Während Carrons Werk stets darauf abgezielt hat, die Widersprüche unserer Beziehung zum modernen Traum offenzulegen, richtet der Künstler seine Ironie auch gegen sich selbst. Er klassifiziert, ordnet und analysiert. Damit erinnert er uns an unsere eigenen Illusionen von Kreativität und Veränderung. In dieser Ausstellung blickt er zurück und stellt sich vor, dass alles von ihm Erschaffene lebendige Materie geblieben ist. Die Besucher nehmen die Rückbezüge wahr, die durch die antichronologische Ordnung betont werden.
Der Künstler ist nach wie vor derselbe und seiner etwas enttäuschten Wahrnehmung der Welt verschrieben. Seine Sensibilität erlaubt es ihm, diese Enttäuschung in einen Spiegel zu verwandeln, in dem wir uns selbst erkennen. Er scheut hierbei weder das Monumentale noch das Fragile. Sein Blick scheint überall eindringen zu können, sowohl hinter unsere Schwächen als auch die Kleinlichkeit unserer Konventionen. Zugleich weiss er, dass er dieses Schicksal mit uns teilt und dass ihn nichts von uns unterscheidet. Das Gegenteil ist der Fall. Carron macht es sich zur Aufgabe, das zu beleben, was wir eigentlich lieber vergessen würden.
Wie der Titel „The Slope“ andeutet, bedeutet das moderne Leben, die Abfahrt vom steilen Hang ebenso zu akzeptieren wie die dabei nötige Anstrengung, dabei auf den Beinen zu bleiben. Künstlersein heisst für Carron, sich fest in der Realität zu verankern, so dass man ihre Mängel und Risse wahrnimmt. Er steht am Hang, wie wir alle.
Der grosse Adler (1967 (after Fornage), 2004) aus Harz ist eine exakte Kopie einer Skulptur, die auf dem Parkplatz eines ehemaligen Möbelhauses in einem Vorort zurückgelassen wurde. Die monumentale Uhr (Orologio IV, 2008), die wie aus Beton gefertigt erscheint, erinnert an jene, die seit dem Aufkommen von Mobiltelefonen mit Zeitanzeige in Vergessenheit geraten sind. Die Farbe verfestigt sich in blinden Buntglasfenstern (Die unglaubwürdige Wissenschaft der anmutig zusammenhängenden Lobeshymnen, 2013). Sie verflüssigt sich im Entwurf vergrösserter Buchumschläge, die über Rohrrahmen gespannt sind (La grande rechute, 2013), oder nimmt ihr volkstümliches und popkulturelles Schicksal an (L’inquiéte silhouette, 2017). In der Skulptur wird die menschliche Figur allgegenwärtig und beinahe zum Stereotyp mit verzehnfachter Wirkung (L’amitié, 2026).