Giulia Andreani – Sabotage
Die Ausstellung „Sabotage“ im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart markiert einen programmatischen Auftakt des Jubiläumsjahres und setzt zugleich einen kunsthistorisch präzisen Akzent. Im Zentrum steht die Frage, wie Geschichte entsteht, wer sie erzählt und welche Bilder im kollektiven Gedächtnis überleben. Giulia Andreani nutzt die Malerei als Instrument der Störung, nicht laut oder plakativ, sondern leise, analytisch und von großer formaler Konsequenz.
Andreanis künstlerische Praxis des „Malens mit Fotografien“ basiert auf historischen Bildquellen aus Familienalben und institutionellen Archiven. Ihre Gemälde entstehen aus fotografischen Vorlagen, die sie in ein charakteristisches Paynesgrau überführt, eine monochrome Farbigkeit, die an frühe Fotografie erinnert und Distanz erzeugt. Diese Distanz ist entscheidend: Sie erlaubt es, autoritäre Figuren, politische Machtgesten und offizielle Narrative ebenso sichtbar zu machen wie jene Personen, die aus den Bildern der Geschichte verdrängt wurden. Die Malerei wird bei Andreani zu einem Ort der Revision, an dem kollektives Vergessen und strukturelle Auslassungen lesbar werden.
„Sabotage“ versteht sich nicht als Gegenentwurf zur Geschichte, sondern als präziser Eingriff in ihre Bildproduktion. Andreanis Werke unterlaufen die vermeintliche Objektivität des fotografischen Dokuments und öffnen neue Bedeutungsschichten für die Gegenwart. Ihre Gemälde erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sondern legen Brüche frei. Sie zeigen Geschichte als etwas Fragiles, als Konstruktion, die jederzeit neu gelesen werden muss.
Die Ausstellung ist bewusst in einen erweiterten Sammlungsdialog eingebettet. Andreanis Arbeiten treten in Beziehung zu Werken aus der Antikensammlung, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum Europäischer Kulturen und dem Kupferstichkabinett. Diese Konstellation verschiebt den Blick auf historische Objekte und macht sichtbar, wie sehr ihre Bedeutung von zeitgenössischen Perspektiven abhängt. Die Ausstellungsarchitektur verweist dabei auf Sigmar Polkes legendäre Präsentation „Drei Lügen der Malerei“ von 1997 im Hamburger Bahnhof und schreibt die institutionelle Selbstbefragung des Hauses fort.
Giulia Andreani, geboren 1985 in Mestre, studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti in Venedig sowie Kunstgeschichte der Gegenwart an der Sorbonne in Paris. 2018 war sie Stipendiatin der Villa Medici in Rom, 2022 stand sie auf der Shortlist für den Prix Marcel Duchamp. Ihre Werke befinden sich heute in internationalen Sammlungen wie dem Centre Pompidou, dem Musée National de l’Histoire de l’Immigration, der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, dem MASI in Lugano und dem MASP in São Paulo. Die Präsentation im Hamburger Bahnhof ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.
Kuratiert von Sam Bardaouil und Till Fellrath gemeinsam mit Emily Finkelstein, fügt sich „Sabotage“ in das Jubiläumsprogramm „30 Jahre Hamburger Bahnhof“ ein, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in zukünftige Formen des Sammlungsmuseums spannt. Andreanis Ausstellung zeigt eindrücklich, wie Malerei heute als kritisches Werkzeug funktionieren kann: nicht illustrativ, sondern forschend, nicht erklärend, sondern hinterfragend. In dieser stillen Konsequenz entfaltet „Sabotage“ ihre nachhaltige Wirkung
Montag geschlossen. Dienstag 10:00 – 18:00 Uhr. Mittwoch 10:00 – 18:00 Uhr. Donnerstag 10:00 – 20:00 Uhr. Freitag 10:00 – 18:00 Uhr. Samstag 11:00 – 18:00 Uhr. Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr.
Hans Hansen – und plötzlich steht ein zerlegter VW Käfer wie ein stilles Universum aus 7.000 Einzelteilen vor unseren Augen: Mit der großen Werkschau „Foto: Hans Hansen“ entfaltet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg ab 17. April 2026 ein fotografisches Lebenswerk von radikaler Klarheit und zeitloser Präzision.
Vom 17. April bis 1. November 2026 widmet das MK&G einem der bedeutendsten Objektfotografen der Nachkriegszeit eine umfassende Ausstellung mit rund 220 ikonischen Fotografien aus mehr als sechs Jahrzehnten. Die Schau zeichnet die Entwicklung… Weiterlesen
Wenn die Blätter sprechen – Farrah Mahmood Rana zwischen Miniaturmalerei und Klimawandel
Mit „When the Leaves Speak – Wenn die Blätter sprechen“ eröffnet das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg am 24. September 2026 eine neue Präsentation im Zwischenraum. Die pakistanische Künstlerin Farrah Mahmood Rana verbindet darin die Tradition südasiatischer Miniaturmalerei mit einer sehr gegenwärtigen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel.
Die Natur ist in den Arbeiten von Farrah Mahmood Rana… Weiterlesen
BEGEISTERTE SAMMLER BEIM HIGHLIGHTS-START
Es war ein Auftakt voller Energie und Leidenschaft für die Kunst. Schon während der beiden Preview-Tage der 16. Ausgabe der Munich HIGHLIGHTS, die nun bis Sonntag in der Residenz München geöffnet ist, zeigte sich die besondere Atmosphäre dieser Messe. „Ich glaube, es tut uns allen gut, die positive Kraft der Kunst spüren. Und zugleich verdeutlicht das hohe Niveau des Angebots, dass die HIGHLIGHTS dem Kunstmarktplatz Deutschland wie keine andere Kunstmesse starke Impulse gibt“, erklärte… Weiterlesen
Vom 13. April bis 5. Oktober 2025 widmet die Langen Foundation in Neuss der berühmten Schweizer Sammlung Ringier eine große Ausstellung – und dies erstmals in Deutschland. Kuratiert von Beatrix Ruf und dem Künstler Wade Guyton, zeigt die Schau rund 500 Werke, die einen beeindruckenden Überblick über eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst geben.
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