Valentin Carron, „Ciao n° 7“, 2013, restauriertes Ciao Piaggio Moped, 103 x 157,5 x 46,5 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich
Valentin Carron, „Ciao n° 7“, 2013, restauriertes Ciao Piaggio Moped, 103 x 157,5 x 46,5 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Wann: 26.02.2026 - 10.07.2026

Valentin Carron – ein Künstler, der seit über zwei Jahrzehnten mit kühler Präzision und melancholischem Witz am modernen Traum kratzt – kehrt mit einer großen Retrospektive in die Galerie Eva Presenhuber zurück und verwandelt das Zürcher Maag Areal in eine Bühne der Erinnerung und Selbstbefragung.

Mit „The Slope (Works 2005–2026)“, zu sehen vom 26. Februar bis 10. Juli 2026, präsentiert die Galerie die zehnte Ausstellung des Schweizer Künstlers. Kuratiert von Samuel Gross, ist sie als Rückblick auf zwanzig Jahre Zusammenarbeit konzipiert – und zugleich als poetische Vermessung eines Œuvres, das sich nie mit einfachen Antworten zufriedengibt.

Seit über zwei Jahrzehnten weist Valentin Carron mit einem Hauch von Ernüchterung auf die entzauberten und starren Fragmente des modernen Traums hin. Ironisch und ohne Künstlichkeit präsentiert er in dieser Retrospektive die ganze Vielfalt seines Werks. Im Raum entstehen zwei imaginäre Linien, entlang derer der Künstler eine Auswahl von Skulpturen und Wandarbeiten entsprechend ihrer Grösse und ihrem Format präsentiert. Ihre Positionierung ist abstrakt, sodass die Werke zu einer Abfolge von Motiven werden. Ihre Wirkung ist kühl aber intensiv.

Valentin Carron, „Die unglaubwürdige Wissenschaft der anmutig zusammenhängenden Lobeshymnen“, 2013, Polystyrol, Fiberglas, Acrylharz und Acrylfarbe, 211 x 337 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich
Valentin Carron, „Die unglaubwürdige Wissenschaft der anmutig zusammenhängenden Lobeshymnen“, 2013, Polystyrol, Fiberglas, Acrylharz und Acrylfarbe, 211 x 337 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Während Carrons Werk stets darauf abgezielt hat, die Widersprüche unserer Beziehung zum modernen Traum offenzulegen, richtet der Künstler seine Ironie auch gegen sich selbst. Er klassifiziert, ordnet und analysiert. Damit erinnert er uns an unsere eigenen Illusionen von Kreativität und Veränderung. In dieser Ausstellung blickt er zurück und stellt sich vor, dass alles von ihm Erschaffene lebendige Materie geblieben ist. Die Besucher nehmen die Rückbezüge wahr, die durch die antichronologische Ordnung betont werden.

Der Künstler ist nach wie vor derselbe und seiner etwas enttäuschten Wahrnehmung der Welt verschrieben. Seine Sensibilität erlaubt es ihm, diese Enttäuschung in einen Spiegel zu verwandeln, in dem wir uns selbst erkennen. Er scheut hierbei weder das Monumentale noch das Fragile. Sein Blick scheint überall eindringen zu können, sowohl hinter unsere Schwächen als auch die Kleinlichkeit unserer Konventionen. Zugleich weiss er, dass er dieses Schicksal mit uns teilt und dass ihn nichts von uns unterscheidet. Das Gegenteil ist der Fall. Carron macht es sich zur Aufgabe, das zu beleben, was wir eigentlich lieber vergessen würden.

Wie der Titel „The Slope“ andeutet, bedeutet das moderne Leben, die Abfahrt vom steilen Hang ebenso zu akzeptieren wie die dabei nötige Anstrengung, dabei auf den Beinen zu bleiben. Künstlersein heisst für Carron, sich fest in der Realität zu verankern, so dass man ihre Mängel und Risse wahrnimmt. Er steht am Hang, wie wir alle.

Der grosse Adler (1967 (after Fornage), 2004) aus Harz ist eine exakte Kopie einer Skulptur, die auf dem Parkplatz eines ehemaligen Möbelhauses in einem Vorort zurückgelassen wurde. Die monumentale Uhr (Orologio IV, 2008), die wie aus Beton gefertigt erscheint, erinnert an jene, die seit dem Aufkommen von Mobiltelefonen mit Zeitanzeige in Vergessenheit geraten sind. Die Farbe verfestigt sich in blinden Buntglasfenstern (Die unglaubwürdige Wissenschaft der anmutig zusammenhängenden Lobeshymnen, 2013). Sie verflüssigt sich im Entwurf vergrösserter Buchumschläge, die über Rohrrahmen gespannt sind (La grande rechute, 2013), oder nimmt ihr volkstümliches und popkulturelles Schicksal an (L’inquiéte silhouette, 2017). In der Skulptur wird die menschliche Figur allgegenwärtig und beinahe zum Stereotyp mit verzehnfachter Wirkung (L’amitié, 2026).

Valentin Carron, „L’inquiéte silhouette“, 2017, MDF mit Inkjet-Druck auf Klebepapier und Ölmalerei, 132 x 120 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich
Valentin Carron, „Adult and Child“, 2023, bemaltes Aluminium, 225 x 137 x 56 cm, Skulptur mit Erwachsenem und Kind, Galerie Eva Presenhuber Zürich
Valentin Carron, „L’inquiéte silhouette“, 2017, MDF mit Inkjet-Druck auf Klebepapier und Ölmalerei, 132 x 120 cm, Galerie Eva Presenhuber Zürich • Valentin Carron, „Adult and Child“, 2023, bemaltes Aluminium, 225 x 137 x 56 cm, Skulptur mit Erwachsenem und Kind, Galerie Eva Presenhuber Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Diese Ausstellung ist ein Fenster auf unsere Fähigkeit, das Entgleiten unserer Träume zu überleben. Tatsächlich können sich die Besucher im letzten Raum der Ausstellung vorstellen, sie befänden sich in Carrons Atelier oder Archiv. Er selbst ist es, der die Werke und Dokumente zusammengetragen hat, aus denen die Ausstellung besteht. Man erhascht hier einen Eindruck jener besonderen Energie, die es ihm ermöglicht hat, so lange am Rand der Welt zu verbleiben. Er ist jener aussergewöhnliche Freund, der keinerlei Zugeständnisse an guten Geschmack und Anstand macht, uns jedoch dazu zwingt, ihm in der Radikalität seiner Wahrnehmung zu vertrauen.

Diese Ausstellung ist zugleich ein Porträt des rebellischen, aber fantastisch sensiblen Teenagers, den Carron uns gern zeigt. Und allein aus diesem Grund würden wir nur allzu gern daran glauben, dass zwanzig nichts ist.

Valentin Carron wurde 1977 in Martigny, Schweiz, geboren, wo er lebt und arbeitet. 2013 vertrat er die Schweiz auf der 55. Biennale von Venedig und war Gegenstand zahlreicher Einzelausstellungen in internationalen Institutionen, darunter in Paris, Dijon, Bern und Zürich. Seine Werke bewegen sich zwischen Skulptur, Aneignung und kultureller Erinnerung – stets mit jener präzisen Ironie, die seine Handschrift unverwechselbar macht.

Tags: Valentin Carron, Schweizer Kunst, Skulptur, Gegenwartskunst, Samuel Gross

Maag Areal, Zürich
Dienstag–Freitag: 11:00–18:00 Uhr
Samstag: 11:00–17:00 Uhr
Montag und Sonntag: geschlossen