Kühle Brillanz – florale Brosche aus Gold, Silber und Diamanten, englisch oder französisch, um 1860–1870
Kühle Brillanz – florale Brosche aus Gold, Silber und Diamanten, englisch oder französisch, um 1860–1870 – Mit freundlicher Genehmigung von: schmuckmuseum / Schmuckmuseum Pforzheim Reuchlinhaus

Wann: 17.05.2026 - 06.01.2027

Schmuckmuseum Pforzheim entfacht mit der 21. Silbertriennale International ein funkelndes Panorama zeitgenössischer Silberschmiedekunst, in dem kühle Brillanz, handwerkliche Präzision und künstlerische Raffinesse zu einem internationalen Dialog verschmelzen. Vom 17. Mai 2026 bis 6. Januar 2027, eröffnet am Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, um 15 Uhr, wird Silber hier zum Medium zwischen Gebrauch und Kunst, zwischen Tradition und Zukunft.

Jede einzelne Blüte der Brosche kann sinnbildlich für ein Kind innerhalb der Gesellschaft gelesen werden – eigenständig, schützenswert und zugleich Teil eines größeren Gefüges. Die Vielzahl der Blüten verweist auf Wachstum, Hoffnung und Zukunft, auf ein stilles Versprechen von Kontinuität und Erneuerung.

In einer Zeit des Umbruchs, zwischen dem etablierten Realismus und den ersten Aufbrüchen des Impressionismus, nimmt diese florale Brosche diese Vorstellung in eine präzise Formensprache auf. Mehrere voll erblühte Blüten, deren Zentren von rund gefassten Diamanten bestimmt werden, bilden den ruhenden Kern der Komposition. Knospen, Blätter und geschwungene Ranken verzweigen sich asymmetrisch nach oben und unten und verleihen dem Objekt eine organische, beinahe wachsende Bewegung. Die dicht gesetzten Diamanten folgen den natürlichen Formen der Blütenblätter und erzeugen eine lebendige, fast pulsierende Lichtwirkung.

Das Zusammenspiel von Silber und Gold verleiht der Brosche Tiefe und strukturelle Klarheit. Während das Silber die kühle Brillanz der Diamanten trägt und verstärkt, setzen Goldpartien in Stielen, Blattadern und Fassungen warme, zurückhaltende Akzente. Die Oberfläche erscheint reich nuanciert: glatt polierte Flächen wechseln mit fein modellierten Details, die an botanische Studien erinnern und die Nähe zur Naturbeobachtung des 19. Jahrhunderts spürbar machen.

So entsteht ein Schmuckstück, das nicht nur Natur zitiert, sondern Bedeutung trägt – eine Balance aus Präzision und Poesie, aus materieller Kostbarkeit und stiller Symbolik.

Flasche „Bottle in Silver“ aus Silber und Leder, Lee Sungyeoul, 2023, Foto Sangduk Han
Kanne „Goryeo 2“ aus geschmiedetem Silber, Yeunhee Ryu, Preisträgerin der Silbertriennale, 2023, Foto Uwe Dettma
Flasche „Bottle in Silver“ aus Silber und Leder, Lee Sungyeoul, 2023, Foto Sangduk Han • Kanne „Goryeo 2“ aus geschmiedetem Silber, Yeunhee Ryu, Preisträgerin der Silbertriennale, 2023, Foto Uwe Dettma – Mit freundlicher Genehmigung von: schmuckmuseum / Schmuckmuseum Pforzheim Reuchlinhaus

Schalen, Teekannen, Vasen oder Laternen: Die Bandbreite der ausgestellten Objekte ist groß und bewusst offen angelegt. Das Schmuckmuseum Pforzheim zeigt die ausgewählten Arbeiten dieses renommierten Wettbewerbs zur Förderung der zeitgenössischen Silberschmiedekunst, den die Gesellschaft für Goldschmiedekunst gemeinsam mit dem Deutschen Goldschmiedehaus Hanau seit 1965 ausrichtet. Durch Präsentationen im In- und Ausland hat sich die Silbertriennale zu einer weltweit anerkannten Ausstellungsreihe entwickelt. Auch in ihrer 21. Ausgabe sind ausgefallene Silberobjekte zu sehen, die in Gestaltung und Fertigung von höchster handwerklicher Präzision und künstlerischer Sensibilität zeugen.

„Das Spektrum an Objekten fasziniert durch seine Vielfalt und knüpft thematisch wunderbar an unsere vorige Ausstellung ›Aufgetischt‹ zur Tischkultur an“, erläutert Museumsleiterin Friederike Zobel. Kuratorin Katja Poljanac ergänzt: „Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunst und spielen mit den ästhetischen Materialqualitäten von Silber.“

Mit der Silbertriennale verfolgt die Gesellschaft für Goldschmiedekunst konsequent das Ziel, das Silberschmiedehandwerk in seiner zeitgenössischen Neuausrichtung zu stärken. Die Öffnung zu einem internationalen Wettbewerb im Jahr 1992 brachte entscheidende Impulse und machte globale Entwicklungen sichtbar. In den vergangenen zwanzig Jahren haben dabei zunehmend Arbeiten aus Asien überzeugt.

