Diese indirekte Form des Selbstporträts setzt sich in einer Serie von Objektbildern fort. Ein abgenutzter schwarzer Malerpinsel, einst vom Vater zum Streichen von Wänden benutzt und später vom Künstler verwendet, um Farbe wieder abzutragen, erscheint zugleich als Werkzeug, Erinnerung und Bild. Eine einzelne Tulpe, in sich geschlossen, deren Blütenblätter wie eine schützende Rüstung wirken, wird zur Metapher einer inneren Haltung. Natur und Artefakt treten in einen stillen Dialog: Die helle Blume richtet sich nach oben, bereit zur Öffnung, während der dunkle Pinsel nach unten hängt, beschwert von Herkunft und künstlerischer Linie.
Die abstrakten Arbeiten auf unbehandeltem Aluminium führen diese Auseinandersetzung mit Material und Zeit konsequent weiter. Das industrielle Trägermaterial verweist auf Koenigs architektonischen Hintergrund und seine Erfahrung in einer Stahlwerkstatt. Aluminium verzeiht nichts. Jeder Fleck, jede Schramme, jede Spur von Transport, unsicherer Handhabung oder bewusster Misshandlung bleibt sichtbar. Intention und Zufall existieren nebeneinander. Die Oberflächen werden zu Chroniken von Zögern, Wiederholung und Dauer und spiegeln damit die körperliche und zeitliche Arbeit der fotorealistischen Malerei.
Über die gesamte Ausstellung hinweg bleibt das Selbst in Bewegung. Es erscheint nicht fixiert, sondern verteilt – zwischen Figur, Werkzeug und Oberfläche. Metapher, Symbol und Material verschränken sich zu einem Bild des Künstlers jenseits eindeutiger Form. Selbstporträt wird hier nicht als Abbildung verstanden, sondern als langsamer, methodischer Prozess des Markierens, des Zurückhaltens und der fortwährenden Rückkehr.
Text: Chris Erik Thomas. Veröffentlichung: findart.cc