Otto Ritschl steht im Zentrum eines Messeauftritts, der eindrucksvoll zeigt, warum die abstrakte Kunst der Klassischen Moderne bis heute nichts von ihrer Kraft verloren hat und auf der art karlsruhe 2026 neu erfahrbar wird. Die Galerie Markus Döbele präsentiert vom 5. bis 8. Februar 2026 eine sorgfältig kuratierte Auswahl bedeutender Positionen der Moderne und Gegenwartskunst und setzt dabei bewusst auf Qualität, kunsthistorische Tiefe und sammlerische Relevanz.
Otto Ritschl (1885–1976) gilt als eine der prägenden Figuren der deutschen Nachkriegsabstraktion. Sein Weg in die Kunst war ungewöhnlich: Vor seiner Laufbahn als Maler war er ein erfolgreicher Schriftsteller und Bühnenautor in Wiesbaden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich 1918 autodidaktisch der Malerei zu. In den folgenden Jahren durchlief sein Werk Stationen des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, bevor er sich ab den späten 1920er-Jahren konsequent der Abstraktion zuwandte und jene unverwechselbare Formensprache entwickelte, die ihn international bekannt machte.
Während der NS-Diktatur wurde Ritschls Kunst als „entartet“ diffamiert, Ausstellungen wurden ihm verboten, und er zog sich in die innere Emigration zurück. Nach 1945 jedoch erlebte sein Werk eine späte, aber nachhaltige Anerkennung. Heute ist Otto Ritschl in bedeutenden Museumssammlungen vertreten und gilt als feste Größe der Klassischen Moderne. Werke wie „Komposition 57/15“ von 1957 stehen exemplarisch für seine klare, spannungsreiche Bildarchitektur und seine eigenständige Farbauffassung.