Giovanni Antonio Canal (Canaletto), Die Riva degli Schiavoni in Venedig, um 1724/30 – Vedute mit Gondeln, Handelsschiffen und Blick auf die Lagunenstadt, Kunsthistorisches Museum Wien
Giovanni Antonio Canal (Canaletto), Die Riva degli Schiavoni in Venedig, um 1724/30 – Vedute mit Gondeln, Handelsschiffen und Blick auf die Lagunenstadt, Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Wann: 24.03.2026 - 06.09.2026

Canaletto & Bellotto – wenn Europa im Bild erscheint und Städte zu Bühnen einer neuen Epoche werden. Ab 24. März 2026 entfaltet das Kunsthistorische Museum Wien mit seiner großen Frühjahrsausstellung ein Panorama des 18. Jahrhunderts, das weit über prachtvolle Veduten hinausreicht. Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, und sein Neffe Bernardo Bellotto treten in einen Dialog, der zeigt, wie sich eine Gesellschaft im Umbruch selbst entwirft.

Erstmals im deutschsprachigen Raum werden Stadtansichten von Venedig, London und Wien einander unmittelbar gegenübergestellt. Zwei Künstler, drei Städte, drei Perspektiven – und ein Europa zwischen absolutistischer Repräsentation und aufklärerischer Vernunft.

Bernardo Bellotto, Wien vom Belvedere aus gesehen, 1759–1760 – Panorama der Stadt Wien mit Schloss Belvedere, Kunsthistorisches Museum Wien
Bernardo Bellotto, Wien vom Belvedere aus gesehen, 1759–1760 – Panorama der Stadt Wien mit Schloss Belvedere, Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Die Jahre zwischen 1690 und 1780 markieren den Übergang vom prunkvollen Absolutismus zur kritischen Aufklärung und den Beginn des bürgerlichen Zeitalters. Macht wird noch inszeniert, doch sie wird bereits hinterfragt. Städte wachsen, Handel vernetzt Kontinente, Mobilität schafft neue Öffentlichkeiten. London, Venedig, Wien und Dresden entwickeln sich zu urbanen Zentren eines Kontinents im Wandel.

Canaletto zeigt Venedig als leuchtende Handelsmetropole, als harmonisch komponierte Bühne des öffentlichen Lebens. Seine „Riva degli Schiavoni“ ist mehr als eine Ansicht – sie ist ein Idealbild urbaner Ordnung. Bellotto hingegen schärft den Blick. Sein Wien vom Belvedere aus gesehen wirkt präzise, beinahe analytisch. Architektur wird vermessen, Raum konstruiert, Perspektive zur Methode. Die Stadt erscheint als strukturiertes Gefüge – Ausdruck eines Zeitalters, das die Welt verstehen will.

Canaletto, London: Die Themse am Lord Mayor’s Day, um 1748, festliche Bootsprozession auf der Themse mit Blick auf St Paul’s Cathedral © House of Lobkowicz
Bernardo Bellotto, Dresden vom rechten Elbufer oberhalb der Augustusbrücke, um 1750, Stadtansicht mit Elbe, Augustusbrücke und barocker Architektur
Canaletto, London: Die Themse am Lord Mayor’s Day, um 1748, festliche Bootsprozession auf der Themse mit Blick auf St Paul’s Cathedral © House of Lobkowicz • Bernardo Bellotto, Dresden vom rechten Elbufer oberhalb der Augustusbrücke, um 1750, Stadtansicht mit Elbe, Augustusbrücke und barocker Architektur – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Hier entfaltet sich das eigentliche Wechselspiel von Kunst, Urbanität und Gesellschaft im 18. Jahrhundert. Die Vedute ist nicht bloß dekoratives Stadtbild. Sie ist Medium politischer Repräsentation, ökonomischer Dynamik und kultureller Selbstvergewisserung. In ihr verdichten sich Machtanspruch, Bürgersinn und das neue Bewusstsein einer Öffentlichkeit.

Doch diese Bilder sind keine neutralen Abbilder. Sie sind komponierte Wirklichkeiten. Genau darin liegt ihre Modernität.

Im 18. Jahrhundert kauften Grand-Tour-Reisende solche Ansichten als Souvenirs einer kosmopolitischen Bildungserfahrung. Heute entstehen neue Veduten im digitalen Raum. Damals wie heute geht es um das Bild der Stadt – um Identität, Perspektive und die Frage, wer definiert, wie eine Metropole gesehen wird.

Bernardo Bellotto, Der Lobkowitzplatz in Wien, 1759/60, barocker Platz mit Figurenstaffage, Kutschen und Blick auf die Augustinerkirche © KHM-Museumsverband
Bernardo Bellotto, Der Lobkowitzplatz in Wien, 1759/60, barocker Platz mit Figurenstaffage, Kutschen und Blick auf die Augustinerkirche © KHM-Museumsverband – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Was ist Dokumentation, was ist Inszenierung? Und wie verändert sich Gesellschaft, wenn sich ihr visuelles Selbstverständnis wandelt?

„Canaletto & Bellotto“ im Kunsthistorischen Museum Wien ist daher nicht nur eine kunsthistorische Gegenüberstellung, sondern ein Blick auf Europa im Moment seiner Neuorientierung – zwischen barocker Pracht und aufklärerischer Klarheit.

 

So wird die Ausstellung zu einem Spiegel ihrer Epoche – und zugleich zu einem Blick auf unsere eigene Gegenwart im Wandel.

Tags: Antonio Canaletto, Bernardo Bellotto, Veduten, Stadtansichten, 18. Jahrhundert, Barock

Di – So, 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr