Nackter sehniger männlicher Körper mit gesenktem Kopf, gespannt in einem kreisförmigen Rahmen wie im Rad der Zeit – Aktfotografie von Robert Mapplethorpe, 1987.
Nackter sehniger männlicher Körper mit gesenktem Kopf, gespannt in einem kreisförmigen Rahmen wie im Rad der Zeit – Aktfotografie von Robert Mapplethorpe, 1987. – Mit freundlicher Genehmigung von: palazzorealemilano / Palazzo Reale Milano

Wann: 29.01.2026 - 17.05.2026

Robert Mapplethorpe sprengt in Mailand erneut die Grenzen des Begehrens – mit einer Bildsprache, die den menschlichen Körper in einen zeitlosen Kreislauf aus Schönheit, Spannung und Verlangen zwingt.

Vom 29. Januar bis 17. Mai 2026 ist die Ausstellung „Robert Mapplethorpe. Le forme del desiderio“ in den Sälen des Palazzo Reale zu sehen. Gezeigt wird eine umfangreiche und in dieser Form inédita Auswahl jener Werke, die das Œuvre des amerikanischen Fotografen zu einem der kraftvollsten, radikalsten und zugleich formal vollkommensten des 20. Jahrhunderts gemacht haben. Ikonisch, kompromisslos und von einer kühlen Eleganz, die bis heute nachwirkt.

Die Ausstellung ist Teil des offiziellen Kulturprogramms der Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 und positioniert Mapplethorpes Werk bewusst im Spannungsfeld von Körper, Disziplin und ästhetischer Grenzerfahrung. Seine Fotografien erscheinen hier nicht als Provokation um ihrer selbst willen, sondern als präzise komponierte Studien von Form, Linie und innerer Spannung.

Kuratiert von Denis Curti, bildet die Mailänder Schau den zweiten Akt einer umfassenden Trilogie, die in Venedig bei Le Stanze della Fotografia begann und anschließend in Rom fortgesetzt wird. Jeder Ausstellungsort widmet sich einem anderen Aspekt der künstlerischen Forschung Mapplethorpes und öffnet neue Perspektiven auf sein Werk.

Detailansicht eines sehnigen männlichen Aktkörpers mit gesenktem Kopf in kreisförmigem Rahmen, Fotografie von Robert Mapplethorpe, 1987.
Detailansicht eines sehnigen männlichen Aktkörpers mit gesenktem Kopf in kreisförmigem Rahmen, Fotografie von Robert Mapplethorpe, 1987. – Mit freundlicher Genehmigung von: palazzorealemilano / Palazzo Reale Milano
In Mailand steht die ästhetische Radikalität seiner Aktfotografien im Zentrum. Die Körper erscheinen sehnig, gespannt, fast skulptural, geprägt von einer „mimesi greca olimpica“, in der Muskulatur, Balance und physische Anspannung zur eigentlichen Bildsprache werden. Mapplethorpes Blick ist streng, kontrolliert und zugleich von einer stillen Intensität, die den Körper aus jeder zeitlichen Verortung löst.

Ein Schlüsselbild dieser Haltung ist die Fotografie „Thomas, 1987“. Der nackte, sehnige Körper mit gesenktem Kopf ist in ein kreisförmiges Element eingespannt, als würde er im Rad der Zeit laufen. Arme und Beine stemmen sich gegen die Begrenzung, Muskeln zeichnen sich scharf ab, jede Bewegung wirkt zugleich kontrolliert und existenziell. Der Mensch erscheint hier nicht als Individuum, sondern als Form, als Spannung, als ewige Bewegung zwischen Begehren und Begrenzung.

Die Ausstellung wird begleitet vom Podcast „Mapplethorpe Unframed“, geschrieben und moderiert von Nicolas Ballario, der ab dem 21. Oktober auf Spotify, Apple Music und den wichtigsten Plattformen verfügbar ist. Ergänzt wird das Projekt durch den Katalog von Marsilio Arte, der anhand von 257 Werken die Entwicklung und die formale Konsequenz von Mapplethorpes fotografischem Denken nachzeichnet.

„Robert Mapplethorpe. Le forme del desiderio“ ist keine rückblickende Hommage, sondern eine präzise gesetzte Einladung, den Körper neu zu sehen – als Ort der Spannung, der Schönheit und der unauflösbaren Fragen nach Identität, Macht und Verlangen.

Tags: Robert Mapplethorpe, Fotografie, Aktfotos, Zeitgenössische Kunst, amerikanische Kunst, Denis Curti, Schwarzweißfotografie‎

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19:30 Uhr geöffnet, am Donnerstag bis 22:30 Uhr. Letzter Einlass jeweils eine Stunde vor Schließung.