Installation View: Paco Koenig - Domi Reversi at Galerie Kandlhofer (Photo: Manuel Carreon Lopez)
Installation View: Paco Koenig - Domi Reversi at Galerie Kandlhofer (Photo: Manuel Carreon Lopez) – Mit freundlicher Genehmigung von: kandlhofer / Galerie Lisa Kandlhofer

Wann: 23.01.2026 - 20.02.2026

In der Galerie Lisa Kandlhofer eröffnet am 22. Januar 2026 die Einzelausstellung „Domi Reversi“ von Paco Koenig. Gezeigt wird die Ausstellung vom 23. Januar bis 20. Februar 2026. Malerei erscheint hier nicht als Ziel oder fertiges Bild, sondern als Zustand – als Bewegung der Rückkehr, der Sammlung und der erneuten Verortung.

Zwischen Berlin und der nördlichen Ägäis liegt bei Paco Koenig kein geografischer Gegensatz, sondern ein innerer Takt. Aufgewachsen zwischen urbaner Dichte und sommerlicher Abgeschiedenheit hat sich früh ein Rhythmus aus Aufbruch und Erdung eingeschrieben, der seine künstlerische Praxis bis heute bestimmt. WAU entsteht genau dort, wo diese Bewegung im kühlen Wien zur Ruhe kommt – nicht als Stillstand, sondern als gespannte Konzentration.

Der Titel „Domi Reversi“, abgeleitet von der lateinischen Wendung „return to one’s origin“, verweist auf ein Verständnis des Ateliers als mehrschichtigen Ort. Es ist nicht nur Raum des Anfangs, sondern ein Speicher von Zeit, Handlung und Erinnerung. Werkzeuge, Objekte, raue Skizzen und Farbreste erscheinen als sedimentierte Spuren eines Selbst, das sich nicht direkt zeigt, sondern über Umwege lesbar wird. Identität entsteht beiläufig, durch Umkehrung und bewusste Zurückhaltung.

Installation View: Paco Koenig - Domi Reversi at Galerie Kandlhofer (Photo: Manuel Carreon Lopez)
Installation View: Paco Koenig - Domi Reversi at Galerie Kandlhofer (Photo: Manuel Carreon Lopez) – Mit freundlicher Genehmigung von: kandlhofer / Galerie Lisa Kandlhofer
Die Ausstellung vereint eine neue Serie fotorealistischer Gemälde mit abstrakten Arbeiten auf unbehandeltem Aluminium. In den fotorealistischen Bildern wird der flüchtige Moment der Fotografie verlangsamt, gedehnt, beinahe angehalten. Was sonst als augenblicklicher Schnappschuss erscheint, wird in einen zeitintensiven malerischen Prozess überführt. Langsame, präzise Pinselbewegungen ersetzen die technische Geschwindigkeit des Fotos und spiegeln Koenigs konsequent durationales Arbeiten.

Im Zentrum steht „Verso“, ein großformatiges figuratives Gemälde des Künstlers bei der Arbeit, von hinten gesehen. Ein Gemälde eines Fotos eines Porträts. Enge Jeans, eine leicht gekippte Hüfte, Zitate aus der Bildsprache von Männlichkeit, Arbeitskleidung, Cowboy-Mythos und sexuell aufgeladene Rock-’n’-Roll-Cover verdichten sich zu einer stillen Referenz. Die bewusste Abwendung vom Betrachter, das Verbergen des Gesichts, ist eine notwendige Geste. Anonymität und radikale Selbstoffenlegung halten sich in Balance und lenken den Blick weg vom Individuum hin zum Akt des Arbeitens selbst.

Diese indirekte Form des Selbstporträts setzt sich in einer Serie von Objektbildern fort. Ein abgenutzter schwarzer Malerpinsel, einst vom Vater zum Streichen von Wänden benutzt und später vom Künstler verwendet, um Farbe wieder abzutragen, erscheint zugleich als Werkzeug, Erinnerung und Bild. Eine einzelne Tulpe, in sich geschlossen, deren Blütenblätter wie eine schützende Rüstung wirken, wird zur Metapher einer inneren Haltung. Natur und Artefakt treten in einen stillen Dialog: Die helle Blume richtet sich nach oben, bereit zur Öffnung, während der dunkle Pinsel nach unten hängt, beschwert von Herkunft und künstlerischer Linie.

Die abstrakten Arbeiten auf unbehandeltem Aluminium führen diese Auseinandersetzung mit Material und Zeit konsequent weiter. Das industrielle Trägermaterial verweist auf Koenigs architektonischen Hintergrund und seine Erfahrung in einer Stahlwerkstatt. Aluminium verzeiht nichts. Jeder Fleck, jede Schramme, jede Spur von Transport, unsicherer Handhabung oder bewusster Misshandlung bleibt sichtbar. Intention und Zufall existieren nebeneinander. Die Oberflächen werden zu Chroniken von Zögern, Wiederholung und Dauer und spiegeln damit die körperliche und zeitliche Arbeit der fotorealistischen Malerei.

Über die gesamte Ausstellung hinweg bleibt das Selbst in Bewegung. Es erscheint nicht fixiert, sondern verteilt – zwischen Figur, Werkzeug und Oberfläche. Metapher, Symbol und Material verschränken sich zu einem Bild des Künstlers jenseits eindeutiger Form. Selbstporträt wird hier nicht als Abbildung verstanden, sondern als langsamer, methodischer Prozess des Markierens, des Zurückhaltens und der fortwährenden Rückkehr.

Text: Chris Erik Thomas. Veröffentlichung: findart.cc

Tags: Paco Koenig, Domi Reversi, Zeitgenössische Kunst, Gegenwartskunst, Fotorealismus, Fotografie

Dienstag–Freitag 11–18 Uhr
Samstag 11–15 Uhr

(an Sonn- und Feiertagen geschlossen)