Diese kosmische Dimension wird durch zwei frühere Werke zugespitzt. „Atomic Bomb“ (2007) zeigt eine farbige Pilzwolke vor blauem Himmel, ein Bild des Endes, der radikalen Zäsur menschlicher Erfahrung. Ihm gegenüber stehen die jüngsten Gemälde, die von Wiedergeburt und zyklischer Erneuerung erzählen. „The Old Mill Calendar“ (2011), erstmals auf der Yokohama Triennale und später bei Art Basel Unlimited gezeigt, verdichtet Dawsons Denken in einer monumentalen Bildform. Die Mühle fungiert hier als uralte Metapher für den Lauf der Sterne und die Rotation der Zeit, für das langsame, unaufhaltsame Drehen des kosmischen Getriebes.
Dawson fordert den Blick heraus, weg vom Bildschirm, hin zum Boden unter den Füssen. Seine Malerei erinnert daran, dass Natur, Zeit und Wissen untrennbar miteinander verbunden sind. Sie schlägt vor, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und das Einfache als Gefäss für das Ewige zu begreifen. In dieser Haltung liegt ihre stille, nachhaltige Aktualität.
„Die Moderne eröffnet Räume der Freiheit: Sie erlaubt es, mit den eigenen Mitteln neu zu sehen, neu zu denken und der Welt eine offenere, menschlichere Form zu geben.“ — Zugeschrieben an Agnes Martin
Verne Dawson, geboren 1955 in Meridianville, Alabama, lebt und arbeitet in New York. Seine Werke wurden international gezeigt, unter anderem in der Kunsthalle Zürich, im Camden Arts Centre in London und im Le Consortium in Dijon, sowie auf der Whitney Biennale und der Lyon Biennale. Die Ausstellung findet in der Galerie Eva Presenhuber in Zürich statt und verankert Dawsons Werk erneut in einem kunsthistorischen Diskurs, der weit über den Moment hinausreicht.