Sandra Mujinga, Touch Face 1–3, 2018, Installationsansicht, Poetry for Revolutions, Instituto Svizzero, Rom, 2023–24  Foto: Daniele Molajoli
Sandra Mujinga, Touch Face 1–3, 2018, Installationsansicht, Poetry for Revolutions, Instituto Svizzero, Rom, 2023–24 Foto: Daniele Molajoli – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Wann: 29.01.2026 - 31.05.2026

Ende Januar liegt das Belvedere 21 in der Kälte des Wiener Winters. Das Licht ist klar, die Luft scharf, die Architektur erscheint wie ein schwebender Körper aus Glas und Stahl, der sich gegen Dunkelheit und Stille behauptet. In diesem Moment entfaltet „Skin to Skin“ seine volle Wirkung. Die Installation tritt in einen Dialog mit der Jahreszeit, mit dem Rückzug der Körper, mit dem Bedürfnis nach Schutz und Nähe. Draußen friert der Raum, während sich im Inneren eine fragile Gemeinschaft formiert – 55 Figuren, die nicht wärmen, aber Widerstand leisten, nicht trösten, aber Halt geben.

Im Zentrum der Installation steht eine geheimnisvolle Versammlung von 55 identischen, überlebensgroßen Figuren. Sie wirken wie Erscheinungen aus einer anderen Sphäre, zugleich vertraut und fremd, wie Avatare, Tiefseewesen oder Körper ohne eindeutige Herkunft. Ihre Präsenz oszilliert zwischen Verletzlichkeit und Stärke, zwischen Nähe und Rückzug. Was hier sichtbar wird, ist keine Erzählung im klassischen Sinn, sondern ein Zustand: ein kollektiver Körper, der sich durch Wiederholung behauptet und sich gerade dadurch entzieht.

 Sandra Mujinga  Foto: Chai Saeidi
Sandra Mujinga Foto: Chai Saeidi – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21
Mujinga greift auf Strategien aus der Tierwelt zurück – Tarnung, Nachtaktivität, Anpassung – und verbindet diese mit Denkmodellen aus Science-Fiction, Afrofuturismus und posthumanistischer Theorie. Die Vervielfältigung der Figuren wird zur Methode des Verschwindens, zur stillen Form des Widerstands gegen Fixierung und Vereinnahmung. Der Raum wird nicht bevölkert, sondern aufgeladen, als würde jede Figur die andere schützen, spiegeln oder verdecken.

Die Arbeit wurde zuvor im Stedelijk Museum in Amsterdam gezeigt und findet im Belvedere 21 eine neue räumliche Entfaltung. Hier wird die Installation zu einem sensiblen Gefüge aus Körpern, Blicken und Zwischenräumen. Nähe erscheint nicht als Intimität, sondern als geteilte Fragilität. Mujinga schafft eine Atmosphäre, die weniger erklärt als spürbar macht, in der Identität nicht festgeschrieben ist, sondern in Bewegung bleibt.
 Sandra Mujinga, Spectral Keepers, 2020  Installationsansicht, The Approach, London, 2021,  Foto: Plastiques, Courtesy Sandra Mujinga und The Approach, London © Sandra Mujinga
 Sandra Mujinga, Nokturnal Kinship (Detail), 2018, Installationsansicht, SONW – Shadow Of New Worlds, Bergen Kunsthall, 2019–2020  Foto: Thor Brødreskift, © Bergen Kunsthall
Sandra Mujinga, Spectral Keepers, 2020 Installationsansicht, The Approach, London, 2021, Foto: Plastiques, Courtesy Sandra Mujinga und The Approach, London © Sandra Mujinga • Sandra Mujinga, Nokturnal Kinship (Detail), 2018, Installationsansicht, SONW – Shadow Of New Worlds, Bergen Kunsthall, 2019–2020 Foto: Thor Brødreskift, © Bergen Kunsthall – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Sandra Mujinga wird von der Galerie Eva Presenhuber vertreten. Geboren 1989 in Goma in der Demokratischen Republik Kongo, lebt die Künstlerin heute in Norwegen. Ihre Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen von Skulptur, Installation und Klang und kreisen um Fragen von Sichtbarkeit, Schutz und Selbstbestimmung. In „Skin to Skin“ verdichten sich diese Themen zu einer stillen, aber eindrucksvollen Setzung, die den Körper nicht ausstellt, sondern ihm eine Hülle gibt.

So wird das Belvedere 21 für einige Monate zu einem Ort der konzentrierten Wahrnehmung. Nicht das Einzelne steht im Vordergrund, sondern das Gemeinsame, nicht die Pose, sondern die Haltung. „Skin to Skin“ ist eine Einladung, genauer hinzusehen, ohne alles erkennen zu müssen, und die Möglichkeit zuzulassen, dass Bedeutung sich nicht sofort offenbart, sondern im Nachhall entsteht.

Tags: Sandra Mujinga, Zeitgenössische Kunst, Installation, Posthuman, internationale Kunst

Das Belvedere 21 ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Am Donnerstag lädt das Museum zur Abendöffnung und bleibt bis 21 Uhr zugänglich.