„Hervorragend gestaltetes Gerät und neugierig machende Objekte stehen in dieser Silbertriennale überraschend nebeneinander, sie machen die Vielfalt der Silberanwendung aus. An den ausgewählten Arbeiten wird ein Ringen mit der Form, der Oberflächengestaltung und der Themen von großer Vielfalt ersichtlich“, so Malte Guttek, Leiter des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau.

Die ungebrochene Attraktivität des Wettbewerbs zeigt sich auch in den Zahlen: 137 Bewerbungen mit 195 Arbeiten aus 21 Ländern wurden eingereicht, 59 Bewerbungen mit 67 Arbeiten aus 15 Ländern ausgewählt. Die fachkundige Jury mit Beate Leonards, Wim Nys und Karen Pontoppidan vergab acht Preise im Gesamtwert von 20.000 Euro. Im Hauptwettbewerb wurden Yeunhee Ryu, Yong-il Jeon und Jieun Park ausgezeichnet, im Nachwuchsförderwettbewerb Yegyu Shin, Siqui Zhang, Jae Hui Jeong, Carl Kankowsky und Rebecca Bierbrodt aus Korea, China und Deutschland.

Im Dialog mit der Silbertriennale stehen ausgewählte Highlights des Schmuckmuseums aus Silber und Diamanten sowie Objekte aus der ethnografischen Sammlung. Ab der zweiten Ausstellungshälfte präsentieren zudem Schüler des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule Pforzheim eigene Arbeiten. Ergänzend werden Positionen aus Mode und Fotografie gezeigt, die an der Schnittstelle zur bildenden Kunst angesiedelt sind.

Halsschmuck „Sumt“ mit Maria-Theresien-Talern aus teilvergoldetem Silber und Textil, Beduinen, Oman, Wahiba Sands, Sammlung Eva und Peter Herion, Foto Petra Jaschke
Halsschmuck „Sumt“ mit Maria-Theresien-Talern aus teilvergoldetem Silber und Textil, Beduinen, Oman, Wahiba Sands, Sammlung Eva und Peter Herion, Foto Petra Jaschke – Mit freundlicher Genehmigung von: schmuckmuseum / Schmuckmuseum Pforzheim Reuchlinhaus
Unter dem Titel „Kühle Brillanz – Highlights des Schmuckmuseums aus Silber und Diamanten“ widmet sich ein eigener Ausstellungsbereich der besonderen Lichtwirkung des Metalls. Silber, lateinisch argentum, reflektiert Licht wie kein anderes Metall. „Kulturhistorisch wird Silber mit dem Mond und den Sternen assoziiert. Zudem ist Silber bei einer Supernova entstanden und in den Weltraum geschleudert worden. Diesen Aspekten folgt die multimediale Inszenierung in der Ausstellung“, erklärt Katja Poljanac. Diamanten entfalten ihre kühle Brillanz erst durch die Fassung in weißem Edelmetall – ein ästhetisches Ideal des Barock und Rokoko. Bis ins 19. Jahrhundert wurde Diamantschmuck häufig in Silber gearbeitet, da Weißgold noch nicht existierte und Platin technisch schwer zu verarbeiten war. In der historischen Sammlung werden diese kulturgeschichtlichen Facetten in einer multimedialen Inszenierung sichtbar gemacht.

Ein weiterer Fokus liegt auf der ethnografischen Sammlung Herion. Älteste Silberfunde stammen aus dem fünften vorchristlichen Jahrtausend aus der Region zwischen Anatolien und Afghanistan, während auch im Schwarzwald seit dem Mittelalter Silberbergbau betrieben wurde. Die Sammlung von Eva und Peter Herion verdeutlicht Silber als globales Schmuck- und Zahlungsmittel. Ein digitaler Grabungstisch lädt Besucher ein, selbst zu Archäologen zu werden und Silberschätze aus aller Welt spielerisch freizulegen.

Im Foyer schließlich eröffnet die Präsentation „Randnotizen“ von Monika Markert und Silke Helmerdig einen poetischen Dialog zwischen Mode, Fotografie und Raum. Wiederkehrende schmückende Elemente traditioneller Trachten treffen auf zeitgenössische Kontraste, Materialien wie Seide und Wolle auf Falten, Fransen und glänzende Stoffe. Die Arbeiten thematisieren Schönheit, Erfahrung und Wandel und verstehen sich bewusst als offener Prozess, in dem sich Idee und Form stetig weiterentwickeln.

So wird die Brosche zum Ausgangspunkt eines stillen Nachdenkens über Vielfalt und Zusammenhalt – ein Bild, das aus der Geschichte heraus spricht und Fragen an unsere Gegenwart richtet, in der Verschiedenheit längst Teil des gemeinsamen Werdens ist.

Tags: Schmuck, Halsschmuck, Silber, Sammlung Herion, Angewandte Kunst, Kulturgeschichte

Öffnungszeiten des Schmuckmuseums Pforzheim:
Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen, jeweils 10 bis 17 Uhr.