Aus dieser Haltung entwickelt sich ein experimentelles Verfahren, das den klassischen Autorschaftsbegriff unterläuft. Pflanzen und später Tiere werden auf Metall ausgelegt und der Umgebung überlassen. Witterung, Zeit und Ort schreiben mit, Korrosion wird zum zeichnenden Prinzip. Der künstlerische Eingriff besteht weniger im Setzen als im Zulassen. In dieser Logik scheint Friedrich Nietzsches Gedanke auf: „Alles geht, alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins“. Tannhäusers Arbeiten begreifen das Werk nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als Geschehen, das sich im Zusammenspiel von Material, Raum und Dauer immer wieder neu formt.
Früh zeigt sich, dass Developments untrennbar mit dem Raum verbunden ist. Eine erste räumlich prägende Präsentation entsteht nach einer Reise nach Hanstholm in Dänemark. Acht großformatige Metalltafeln aus Fischbeifang formen eine begehbare Rotunde, eine künstliche Unterwasserwelt. Die bewusst leere achte Tafel verweist auf das Verschwinden maritimer Lebensräume. Raum, Werk und Klang verbinden sich zu einer immersiven Erfahrung, in der Metall Erinnerung und Verlust trägt.
2017 verlagert sich der Fokus auf einen Ort mit doppelter Lesbarkeit, das Kulturschiff MS Stubnitz, ein ehemaliges Kühlschiff der DDR-Hochseeflotte. Im Inneren erzählt der Stahlkörper von Fang, Lagerung und industrieller Nutzung, während außen das Meer als Ursprung präsent bleibt. Weitere Präsentationen in Hafenräumen von Rostock, Kopenhagen, Amsterdam und Hamburg führen diesen Dialog fort. Es sind Übergangszonen zwischen Natur, Handel und Stadt, in denen Developments seine Wirkung entfaltet.