Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wird Otto Dix als erster deutscher Künstler aus seiner Professur an der Dresdner Akademie entlassen. Gemeinsam mit seiner Familie zieht er sich nach Hemmenhofen am Bodensee zurück und lebt dort in einer Form der inneren Emigration, fern der Großstadt, die bis dahin seine wichtigste Inspirationsquelle gewesen war.
Gerade dieser Verlust führt zu einer verstärkten Hinwendung zur Landschaftsmalerei. In aufwendiger Lasurtechnik, angelehnt an die altdeutsche Tafelmalerei, entstehen im Atelier komponierte Bilder, in denen Dix mit bedrohlich wirkenden Naturmotiven das politische Zeitgeschehen reflektiert. Diese Landschaften sind keine Orte der Idylle, sondern Projektionsflächen einer Zeit zwischen Rückzug, Abgrenzung und vorsichtiger Anpassung.
Parallel zur Präsentation der Malerei zeigt das Museum Gunzenhauser eine Auswahl aus seinem Bestand an Plastiken und Skulpturen. Obwohl diese Gattung nicht im Zentrum der Sammeltätigkeit von Alfred Gunzenhauser stand, umfasst die Sammlung bemerkenswerte Einzelwerke, darunter Pierre Bonnards Aus dem Meer emporsteigendes Pferd, Franz von Stucks Siegfried sowie Renée Sintenis’ Der Boxer Erich Brandl.
So entfaltet sich im Museum Gunzenhauser eine Ausstellung, die Malerei und Plastik miteinander in Dialog setzt und die Sammlung nicht als statisches Archiv begreift, sondern als lebendigen Resonanzraum. Eine Präsentation, die zeigt, wie Kunst selbst in Zeiten der Bedrängnis ihre Sprache findet – leise, präzise und von nachhaltiger Wirkung.
So wird Otto Dix’ Malerei zu einem Ort der Erinnerung – und zu einer stillen Warnung, die bis in unsere Gegenwart reicht.