Mapping the 60s im mumok Wien – Wiener Aktionismus und Performancekunst der 1960er-Jahre, Skulptur im Dialog mit fotografischer Dokumentation, Ausstellungsansicht © esel.at / Lorenz Seidler
Mapping the 60s im mumok Wien – Wiener Aktionismus und Performancekunst der 1960er-Jahre, Skulptur im Dialog mit fotografischer Dokumentation, Ausstellungsansicht © esel.at / Lorenz Seidler – Mit freundlicher Genehmigung von: mumok / MUMOK Wien

Wann: 08.09.2025 - 10.05.2026

Wien war nie neutral. Im 20. Jahrhundert ein Brennglas gesellschaftlicher, politischer und ästhetischer Spannungen, im 21. Jahrhundert erneut ein Resonanzraum globaler Konflikte. Genau hier entfaltet Mapping the 60s. Kunst-Geschichten aus den Sammlungen des mumok, Fokus #2, noch bis 10. Mai im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, seine ganze Wucht. Die Ausstellung liest die 1960er-Jahre nicht als abgeschlossene Epoche, sondern als seismischen Ursprung unserer Gegenwart.

Die Sechziger markieren einen historischen Kipppunkt. Bürgerrechtsbewegungen, Studierendenrevolten, antikoloniale Befreiungskämpfe, Emanzipation sowie der Siegeszug von Popkultur und Konsumgesellschaft verdichten sich zu einem Klima permanenter Spannung. Viele der Fragen, die heute mit neuer Dringlichkeit verhandelt werden – Antirassismus, Feminismus, Medialisierung, Technik, Konsumismus, Kapitalismus, Krieg – haben hier ihren Ausgangspunkt. Mapping the 60s zieht diese Linien ohne Umwege in das Heute des 21. Jahrhunderts und macht deutlich, dass Geschichte kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein offenes Archiv.

1962 als Museum des 20. Jahrhunderts gegründet, war das mumok das erste österreichische Kunstmuseum, das sich ausschließlich der Gegenwart widmete. Die frühen Ankäufe sowie die Sammlungen von Peter und Irene Ludwig und Wolfgang Hahn bilden das Fundament dieser Präsentation. Das titelgebende „Mapping“, ein Kartieren und Vermessen, zeigt die Werke in ihrem historischen Kontext und zugleich als aktive Stimmen, die bis in unsere Zeit sprechen.

Nach dem ersten Teil der Sammlungspräsentation, der sich auf Pop Art, konzeptuelle Ausdrucksformen, internationale Großausstellungen und Publikationen konzentrierte, richtet Fokus #2 den Blick auf Bewegungen, die den Kunstbegriff radikal neu definierten. Fluxus, Nouveau Réalisme, Happenings sowie der Aktionismus in Wien und darüber hinaus lösen sich vom autonomen Objekt. Mit der Performance betritt der Körper die Bühne, Prozess und Material werden zu Trägern von Bedeutung, Kunst wird Handlung und Intervention.

Gerade in Wien erhält diese Radikalität eine besondere Schärfe. Zwischen Verdrängung und Aufbruch, Tradition und Provokation wird die Stadt zum Resonanzraum jener künstlerischen Strategien, die etablierte Hierarchien und Machtstrukturen infrage stellen. Vor dem Hintergrund massiver politischer und gesellschaftlicher Umbrüche formulieren die Arbeiten Systemkritik und fordern einen Neuanfang. Die Brisanz dieser Fragen ist ungebrochen – und macht den Kern des Wau dieser Ausstellung aus.

Die versammelten Positionen entfalten ein dichtes internationales Panorama: Eric Andersen, Arman, Ay-O, George Brecht, Günter Brus, Mark Brusse, John Cale, John Cavanaugh, César, Henning Christiansen, Philip Corner, Christo, Gérard Deschamps, François Dufrêne, Jean Dupuy, Erró, VALIE EXPORT, Robert Filliou, Albert Fine, Ken Friedman, Al Hansen, Raymond Hains, Sohei Hashimoto, Wilhelm Hein, Geoffrey Hendricks, Dick Higgins, Ludwig Hoffenreich, Peter Jirak, Ray Johnson, Joe Jones, Allan Kaprow, Peter Kennedy, Khasaq, Yves Klein, Bengt af Klintberg, Milan Knížák, Alison Knowles, Július Koller, Kurt Kren, George Landow, Manfred Leve, George Maciunas, Jackson Mac Low, Larry Miller, Jonas Mekas, Peter Moore, Charlotte Moorman, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Serge Oldenbourg, Yoko Ono, Malte Olschewski, Nam June Paik, Mike Parr, Ben Patterson, Jeff Perkins, Martial Raysse, Willem de Ridder, James Riddle, Mimmo Rotella, Dieter Roth, Niki de Saint Phalle, Takako Saito, Carolee Schneemann, Ernst Schmidt jr., Serge III, Paul Sharits, Mieko Shiomi, Berty Skuber, Daniel Spoerri, Herbert Stumpfl, Christof Šubik, Anne Tardos, Jean Tinguely, Pieter Vanderbeck, Jacques de la Villeglé, Wolf Vostell, Ben Vautier, Yoshimas Wada, Robert Watts, Peter Weibel, Oswald Wiener und Emmett Williams.

Mapping the 60s zeigt Wien als Stadt der Spannungen – damals wie heute. Eine Ausstellung, die nicht beruhigt, sondern aufrüttelt, und die eindrucksvoll belegt, wie sehr die Erschütterungen des 20. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert weiterwirken.

Tags: Moderne Kunst, 60 Jahre, Fluxus, Nouveau Réalisme, Wiener Aktionismus, Performance Kunst, Zeitgenössische Kunst, 20. Jahrhundert Kunst, Politische Kunst

Montag: 14.00-19.00 Uhr , Dienstag bis Sonntag: 10.00-19.00 Uhr Donnerstag: 10.00-21.00 Uhr