Als „Stele of Medeia“ bekannt, identifiziert eine einzelne Inschrift im Architrav das Mädchen namentlich. Ihre Kleidung folgt der traditionellen Tracht der Parthenoi: ein fein drapierter Chiton, in der Taille gegürtet, darüber ein rückwärtiger Mantel, an den Schultern mit großen runden Fibeln befestigt – ein ikonographisches Zeichen für unverheiratete junge Frauen im klassischen Athen.
Was dieses Werk so außergewöhnlich macht, ist seine Seltenheit. Der Begriff Parthenoi bezeichnet jene kurze Übergangsphase zwischen Kindheit und Eintritt ins Erwachsenenleben durch die Ehe – ein Zustand, der sich nur selten in der attischen Grabkunst widerspiegelt. Der Schweizer Klassische Archäologe Christoph W. Clairmont belegt in seiner grundlegenden Forschung zu attischen Grabreliefs, dass Darstellungen von Parthenoi lediglich rund vier Prozent der untersuchten Werke ausmachen. Ihre Seltenheit verleiht diesen Monumenten ein besonderes Gewicht, das sich in der Qualität und Sorgfalt ihrer Ausführung widerspiegelt.
Auf dieser Grundlage entwickelte die Kunsthistorikerin und Archäologin Linda Jones Roccos ihre These, dass der Tod einer Parthenos nicht nur einen persönlichen Verlust bedeutete, sondern auch eine gesellschaftliche Zäsur darstellte – das Ende einer möglichen Zukunft, in der Nachkommen zur Stütze der athenischen Polis hätten werden können.
Zusätzliche Bedeutung gewinnt die Stele durch ihre herausragende Provenienz. Erstmals dokumentiert in der Sammlung des Athener Kunsthändlers Theodoros A. Zoumpoulakis, wurde sie 1923 von dem legendären Galeristen Joseph Brummer erworben. Die von den drei ungarischen Brüdern Joseph, Imre und Ernest gegründete Brummer Gallery, seit 1910 aktiv, prägte den internationalen Handel mit antiker und mittelalterlicher Kunst in Paris und New York über Jahrzehnte hinweg.
Nach Joseph Brummers Tod gelangten wesentliche Teile seiner Sammlung in das The Metropolitan Museum of Art. Die Stele von Medeia jedoch blieb in Familienbesitz, ging an seinen Bruder Ernest über und später an dessen Ehefrau Ella Laszlo Baché Brummer, Gründerin der bis heute bestehenden Kosmetikmarke Ella Baché.
Salomon Aaron, Director der David Aaron Gallery, sagt:
„This stele is exceptionally rare — a museum-quality monument whose beauty is matched only by its cultural significance. We look forward to presenting this unique example of funerary art at TEFAF Maastricht this March.”