Gemälde „Fae O“ (2025) von Sofia Mitsola mit entrücktem weiblichem Gesicht in lasierender Ölmalerei zwischen Eros, Melancholie und psychologischer Innenschau.
Gemälde „Fae O“ (2025) von Sofia Mitsola mit entrücktem weiblichem Gesicht in lasierender Ölmalerei zwischen Eros, Melancholie und psychologischer Innenschau. – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Wann: 16.01.2026 - 10.04.2026

Die Galerie Eva Presenhuber eröffnet das Ausstellungsjahr 2026 in Wien mit „Psyche of Fae O“, der zweiten Einzelausstellung der in London lebenden griechischen Künstlerin Sofia Mitsola. Vom 16. Januar bis 10. April 2026 wird die Lichtenfelsgasse 5 zu einem Ort konzentrierter malerischer Innenschau. Die Vernissage findet am Donnerstag, 15. Januar, von 18 bis 21 Uhr statt, begleitet von einem Artist Talk mit Sofia Mitsola und Vanessa Joan Müller um 18.30 Uhr.

Wie ein italienischer Roman, der sich zwischen Begehren und Melancholie entfaltet, betritt man bei Mitsola das Boudoir nicht als Dekor, sondern als Denkraum. Wörtlich ein Rückzugsort der Transformation, historisch belastet von Marquis de Sade bis Anaïs Nin, ist es hier Bühne und Spiegel zugleich. Während das zeitgenössische Fotogenre das Posieren in Dessous zur kommerzialisierten Geste der Selbstermächtigung erklärt hat, wird das Boudoir bei Mitsola zur atmosphärischen Kulisse einer Reflexion über die Möglichkeit der Aktmalerei im Heute, durchzogen von kunsthistorischen Erinnerungen und zugleich von ihnen gelöst.

Ölgemälde „Blasé“ (2025) von Sofia Mitsola mit entmaterialisiertem weiblichem Akt vor goldenem Hintergrund, zwischen Erotik, Verflüchtigung und zeitgenössischer Aktmalerei. © Sofia Mitsola
Ölgemälde „Oh So Fae“ (2025) von Sofia Mitsola mit zwei ineinander verschränkten weiblichen Figuren in Rot und Weiß vor dunklem Hintergrund, zwischen Doppelgänger-Motiv, Eros und psychologischer Spannung. © Sofia Mitsola
Ölgemälde „Blasé“ (2025) von Sofia Mitsola mit entmaterialisiertem weiblichem Akt vor goldenem Hintergrund, zwischen Erotik, Verflüchtigung und zeitgenössischer Aktmalerei. © Sofia Mitsola • Ölgemälde „Oh So Fae“ (2025) von Sofia Mitsola mit zwei ineinander verschränkten weiblichen Figuren in Rot und Weiß vor dunklem Hintergrund, zwischen Doppelgänger-Motiv, Eros und psychologischer Spannung. © Sofia Mitsola – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

In den neuen Ölgemälden verschmelzen Wiedergängerinnen aus Gustav Klimts Bildwelt mit Anklängen an Vintage Porn zu einem Neo-Art-Déco von eigentümlicher Kälte. Porzellanweiße Haut, kaskadierende rote Haare, goldene oder rauchig-diffuse Hintergründe bilden eine Bildsprache, die zugleich verführerisch und entrückt wirkt. Überschlanke Körper, wie zur Fläche eingeebnet, treten uns frontal entgegen, kokett, melancholisch oder bereits im Begriff zu verschwinden. Impressionistisch vibrierende Hintergründe, die an Bonnard erinnern, oder monochrome Farbflächen entziehen den Szenen jeden eindeutigen historischen Ort und öffnen einen Bildraum zeitloser Projektion.

Diese Körperlichkeit ist sexualisiert und deformiert zugleich. Abgeschnittene Gliedmaßen evozieren Egon Schieles Aktzeichnungen, Torsionen erinnern an Hans Bellmers Puppen. Große Augen und geschürzte Lippen schlagen eine Brücke vom Fin de Siècle zur Camp-Ästhetik der 1970er-Jahre und weiter zu den Manga-inspirierten Filtern der sozialen Medien. Mitsolas Figuren sind durch und durch malerische Fiktionen, Projektionsflächen einer Betrachtung, die um die Abstumpfung einer von Bildern gesättigten Gegenwart weiß und gerade darin ihre stille Irritation entfaltet.

