In dieser Jahreszeit wirken Cézannes Landschaften aus der Provence, seine Badenden und Porträts wie innere Landschaften. Die Montagne Sainte-Victoire erhebt sich nicht als spektakuläres Motiv, sondern als stiller Prüfstein des Sehens, immer wieder neu befragt, immer wieder anders gesetzt. Cézanne malt nicht, was er sieht, sondern wie Sehen entsteht. In seinem Atelier im Süden Frankreichs formte er aus Farbe, Licht und Fläche eine Malerei, die zugleich streng und offen ist, gebaut aus Spannung und Balance.
Die Ausstellung führt in die letzte und bedeutendste Phase seines Schaffens, in jene Jahre, in denen Cézanne mit äußerster Konsequenz arbeitete. Rund 80 Ölgemälde und Aquarelle aus bedeutenden institutionellen und privaten Sammlungen machen sichtbar, wie er Bild für Bild eine neue Ordnung der Welt entwarf. Hier zeigt sich ein Künstler in Hochform, der mit jedem Pinselstrich die Malerei erneuerte und damit den Grundstein für die Kunst des 20. Jahrhunderts legte.
Nicht zufällig wurde Cézanne zum „Vater der Moderne“. Und nicht zufällig sprach Pablo Picasso von ihm als dem „Vater von uns allen“. In der winterlichen Klarheit dieser Ausstellung wird deutlich, warum diese Worte bis heute tragen. Cézannes Werk erscheint hier nicht als historisches Kapitel, sondern als gegenwärtige Erfahrung – still, konzentriert und von einer Kraft, die lange nachwirkt.
„Was ich will, wird erst am Ende meines Schaffens deutlich werden, als Ganzes gesehen …“ – Max Beckmann
Deshalb, worauf kommt es im Leben wirklich an?
Es sind die leisen Augenblicke des Glücks, die wir mitnehmen und im Herzen bewahren.
Andreas Färber