Bellotto – Wien, vom Belvedere aus gesehen (1759–1760) | Kunsthistorisches Museum Wien
Bellotto – Wien, vom Belvedere aus gesehen (1759–1760) | Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Wann: 06.03.2026 - 04.04.2026

Das Kunsthistorische Museum entfacht 2026, wenn das olympische Feuer in Italien langsam verglüht, ein kulturelles Flammenmeer zwischen Wien und Rom – einen Italien-Schwerpunkt, der Europa in einem machtvollen Panorama von Renaissance, Barock und Antike neu erstrahlen lässt.

Wenn Italien im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit steht, antwortet das Kunsthistorische Museum Wien mit einer programmatischen Geste von historischer Tragweite. Von März 2026 bis April 2027 spannt sich ein kuratorischer Bogen von Rom über Triest bis Wien – ein Dialog der Meisterwerke, ein Bekenntnis zur gemeinsamen europäischen Identität.

„Mit unseren hochkarätig beliehenen Ausstellungen und herausragenden Leihgaben aus unserer Sammlung zeigen wir ein Panorama Europas und seiner gemeinsamen Kunstgeschichte. In Zeiten nationaler Instrumentalisierung von Kunst und Kultur wollen wir einer Vereinnahmung der Vorstellungswelt dem Pluralismus der europäischen Identität entgegenstellen“, erklärt Jonathan Fine, Generaldirektor des KHM-Museumsverbandes.

Raffael – Madonna im Grünen (1505/1506) | Kunsthistorisches Museum Wien
Raffael – Madonna im Grünen (1505/1506) | Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Den Auftakt bildet am 6. März 2026 im Palazzo Cipolla in Rom die Ausstellung „Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum“. Erstmals werden in Italien über fünfzig Meisterwerke aus den prestigeträchtigen Sammlungen des Hauses präsentiert. Vier Jahrhunderte europäischer Malerei entfalten sich – von der Renaissance bis zum Barock – mit Höhepunkten von Velázquez bis Arcimboldo sowie erlesenen Arbeiten aus der Kunstkammer. Wien sendet seine Geschichte nach Rom zurück – als Geste des kulturellen Austauschs.

Nur wenige Tage später, am 24. März, folgt in Wien die Ausstellung „Canaletto & Bellotto“. Die beiden venezianischen Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts entwickelten eine neue Bildsprache urbaner Identität, verwandelten Städte in Bühne, Idee und Ideal. Viele der gezeigten Werke, darunter Canalettos London-Bilder, sind erstmals in Österreich zu sehen – eine Rückkehr großer Perspektiven.

Parallel beginnt die schrittweise Neuhängung der Gemäldegalerie mit Schwerpunkt auf italienischen Werken der Renaissance und des Barock.

Von Raffaels „Madonna im Grünen“ bis Tintorettos „Susanna im Bade“ treten Ikonen der Sammlung in neue Dialoge. Zwei frisch restaurierte monumentale Gemälde von Giovanni Battista Tiepolo eröffnen diesen Prozess – Szenen antiker römischer Geschichte, die in neuem Glanz leuchten.

Am 2. April 2026 öffnet in Triest die Ausstellung „Ancient Egypt in Miramare“. Maximilian von Habsburg versammelte einst fast 2.000 ägyptische Objekte in Schloss Miramare. Nach seinem Tod gelangten sie in die Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums. Nun kehrt eine Auswahl zurück an ihren historischen Ort. Ergänzt durch Objekte aus dem Städtischen Antiquitätenmuseum J. J. Winckelmann wird sichtbar, wie stark die „Ägyptomanie“ das Triest des 19. Jahrhunderts prägte.

Tintoretto – Susanna im Bade (um 1555/1556) | Kunsthistorisches Museum Wien
Tintoretto – Susanna im Bade (um 1555/1556) | Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum

Im Herbst rückt die Antike ins Zentrum. Ab 20. Oktober erzählt die Ausstellung „Tatort Ephesos. Kleopatra und Rom“ von Macht, Intrigen und politischer Strategie. Ausgehend von der Ermordung Arsinoës entfaltet sich die Geschichte jener Epoche, in der Caesar, Marc Anton und Augustus die Geschicke der Welt bestimmten. Rom, Alexandria und Ephesos erscheinen als pulsierende Macht- und Wissenszentren.

Den Höhepunkt des Italien-Schwerpunktes bildet ab 2. Dezember 2026 die Ausstellung „Bernini. Malerei und Marmor“ im Palais Lobkowitz. Im Zentrum steht eine sensationelle Neuentdeckung: ein Porträt aus dem Bestand des Museums, das Gian Lorenzo Bernini zugeschrieben wird. Der bedeutendste Künstler Italiens des 17. Jahrhunderts ist vor allem als Bildhauer und Architekt bekannt. Gemälde schuf er angeblich nur zu seinem Vergnügen. Von seinen einst zahlreichen Porträtgemälden sind heute nur weniger als zwanzig als eigenhändig anerkannt. Rund zehn internationale Leihgaben beleuchten Berninis Porträtschaffen in Skulptur, Zeichnung und Malerei – eine Einladung, den Meister neu zu entdecken.

Von Wien nach Rom, von Triest zurück in die Ewigkeit der Antike – das Kunsthistorische Museum setzt 2026/27 ein Zeichen kultureller Weite. Nicht Abgrenzung, sondern Austausch. Nicht Enge, sondern europäischer Horizont.

 

Wie das olympische Feuer, das nicht erlischt, sondern von Hand zu Hand weitergegeben wird, entfacht auch die Kunst immer wieder neu das Bewusstsein einer gemeinsamen europäischen Geschichte.

Monumentale Geschichte in barocker Dramatik

Giovanni Battista Tiepolo – Tod des Konsuls L. J. Brutus im Zweikampf mit Aruns (um 1728/1730) | Kunsthistorisches Museum Wien
Giovanni Battista Tiepolo – Tod des Konsuls L. J. Brutus im Zweikampf mit Aruns (um 1728/1730) | Kunsthistorisches Museum Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: khm / Kunsthistorisches Museum
Tags: Antonio Canaletto, Malerei, Bernardo Bellotto, Gian Lorenzo Bernini, Kleopatra, Renaissance, Barock, Europäische Kunstgeschichte

Di – So, 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr