Jugendstil-Keramik mit floralen Vasen, figürlichen Skulpturen und dekorativem Teller aus internationaler Keramikkunst um 1900, Keramikmuseum Staufen
Jugendstil-Keramik mit floralen Vasen, figürlichen Skulpturen und dekorativem Teller aus internationaler Keramikkunst um 1900, Keramikmuseum Staufen – Mit freundlicher Genehmigung von: Badisches Landesmuseum / Badische Landesmuseum

Wann: 06.02.2026 - 28.11.2027

Keramik erreicht im Jugendstil einen Höhepunkt künstlerischer Freiheit, eine Hochform, in der Material, Farbe und Form zu organischen Gesamtkunstwerken verschmelzen. Florale Explosionen, irisierende Glasuren und figürliche Fantasien erzählen von einer Epoche, die das Handwerk aus der Zweckmäßigkeit befreite und zur autonomen Kunst erhob. Auf diesen sinnlichen Überschwang folgt mit dem Art Déco eine Phase der Ordnung, der Stilisierung und des kontrollierten Luxus, bevor schließlich der große Bruch einsetzt. Die Moderne radikalisiert den Blick, streift Ornament und Erzählung ab und sucht ihre Wahrheit in Geradlinigkeit, Reduktion und funktionaler Einfachheit. In der Keramik spiegelt sich dieser Wandel exemplarisch: vom überschäumenden Ausdruck des Jugendstils über die elegante Disziplin des Art Déco bis zur nüchternen Klarheit der Moderne.

Keramikmuseum Staufen – Museum für keramische Kunst im Breisgau
Keramikmuseum Staufen – Museum für keramische Kunst im Breisgau – Mit freundlicher Genehmigung von: Badisches Landesmuseum / Badische Landesmuseum
Das Keramikmuseum Staufen eröffnet mit der Ausstellung „Jugendstil international – Keramische Kunst ohne Grenzen“, die vom 6. Februar 2026 bis 28. November 2027 zu sehen ist, ein Panorama, in dem sich die Epoche als offenes Feld von Experiment, künstlerischer Freiheit und radikaler Vielfalt entfaltet. Sichtbar wird ein Jugendstil, der sich nicht auf eine einheitliche Formensprache festlegen lässt, sondern gerade aus seiner Vielstimmigkeit seine unverwechselbare Kraft bezieht.

Die Epoche des Jugendstils war von einer unbändigen Experimentierfreude getragen. Unterschiedlichste gestalterische Ausdrucksweisen existierten nebeneinander, geprägt vom individuellen Temperament der Kunstschaffenden.

Manche folgten dem Floralen, andere entwickelten strengere, geometrisierende Formen. Nationale und regionale Besonderheiten verstärkten diese Vielfalt zusätzlich. Eine homogene Formensprache konnte sich so nicht herausbilden – gerade die Verschiedenheit wurde zum verbindenden Prinzip. Genau diesen internationalen Ausprägungen der keramischen Kunst des Jugendstils widmet sich die Ausstellung.

Begriffe wie Raumkunst, Gesamtkunstwerk und Universalkünstler sind untrennbar mit dem Jugendstil verbunden. Die in der Ausstellung vertretenen Protagonisten – darunter Émile Gallé, Henry van de Velde, Richard Riemerschmid, Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich und Max Laeuger – verstanden sich als Grenzgänger zwischen den Disziplinen. Sie verließen bewusst ihre ursprünglichen Ausbildungsfelder und wagten den Schritt in neue künstlerische Territorien. Maler wandten sich Architektur und Kunsthandwerk zu, Architekten entdeckten das Töpfern und die Malerei als gleichwertige Ausdrucksformen.

Der Jugendstil verstand sich als umfassende Reformbewegung des modernen Lebens. Nicht einzelne Kunstgattungen standen im Fokus, sondern das gesamte Wohn- und Lebensumfeld des Menschen. Architektur, Stuck, Glasfenster, Tapeten, Vorhänge, Möbel, Besteck, Geschirr und keramische Erzeugnisse sollten einer neuen, zeitgemäßen künstlerischen Durchgestaltung folgen. Kunst war kein isoliertes Objekt mehr, sondern Teil eines ganzheitlichen Lebensentwurfs. Peter Behrens formulierte diesen Anspruch mit zeitloser Klarheit: „Stil ist das Symbol des Gesamtempfindens, der ganzen Lebensauffassung einer Zeit, und zeigt sich nur im Universum aller Künste.“

Die Ausstellung im Keramikmuseum Staufen lädt dazu ein, den Jugendstil nicht als abgeschlossene Stilphase zu betrachten, sondern als geistige Bewegung, deren Fragen bis heute nachwirken. In der keramischen Kunst verdichten sich Experiment, Handwerk und Vision zu Objekten, die weit über ihre Zeit hinausweisen. Zwischen sinnlicher Opulenz und formaler Strenge wird sichtbar, wie Kunst zum Spiegel gesellschaftlicher Utopien wurde. Der Blick zurück eröffnet so zugleich einen Blick nach vorn – auf eine Epoche, in der Gestaltung als Ausdruck einer umfassenden Lebenshaltung verstanden wurde und deren schöpferische Freiheit bis heute fasziniert.

Tags: Keramik, Jugendstil, Keramische Kunst, Art Nouveau, Kunsthandwerk, Raumkunst, Designgeschichte, Moderne Kunst

Das Keramikmuseum Staufen befindet sich in der Wettelbrunner Straße 3 in 79219 Staufen im Breisgau. Montags und dienstags bleibt das Museum geschlossen. Von Mittwoch bis Samstag ist es jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 12 bis 17 Uhr.