Otto Dix, Düstere Landschaft, 1940, Mischtechnik auf Holz, Landschaftsgemälde aus der Sammlung der Kunstsammlungen Chemnitz
Otto Dix, Düstere Landschaft, 1940, Mischtechnik auf Holz, Landschaftsgemälde aus der Sammlung der Kunstsammlungen Chemnitz – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Kunstsammlungen Chemnitz

Wann: 10.02.2026 - 31.05.2026

Otto Dix malt, als würde er die Zeit anhalten, um ihr ins Gesicht zu sehen. Was in den 1920er- und 1930er-Jahren aus Krieg, sozialer Not und urbaner Erschöpfung entsteht, wirkt heute wie ein Echo: die stillen Verwüstungen einer Gesellschaft, die sich an Krisen gewöhnt hat und ihre Brüche in den Alltag trägt.

Bis zum 31. Mai 2026 öffnet das Museum Gunzenhauser einen konzentrierten Blick auf dieses Werk und zeigt eine neue Sammlungspräsentation, in deren Zentrum Otto Dix’ Landschaftsgemälde aus den Jahren 1933 bis 1945 stehen. Ergänzt wird diese Auswahl durch Gemälde der Neuen Sachlichkeit von Otto Dix, Karl Hubbuch, Georg Schrimpf, Max Peiffer Watenphul und Gustav Wunderwald. So entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama einer Epoche zwischen politischem Druck, innerem Rückzug und künstlerischer Präzision.

Nach expressionistischen, futuristischen und dadaistischen Anfängen erfährt das Werk von Otto Dix um 1921 eine markante formale Beruhigung. Er entwickelt einen eigenständigen, kritischen Realismus, der altmeisterliche Maltechniken mit scharfer Gesellschaftsanalyse verbindet. Mit dieser Haltung wird er zu einem der zentralen Protagonisten der Neuen Sachlichkeit, deren nüchterner Blick weniger distanziert als vielmehr schonungslos ist.

tto Dix, Mädchen am Sonntag, 1921, Öl auf Leinwand auf Pappe auf Pressspan, Mädchenporträt der Neuen Sachlichkeit, Kunstsammlungen Chemnitz
Otto Dix, Bildnis des Malers Zienert , 1914, Kunstsammlungen Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz, Foto: Archiv Museum Gunzenhauser © VG Bild-Kunst, Bonn 2024 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
tto Dix, Mädchen am Sonntag, 1921, Öl auf Leinwand auf Pappe auf Pressspan, Mädchenporträt der Neuen Sachlichkeit, Kunstsammlungen Chemnitz • Otto Dix, Bildnis des Malers Zienert , 1914, Kunstsammlungen Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz, Foto: Archiv Museum Gunzenhauser © VG Bild-Kunst, Bonn 2024 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Kunstsammlungen Chemnitz

Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wird Otto Dix als erster deutscher Künstler aus seiner Professur an der Dresdner Akademie entlassen. Gemeinsam mit seiner Familie zieht er sich nach Hemmenhofen am Bodensee zurück und lebt dort in einer Form der inneren Emigration, fern der Großstadt, die bis dahin seine wichtigste Inspirationsquelle gewesen war.

Gerade dieser Verlust führt zu einer verstärkten Hinwendung zur Landschaftsmalerei. In aufwendiger Lasurtechnik, angelehnt an die altdeutsche Tafelmalerei, entstehen im Atelier komponierte Bilder, in denen Dix mit bedrohlich wirkenden Naturmotiven das politische Zeitgeschehen reflektiert. Diese Landschaften sind keine Orte der Idylle, sondern Projektionsflächen einer Zeit zwischen Rückzug, Abgrenzung und vorsichtiger Anpassung.

Parallel zur Präsentation der Malerei zeigt das Museum Gunzenhauser eine Auswahl aus seinem Bestand an Plastiken und Skulpturen. Obwohl diese Gattung nicht im Zentrum der Sammeltätigkeit von Alfred Gunzenhauser stand, umfasst die Sammlung bemerkenswerte Einzelwerke, darunter Pierre Bonnards Aus dem Meer emporsteigendes Pferd, Franz von Stucks Siegfried sowie Renée Sintenis’ Der Boxer Erich Brandl.

So entfaltet sich im Museum Gunzenhauser eine Ausstellung, die Malerei und Plastik miteinander in Dialog setzt und die Sammlung nicht als statisches Archiv begreift, sondern als lebendigen Resonanzraum. Eine Präsentation, die zeigt, wie Kunst selbst in Zeiten der Bedrängnis ihre Sprache findet – leise, präzise und von nachhaltiger Wirkung.

So wird Otto Dix’ Malerei zu einem Ort der Erinnerung – und zu einer stillen Warnung, die bis in unsere Gegenwart reicht.

Tags: Otto Dix, Malerei, Neuen Sachlichkeit, Expressionisten, Expressionismus, Moderne Kunst, Porträtmalerei, Skulpturen

Di–So, Feiertag 11–18 Uhr
24., 25. & 31.12. geschlossen