Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) La Promenade, 1870 © Image courtesy of the J. Paul Getty Museum
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) La Promenade, 1870 © Image courtesy of the J. Paul Getty Museum – Mit freundlicher Genehmigung von: musee-orsay.fr / Musée d’Orsay Paris

Wann: 17.03.2026 - 19.07.2026

Zwischen dem 17. März und dem 19. Juli 2026 widmet sich das Musée d’Orsay einer der zentralen, zugleich lange unterschätzten Triebfedern im Werk von Pierre-Auguste Renoir: der Liebe. Unter dem Titel „Renoir and Love. Happy modernity (1865–1885)“ entfaltet die Ausstellung ein Panorama jener zwei Jahrzehnte, in denen Renoir zu einem der großen Chronisten der modernen Welt wurde – mit einem Blick, der ebenso sinnlich wie leise, ebenso heiter wie präzise ist.

Wie Édouard Manet, Edgar Degas, Claude Monet oder Gustave Caillebotte gehört Renoir zu jenen Künstlern, die das moderne Leben des 19. Jahrhunderts neu definierten. Zwischen Mitte der 1860er-Jahre und den 1880er-Jahren entwickelte er eine lichte, fließende Malweise, erfüllt von Farbe, Bewegung und Nähe. Seine neuen Sujets kreisen um Beziehungen zwischen Männern und Frauen – nicht als Drama, nicht als moralische Anklage, sondern als stilles Spiel von Blicken, Gesten und Berührungen.

Renoirs Vision ist von einer seltenen Zartheit. Frei von Sentimentalität, frei von Derbheit, frei von Pathos unterscheidet sie sich deutlich von den oft schärferen, analytischeren Beobachtungen seiner Zeitgenossen. Seine Paare begegnen einander in öffentlichen Räumen der modernen Stadt und ihrer Freizeitkultur: in Theatern, Restaurants, Guinguettes, auf Boulevards und in Gärten. Diese Schauplätze einer neuen Geselligkeit, offen für unterschiedliche soziale Schichten, wurden zu Bühnen einer „happy modernity“, in der sich Konventionen lockerten und neue Formen von Nähe, Begehren und Freiheit möglich schienen.

Diese populären Szenen moderner Liebe spiegeln eine Zeit, in der bürgerliche Moral und religiöse Normen noch das Beziehungsleben bestimmten, zugleich aber zunehmend infrage gestellt wurden. Renoir greift dabei auf die Erinnerung an die „fêtes galantes“ von Watteau, Boucher und Fragonard zurück, um Beziehungen zwischen Männern und Frauen neu zu verzaubern und unausgesprochen Fragen nach männlichem Begehren und weiblicher Zustimmung zu verhandeln – auch wenn seine Darstellungen weiterhin von traditionellen Geschlechterbildern geprägt bleiben.

Doch Renoir reduziert Liebe nicht auf das Spiel der Verführung. Seine Paare sind eingebettet in dichte Netze sozialer und emotionaler Beziehungen: Freunde, Eltern, Kinder sind Teil derselben Bildwelten. Liebe erscheint als elementare Kraft, die Menschen untereinander und mit der Natur verbindet. „a picture should be a pleasant thing, joyful and pretty“. Dieser Satz des Künstlers ist kein dekoratives Bekenntnis, sondern Programm. Blick, Körper, Raum und Landschaft verschmelzen zu in sich geschlossenen Welten, in denen Nähe und Gemeinschaft spürbar werden.

In diesen Jahren wagt sich Renoir mehrfach an großformatige Kompositionen, die zu Manifesten einer neuen, urbanen Geselligkeit werden. Werke wie „Dance at the Moulin de la Galette“ oder „Luncheon of the Boating Party“ setzen der wachsenden Vereinsamung der modernen Stadt bewusst Bilder des Miteinanders entgegen. Gleichzeitig verweigert sich Renoir dem sozialdeterministischen, oft pessimistischen Blick des Naturalismus auf die arbeitenden Klassen, aus denen er selbst stammt. Armut, Alkoholismus, Prostitution oder die Ausbeutung junger Frauen durch das Bürgertum treten nur als leise, kaum wahrnehmbare Andeutungen in Erscheinung – als Schatten eines Wissens, das der Maler kannte, aber nicht in den Vordergrund rückte.

Die Ausstellung, gemeinsam organisiert mit der National Gallery und dem Museum of Fine Arts, untersucht Renoirs grundlegenden Beitrag zum Impressionismus und zur Kunst des 19. Jahrhunderts aus der Perspektive dieses universellen Begriffs der Liebe. Sie eröffnet einen neuen Blick auf Werke, deren Bekanntheit lange verdeckt hat, wie radikal sie in Wahrheit sind. Erstmals seit der großen Renoir-Retrospektive von 1985 im Grand Palais kehren zentrale Meisterwerke des Künstlers und des Impressionismus gemeinsam nach Frankreich zurück.

Kuratiert wird die Ausstellung von Paul Perrin für das Musée d’Orsay, gemeinsam mit Chris Riopelle und Katie Hanson, unterstützt von Chiara di Stefano und Lucie Lachenal-Tabellet. „Renoir and Love“ ist damit nicht nur eine Ausstellung über Malerei, sondern ein sinnliches, klug komponiertes Plädoyer für die menschliche Nähe als Herz der Moderne.

Tags: Pierre-Auguste Renoir, Malerei, Moderne Kunst, 19. Jahrhundert, Impressionismus

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