Geöffnete Schublade eines Planschranks mit restaurierten Porträtminiaturen der Romantik auf Elfenbein, gerahmt und ungefasst, Hamburger Kunsthalle
Geöffnete Schublade eines Planschranks mit restaurierten Porträtminiaturen der Romantik auf Elfenbein, gerahmt und ungefasst, Hamburger Kunsthalle – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle

Wann: 06.02.2026 - 07.06.2026

Die Porträtminiatur der Romantik ist eine Kunstform der Nähe, der Erinnerung und des leisen Blicks – und zugleich ein präziser Spiegel gesellschaftlicher, technischer und emotionaler Umbrüche um 1800. In einer Zeit, in der das Bild noch getragen, verborgen und nur für ein einziges Gegenüber bestimmt war, entwickelte sich die Miniaturmalerei zu einer der intimsten Ausdrucksformen europäischer Porträtkunst. Zwischen feiner Aquarell- und Gouachemalerei, hauchdünnem Elfenbein und silbern hinterlegten Bildgründen entstand ein Genre, das Nähe konservierte und Abwesenheit überdauerte.

Die Ausstellung „FOR YOUR EYES ONLY. Miniaturen der Romantik“ widmet sich erstmals umfassend der Geschichte der Porträtminiatur in Hamburg – von ihrer Blütezeit um 1800 bis zu ihrem allmählichen Verschwinden in den 1840er Jahren, als frühe fotografische Verfahren das kleine gemalte Bildnis ablösten. Das zentrale kunsthistorische Gewicht liegt dabei auf der Miniaturmalerei selbst: einem Medium, das mit Formaten von meist nur sechs bis zehn Zentimetern eine erstaunliche Dichte an psychologischer Präsenz, technischer Raffinesse und emotionaler Bedeutung entfaltet.

Carl Ferdinand Stelzner 1805-1894  Ulla, der Hund im Hause Stelzner1850-1865 Info  Daguerreotypie  7,3 x 6,3 cm Bildrechte  © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Joseph Nicolaus Peroux (1771–1849) Mutter mit Kind, 1815 Aquarell und Gouache auf Elfenbein, Ø 8 cm Schloss Kemnade, Hattingen (Sammlung Rudowski) © Foto: Fotostudio Eric Jobs, Hattingen
Carl Ferdinand Stelzner (1805–1894) Die Miniaturmalerin Caroline Stelzner (1808–1875), 1843 Daguerreotypie, 10,8 x 8,1 cm Museum für Kunst und Gewerbe © Museum für Kunst und Gewerbe
Carl Ferdinand Stelzner 1805-1894 Ulla, der Hund im Hause Stelzner1850-1865 Info Daguerreotypie 7,3 x 6,3 cm Bildrechte © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg • Joseph Nicolaus Peroux (1771–1849) Mutter mit Kind, 1815 Aquarell und Gouache auf Elfenbein, Ø 8 cm Schloss Kemnade, Hattingen (Sammlung Rudowski) © Foto: Fotostudio Eric Jobs, Hattingen • Carl Ferdinand Stelzner (1805–1894) Die Miniaturmalerin Caroline Stelzner (1808–1875), 1843 Daguerreotypie, 10,8 x 8,1 cm Museum für Kunst und Gewerbe © Museum für Kunst und Gewerbe – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle

Über 250 Objekte zeigen die Vielfalt dieses Genres. Den Ausgangspunkt bilden Porträtminiaturen aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle, die in den Jahren 2023 bis 2024 konservatorisch und kunsttechnologisch neu erschlossen wurden. Rund 60 dieser Werke werden erstmals öffentlich präsentiert und treten in Dialog mit etwa 200 hochkarätigen Leihgaben aus europäischen Museen und aus Privatbesitz, von denen viele ebenfalls zum ersten Mal zugänglich sind. So entsteht ein Panorama der europäischen Porträtminiatur, das Hamburg als wichtigen Knotenpunkt sichtbar macht.

Die in Rahmen, Broschen oder Etuis gefassten Bildnisse waren um 1800 keine repräsentativen Schaustücke, sondern zutiefst persönliche Objekte. Sie wurden „für nur ein weiteres Paar Augen bestimmt“, oft direkt am Körper getragen, nahe am Herzen, und dienten dazu, „die Erinnerung bei langer Trennung wachzuhalten oder Trost beim Verlust eines geliebten Menschen zu spenden“. In ihrer stillen Präsenz erzählen sie von Liebe, Verlust, Hoffnung und Bindung – Themen, die weit über ihre Zeit hinausreichen.

Friedrich Karl Gröger (1766–1838), Selbstbildnis, um 1800, Aquarell und Gouache auf Elfenbein 7,1 x 5,3 cm, Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle, Foto: Birgitt Schmedding
Adélaïde Labille-Guiard (1749–1803) Selbstbildnis, um 1774 Aquarell und Gouache auf Elfenbein, 10,3 x 8,4 cm The Tansey Miniatures Foundation, Celle © Foto: Birgitt Schmedding
Bernhard Peter von Rausch (1793–1865) Selbstporträt im Studio in München, um 1830 Öl auf Leinwand, 37,8 x 29,8 cm Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang
Friedrich Karl Gröger (1766–1838), Selbstbildnis, um 1800, Aquarell und Gouache auf Elfenbein 7,1 x 5,3 cm, Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle, Foto: Birgitt Schmedding • Adélaïde Labille-Guiard (1749–1803) Selbstbildnis, um 1774 Aquarell und Gouache auf Elfenbein, 10,3 x 8,4 cm The Tansey Miniatures Foundation, Celle © Foto: Birgitt Schmedding • Bernhard Peter von Rausch (1793–1865) Selbstporträt im Studio in München, um 1830 Öl auf Leinwand, 37,8 x 29,8 cm Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle

Porträtminiaturen waren in Europa weit verbreitet und längst nicht mehr allein dem Adel vorbehalten. Auch das aufstrebende Bürgertum entdeckte das kleine Bildnis als Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit. In Hamburg fiel diese Entwicklung mit einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruch zusammen. Das liberale Auktionsgesetz, die Gründung des Kunstvereins, neue Ausstellungsmöglichkeiten und technische Innovationen wie die Daguerreotypie und die Lithografie trugen dazu bei, dass sich die Stadt um 1800 zu einem bedeutenden Kunstzentrum entwickelte.

International renommierte Miniaturisten wie Domenico Bossi oder Pierre-Louis Bouvier lebten und arbeiteten zeitweise in der Hansestadt. Zugleich brachte Hamburg selbst herausragende Künstler hervor, darunter Heinrich Jacob Aldenrath, Friedrich Carl Gröger sowie Ferdinand und Caroline Stelzner, deren Werke eindrucksvoll zeigen, wie sich handwerkliche Präzision, psychologischer Scharfblick und zeitgenössisches Lebensgefühl in der Porträtminiatur vereinten.

Kuratiert von Sabine Zorn, Leiterin der Konservierung und Restaurierung von Graphik und Fotografie an der Hamburger Kunsthalle, und dem Gastkurator Dr. Bernd Pappe, freier Restaurator und Kunsthistoriker für Porträtminiaturen, eröffnet die Ausstellung einen seltenen, konzentrierten Blick auf ein Genre, das leise spricht und lange nachhallt. Die Porträtminiatur der Romantik erscheint hier nicht als Randphänomen, sondern als eigenständige, hochreflektierte Kunstform – geschaffen für den einen Blick, der alles bedeutet.

Tags: Porträtminiaturen, Miniaturmalerei‎, Romantik, 18. Jahrhundert, Aquarell, Gouache, Restaurierung, Fotografie

Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr.