Kunstgeschichte, die Darstellung der menschlichen Figur und das Verhältnis zur Abstraktion.

Rote figurative Darstellung von George Condo zwischen Cartoonästhetik und surrealer Malerei
Rote figurative Darstellung von George Condo zwischen Cartoonästhetik und surrealer Malerei – Mit freundlicher Genehmigung von: mam.paris.fr / Musée d'Art Moderne de Paris
Obwohl der Charakter der Schau retrospektiv ist, folgt der Rundgang keiner strengen Chronologie. Stattdessen entfaltet sich das Werk entlang wiederkehrender Zyklen und Themen, die Condos Praxis seit Jahrzehnten prägen. Drei zentrale Linien strukturieren den Parcours: der Dialog mit der Kunstgeschichte, die Darstellung der menschlichen Figur und das Verhältnis zur Abstraktion.

Zu Beginn tritt Condos intensive Auseinandersetzung mit der westlichen Kunstgeschichte in den Vordergrund. In einem Raum, der an die Dramaturgie klassischer Kunstmuseen erinnert, begegnen sich Referenzen von Rembrandt über Goya bis Picasso und Rodin. Diese historischen Bezüge werden in ein eigenwilliges Bilduniversum überführt, bevölkert von schreienden, beunruhigenden Figuren.

Es folgt der Komplex des von Condo geprägten „Réalisme artificiel“, eines Konzepts jenseits linearer Zeitvorstellungen. Werke im Stil vergangener Epochen treffen hier auf Einflüsse aus Graffiti und Cartoon, wodurch eine bewusste zeitliche Verunsicherung entsteht. Serien wie die Collages oder die Combination Paintings zeigen, wie Aneignung, Überlagerung und Konfrontation zu zentralen Methoden seiner Arbeit werden.

Ein Übergang führt in einen intimeren Bereich, der Condos Beziehung zur Literatur beleuchtet, insbesondere seine Zusammenarbeit mit Autoren der Beat Generation wie William Burroughs, Allen Ginsberg und Brion Gysin. Dieser Abschnitt mündet in ein dicht gehängtes Kabinett mit Arbeiten auf Papier, das die zeichnerische Produktion von den frühen Anfängen bis zu den jüngsten Werken umfasst.

Die menschliche Figur bildet einen weiteren Schwerpunkt. In imaginären Porträts sogenannter „humanoïdes“ erkundet Condo die Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche. Einzelporträts, Gruppenbilder und die Serie der Doubles Portraits führen zur Idee eines von ihm formulierten „cubisme psychologique“, mit dem mehrere, widersprüchliche Emotionen in einem einzigen Bild sichtbar werden.

Den Abschluss bildet die Auseinandersetzung mit der Abstraktion. Von den frühen Expanding Canvases über monochrome Serien in Weiß, Blau und Schwarz bis zu den jüngsten Diagonal-Arbeiten zeigt sich eine unermüdliche Bereitschaft zur Erneuerung des eigenen malerischen Vokabulars.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog, erschienen auf Französisch bei Paris Musées und auf Englisch bei JRP|Editions. Mit Beiträgen von Edith Devaney, Jean-Baptiste Delorme, Vincent Bessières und Marcus Steinweg versteht sich diese Publikation als neues Referenzwerk zu George Condos Œuvre.

Tags: George Condo, Zeitgenössische Kunst, Zeichnungen, Skulpturen, Figurative Kunst, Malerei

Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
(Die Kassen schließen um 17:15 Uhr)

Donnerstags verlängerte Öffnungszeiten für Wechselausstellungen bis 21:30 Uhr

Geschlossen montags sowie am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember