Griechische Grabstele einer Parthenos aus Attika, Stele of Medeia, um 375–350 v. Chr., präsentiert von der David Aaron Gallery
Griechische Grabstele einer Parthenos aus Attika, Stele of Medeia, um 375–350 v. Chr., präsentiert von der David Aaron Gallery – Mit freundlicher Genehmigung von: davidaaron.com / David Aaron London

Wann: 14.03.2026 - 19.03.2026

David Aaron Gallery lässt im März 2026 auf der TEFAF Maastricht 2026 einen Stein sprechen, der seit fast 2.400 Jahren schweigt – und doch alles erzählt: eine seltene attische Grabstele einer jungen Frau, einer Parthenos, deren Blick und Haltung den kurzen, unwiederbringlichen Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein bewahren.

Im Zentrum der Präsentation steht eine außergewöhnliche marmorne Grabstele aus der Zeit um 375–350 v. Chr., eines der wenigen erhaltenen Beispiele, die einer unverheirateten jungen Athenienserin gewidmet sind. Die Stele stammt aus der historischen Region Attika und ist in hohem Relief gearbeitet. Dargestellt ist eine junge Frau, deren rechte Hand sich in einer eleganten, beinahe nachdenklichen Geste zur Schulter erhebt – ein Moment stiller Selbstvergewisserung, eingefroren im Stein.

Römischer Torso eines Jünglings, 1.–2. Jahrhundert n. Chr., antike Marmorskulptur, David Aaron Gallery, TEFAF Maastricht 2026
Stele of Medeia, griechische Parthenos-Grabstele, um 375–350 v. Chr., David Aaron Gallery
Römischer Torso eines Jünglings, 1.–2. Jahrhundert n. Chr., antike Marmorskulptur, David Aaron Gallery, TEFAF Maastricht 2026 • Stele of Medeia, griechische Parthenos-Grabstele, um 375–350 v. Chr., David Aaron Gallery – Mit freundlicher Genehmigung von: davidaaron.com / David Aaron London

Als „Stele of Medeia“ bekannt, identifiziert eine einzelne Inschrift im Architrav das Mädchen namentlich. Ihre Kleidung folgt der traditionellen Tracht der Parthenoi: ein fein drapierter Chiton, in der Taille gegürtet, darüber ein rückwärtiger Mantel, an den Schultern mit großen runden Fibeln befestigt – ein ikonographisches Zeichen für unverheiratete junge Frauen im klassischen Athen.

Was dieses Werk so außergewöhnlich macht, ist seine Seltenheit. Der Begriff Parthenoi bezeichnet jene kurze Übergangsphase zwischen Kindheit und Eintritt ins Erwachsenenleben durch die Ehe – ein Zustand, der sich nur selten in der attischen Grabkunst widerspiegelt. Der Schweizer Klassische Archäologe Christoph W. Clairmont belegt in seiner grundlegenden Forschung zu attischen Grabreliefs, dass Darstellungen von Parthenoi lediglich rund vier Prozent der untersuchten Werke ausmachen. Ihre Seltenheit verleiht diesen Monumenten ein besonderes Gewicht, das sich in der Qualität und Sorgfalt ihrer Ausführung widerspiegelt.

Auf dieser Grundlage entwickelte die Kunsthistorikerin und Archäologin Linda Jones Roccos ihre These, dass der Tod einer Parthenos nicht nur einen persönlichen Verlust bedeutete, sondern auch eine gesellschaftliche Zäsur darstellte – das Ende einer möglichen Zukunft, in der Nachkommen zur Stütze der athenischen Polis hätten werden können.

Zusätzliche Bedeutung gewinnt die Stele durch ihre herausragende Provenienz. Erstmals dokumentiert in der Sammlung des Athener Kunsthändlers Theodoros A. Zoumpoulakis, wurde sie 1923 von dem legendären Galeristen Joseph Brummer erworben. Die von den drei ungarischen Brüdern Joseph, Imre und Ernest gegründete Brummer Gallery, seit 1910 aktiv, prägte den internationalen Handel mit antiker und mittelalterlicher Kunst in Paris und New York über Jahrzehnte hinweg.

Nach Joseph Brummers Tod gelangten wesentliche Teile seiner Sammlung in das The Metropolitan Museum of Art. Die Stele von Medeia jedoch blieb in Familienbesitz, ging an seinen Bruder Ernest über und später an dessen Ehefrau Ella Laszlo Baché Brummer, Gründerin der bis heute bestehenden Kosmetikmarke Ella Baché.

Salomon Aaron, Director der David Aaron Gallery, sagt:
„This stele is exceptionally rare — a museum-quality monument whose beauty is matched only by its cultural significance. We look forward to presenting this unique example of funerary art at TEFAF Maastricht this March.”

Ägyptischer Kalksteinpavian, Spätzeit, 26.–30. Dynastie, David Aaron Gallery
„Antiker römischer Torso, historische Fotografie aus dem Archiv Stefano Bardini, um 1898“
Ägyptischer Kalksteinpavian, Spätzeit, 26.–30. Dynastie, David Aaron Gallery • „Antiker römischer Torso, historische Fotografie aus dem Archiv Stefano Bardini, um 1898“ – Mit freundlicher Genehmigung von: davidaaron.com / David Aaron London

Neben der Stele präsentiert die Galerie weitere bedeutende Werke der Antike, darunter einen ägyptischen Kalksteinpavian aus der Spätzeit (26.–30. Dynastie, 664–343 v. Chr.) sowie einen römischen Torso eines Jünglings aus dem 1.–2. Jahrhundert n. Chr., dessen weich angedeutete Muskulatur Jugend und Bewegung in klassischer Kontraposthaltung vereint.

Für den römischen Torso konnte die Galerie neue Provenienzforschung leisten. Historische Fotografien aus dem Archiv des berühmten Kunsthändlers und Restaurators Stefano Bardini belegen, dass sich das Werk bereits 1898 in dessen Besitz befand. Bardini, einer der einflussreichsten Händler seiner Zeit, nutzte die Fotografie frühzeitig zur Dokumentation und Vermarktung seiner umfangreichen Sammlung und hinterließ ein einzigartiges visuelles Archiv.

Sein Vermächtnis lebt bis heute im Museo Stefano Bardini in Florenz fort, das 1925 in seinem ehemaligen Wohnhaus eröffnet wurde – ein Ort, an dem sich Handel, Forschung und Geschichte bis heute berühren.

Die David Aaron Gallery präsentiert sich auf der TEFAF Maastricht 2026 vom 14. bis 19. März 2026 an Stand 804.

Tags: Antike Kunst, griechische Kunst, Parthenos, Skulpturen, Antiquitätenhändler, Erinnerungskultur

Öffnungszeiten TEFAF Maastricht 2026

12.–13. März 2026: Preview-Tage, nur auf Einladung
14.–19. März 2026: täglich geöffnet, regulärer Publikumszugang
Veranstaltungsort: Maastricht Exhibition & Conference Centre (MECC)