The Robert Rauschenberg Foundation / ARS, New York 2024
The Robert Rauschenberg Foundation / ARS, New York 2024 – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthallekrems / Kunsthalle Krems

Wann: 25.04.2026 - 01.11.2026

Robert Rauschenberg konfrontiert mit dieser Ausstellung das Auge mit einer Kunst, die sich dem Gefallen entzieht und genau darin ihre Wirkung entfaltet. Bild und Geste, Alltag und Material treffen aufeinander, ohne sich zu ordnen oder zu erklären. Die Werke beruhigen nicht, sie lassen offen – und erzeugen ihre Spannung aus dieser bewussten Verweigerung.

Robert Rauschenberg (1925–2008) zählt zu den einflussreichsten US-amerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts und gilt als zentraler Wegbereiter der Pop Art und der Konzeptkunst. Internationale Bekanntheit erlangte er mit seinen „Combines“, in denen Alltagsmaterialien, Objekte und Printmedien mit malerischen Eingriffen verbunden werden. Sein erklärtes Ziel war es, die Grenze zwischen Kunst und Leben aufzulösen. Die Kunsthalle Krems widmet ihm die erste monografische Werkschau in Österreich und beschließt damit einen internationalen Ausstellungszyklus anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers.

Im Zentrum der Ausstellung steht das Zusammenspiel von fotografischem Bildmaterial und gestischer Malerei. Seit den 1950er-Jahren verwendet Rauschenberg Fotografien aus Zeitungen, Magazinen und seinem eigenen Archiv und kombiniert sie mit dynamischen malerischen und grafischen Spuren. Aus dieser Arbeitsweise entsteht eine Bildsprache, in der Kunst und Realität ineinandergreifen. Parallel dazu entstehen seine experimentellen „Transfer Drawings“, bei denen befeuchtete Zeitungsbilder auf den Bildträger übertragen werden und der Prozess der Bildentstehung sichtbar bleibt.

Im konkreten Werk verdichtet sich dieser Ansatz exemplarisch. Die Bildfläche erscheint nicht als geordneter Raum, sondern als Zone der Überlagerung. Breite grüne Farbfelder dominieren das Bild und tragen die Spuren ihres Auftrags offen zur Schau. Farbe fungiert nicht als dekoratives Element, sondern als Handlung. Unter diesen Schichten treten Fragmente gedruckter Schrift hervor, Reste von Sprache, die ihrer Lesbarkeit beraubt sind. Information erscheint nur, um im selben Moment wieder überdeckt zu werden.

Auf der rechten Seite durchbricht ein reales, industriell wirkendes Objekt die Bildfläche. Seine grüne Oberfläche lässt die schemenhafte Silhouette einer stehenden menschlichen Figur erkennen. Diese Figur ist nicht individuell, nicht erzählerisch, nicht präsent. Sie erscheint als Zeichen, als standardisierter Körper, eingebunden in Material. Der Mensch rückt an den Rand des Bildes und wird Teil der Collage.

Malerei, Schriftfragment und Objekt stehen hier nicht in einem hierarchischen Verhältnis. Sie konkurrieren miteinander. Das Werk verweigert Eindeutigkeit und Ordnung. Es zeigt keinen abgeschlossenen Inhalt, sondern einen Zustand zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung, zwischen Bild und Realität.

Das Werk lässt sich klar in jene Werkphasen einordnen, in denen Robert Rauschenberg das Verhältnis von Malerei, Collage und Objekt neu definiert. Die Verbindung von gestischer Farbsetzung, fragmentierter Schrift und realem Material verweist auf seine serielle Arbeitsweise, in der das Bild als offene Struktur gedacht ist. Rauschenberg interessiert weniger das einzelne Motiv als der Prozess der Überlagerung und die bewusste Störung klassischer Bildordnungen.

Die Bedeutung von Rauschenbergs Kunst liegt in dieser konsequenten Öffnung des Bildes. Seine Arbeiten formulieren keine Botschaften, sondern Zustände. Sie spiegeln eine Welt fragmentierter Information, anonymisierter Figuren und instabiler Bedeutungen. Was zunächst sperrig oder abweisend erscheinen mag, erweist sich bei genauer Betrachtung als präzise zeitgeschichtliche Setzung. Robert Rauschenbergs Werke verlangen keine Zustimmung, sondern Aufmerksamkeit – und behaupten genau darin ihre kunsthistorische Relevanz.

Tags: Robert Rauschenberg, Pop Art, Konzeptkunst, amerikanische Kunst, Zeitgenössische Kunst, Moderne Kunst, Collagen, Retrospektive, Malerei

Öffnungszeiten:t äglich 10.00 bis 18.00 Uhr