Die Gemälde von Shirley Jaffe, im Dialog mit den späten Arbeiten von Henri Matisse, erinnern an die nachhaltige Wirkung der Entdeckung der ausgeschnittenen Gouachen. Diese Begegnung verweist auf den prägenden Einfluss, den amerikanische Künstler in Paris nach 1945 aus dieser radikalen Neuerfindung der Malerei schöpften.
Die kompromisslose Radikalität der Werke von Simon Hantaï und Judit Reigl bezeugt ihre Schlüsselrolle innerhalb der Kunstszene der 1960er bis 1980er Jahre. Ihre Arbeiten sprechen von Befreiung, Geste und Material – und von einer Moderne, die sich immer wieder neu erfinden muss.
Mit der Aufnahme eines Stilllebens von Jean Fautrier öffnet sich der Blick auf eine kontemplative Linie, die zu Giorgio Morandi, Geneviève Asse und Georges Adilon führt. Hier wird das scheinbar Stille zum Ort existenzieller Verdichtung. Pablo Picasso, Wifredo Lam und Francis Bacon öffnen schließlich das Feld der Surrealismen. Ein außergewöhnliches Sandbild von André Masson findet seinen Platz neben Werken von Max Ernst, Roberto Matta und Dorothea Tanning und verleiht den modernen Galerien eine eruptive, poetische Kraft.
Hommage an Henri Lachièze-Rey
Das Museum würdigt zudem eine Schlüsselfigur der Lyoner Kunst des 20. Jahrhunderts. Drei Gemälde von Henri Lachièze-Rey wurden zwischen 2016 und 2019 in die Sammlung aufgenommen, insbesondere dank einer Schenkung seiner Töchter. Die Präsentation vereint zwanzig Werke, die die jüngsten Erwerbungen ergänzen und zentrale Themen seines Schaffens aufrufen: Cafészenen, Akte, Porträts und Landschaften. Die Mehrzahl dieser Arbeiten ist erstmals öffentlich zu sehen – als stille, eindringliche Stimmen innerhalb eines großen Dialogs der Moderne.