Ölgemälde „Leda“ (2025) von Sofia Mitsola mit mythologisch aufgeladener weiblicher Figur zwischen Erotik, Transformation und zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola
Ölgemälde „Venus and Mercury“ (2025) von Sofia Mitsola mit mythologischen Figuren in zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola
Ölgemälde „Leda“ (2025) von Sofia Mitsola mit mythologisch aufgeladener weiblicher Figur zwischen Erotik, Transformation und zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola • Ölgemälde „Venus and Mercury“ (2025) von Sofia Mitsola mit mythologischen Figuren in zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Im Unterschied zur arkadischen Unbekümmertheit früherer Werkgruppen herrscht in „Psyche of Fae O“ eine Atmosphäre emotionaler Dissonanz. Der Dualismus von Glanz und Düsternis durchzieht die Serie wie ein leiser Puls. Freuds Eros und Thanatos blitzen auf in postkoitalen Gestalten zwischen Schlaf und Apathie, im langsamen Verschwinden begriffen. In La Petite Mort kulminiert dieser Gedanke in der Begegnung mit einem Gerippe, begleitet von dem Satz „Das Genießen ist der Weg zum Tod“ (Lacan).

Der Ausstellungsraum selbst wird zur Bühne. Ein eigens komponierter Sound aus Melodie und Atonalität weht durch die Dunkelheit. Im Zentrum steht ein Frisiertisch, eine „Psyche“, Spiegel der Verwandlung und zugleich Instrument der Selbstreflexion. Doch er reflektiert nicht die Abwesende, sondern uns. Stahl, harte Materialien und eine beinahe feindselige Präzision der Utensilien erinnern an Marina Abramovics Rhythm 01. Alles ist doppelt codiert, weich und hart, warm und kalt, wie ein emotional geschlossener Raum, in dem Euphorie jederzeit in Verzweiflung kippen kann.

Ölgemälde „La Petite Mort“ (2025) von Sofia Mitsola mit erotisch-psychologischer Szene zwischen Eros, Vergänglichkeit und zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola
Ölgemälde „La Petite Mort“ (2025) von Sofia Mitsola mit erotisch-psychologischer Szene zwischen Eros, Vergänglichkeit und zeitgenössischer figurativer Malerei. © Sofia Mitsola – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

„Die Moderne eröffnet Räume der Freiheit: Sie erlaubt es, mit den eigenen Mitteln neu zu sehen, neu zu denken und der Welt eine offenere, menschlichere Form zu geben.“ — Zugeschrieben an Agnes Martin

Mitsola verweist auf Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ und auf „Hoffmanns Erzählungen“ als visuelle Inspirationsquellen. Opulenz und exaltiertes Sentiment, Liebe und Unterwerfung, Begehren und Untergang durchziehen jedes Detail. Und doch bleibt Fae O ein sprachliches Wesen. Abgeleitet vom griechischen Φαΐω, „hell leuchten“, ist der Name Klang, Anfangslaut, Versprechen. Wie etwas, das im Sprechen Gestalt annimmt, um im nächsten Moment wieder zu entschwinden.

Sofia Mitsola, geboren 1992 in Thessaloniki, lebt und arbeitet in London. Nach ihrem MFA-Abschluss an der Slade School of Fine Art entwickelte sie eine international beachtete Praxis, mit Einzelausstellungen unter anderem bei Pilar Corrias in London und der Galerie Eva Presenhuber in Zürich. Ihre Werke sind heute in bedeutenden institutionellen Sammlungen vertreten, von London bis Miami, von Shanghai bis Seoul. „Psyche of Fae O“ zeigt sie auf dem Höhepunkt einer Malerei, die weiß, woher sie kommt, und gerade deshalb den Mut hat, sich dem Ungewissen auszusetzen.

Tags: Sofia Mitsola, Zeitgenössische Kunst, Figurative Kunst, Malerei, Aktmalerei, Mythologie, Erotik

Dienstag–Freitag, 12–18 Uhr
Samstag, nach Vereinbarung