Dass Chris Reinecke ihr Werk in den folgenden Jahrzehnten zu einer der originärsten künstlerischen Positionen in Deutschland weiterentwickelte, blieb lange im kunsthistorischen Ungefähren. „ZEITBLÖCKE“ setzt genau hier an und macht diese Entwicklung nachvollziehbar. Einen zentralen Schwerpunkt bildet dabei das Werk der 1990er Jahre, ein Zeitraum, in dem Arbeiten entstanden, die bislang selten oder noch nie öffentlich gezeigt wurden.
Werkgruppen wie „Die Beobachterin verlässt ihren stationären Posten“ oder „Die Sorglosigkeit der Mechanik“ zeigen Chris Reinecke als radikale Umgestalterin künstlerischer wie kunsthistorischer Kategorien. In ihren Arbeiten collagiert sie Bild- und Textebenen, persönliche Beobachtungen, Reiseerfahrungen sowie politische, naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zu einem visuellen Strom von bemerkenswerter Dichte.
„In Bild- und Textebenen collagiert sie persönliche Beobachtungen und Betrachtungen ihrer Umgebung, Reiseerfahrungen, politische, naturwissenschaftliche, gesellschaftliche Diskussionen und schafft dabei eine Art visuellen ‚stream of consciousness‘ von eigenem Sog und Kraft.“
Formal und konzeptuell stehen diese Arbeiten solitär im Gesamtwerk und bilden zugleich eine schlüssige Verbindung zwischen der Malerei der 1980er Jahre und den großformatigen Papierarbeiten, die seit den 2000er Jahren das Werk von Chris Reinecke bestimmen. Vorbei an den Erwartungen von Kunstmarkt und Betrieb hat sie sich eine Freiheit im Denken und Arbeiten bewahrt, die bis heute spürbar ist.
„Indem sie ihre Strategien und Konzepte konstant hinterfragt hat, hat sie ihrem Werk bis heute eine Offenheit und Durchlässigkeit bewahrt, die auch ihren aktuellsten Werken eine bemerkenswerte Zeitgenossenschaft verleihen.“
Chris Reinecke lebt und arbeitet in Düsseldorf. Im Juli feiert sie ihren 90. Geburtstag. „ZEITBLÖCKE“ ist damit nicht nur eine Ausstellung, sondern ein präziser Blick auf ein Werk, das sich der Gegenwart nie angepasst hat – und ihr gerade deshalb heute so nahe ist.