Zanabazar erobert Rom – und mit ihm öffnet sich in der Galleria Borghese ein atemberaubendes Fenster zwischen Mongolei und europäischem Barock, ein Dialog, der die Geschichte neu atmen lässt.
Vom 20 January to 22 February 2026 präsentiert die Galleria Borghese in Zusammenarbeit mit dem Asian Art Museum of Turin two extraordinary works by the Mongolian artist Zanabazar, und setzt damit ein starkes Zeichen im Namen eines „global baroque“. Die Ausstellung trägt programmatisch den Titel „ZANABAZAR alla Galleria Borghese. Dalla Mongolia al Barocco Globale“ und verspricht nichts Geringeres als eine Begegnung zweier Welten.
Im Jahrhundert von Gian Lorenzo Bernini, dem absoluten Genie des europäischen Barock, dessen ideales Zuhause bis heute die Galleria Borghese ist, erhob sich in Asien eine Figur von vergleichbarer Größe: Zanabazar (1635–1723). Geboren im Herzen der asiatischen Steppe, innerhalb eines der größten Reiche der Menschheitsgeschichte, entstammte er der edlen Linie Dschingis Khans. Bekannt unter seinem spirituellen Namen, wurde er als „Öndör Gegeen, ‘His Holiness the Enlightened One’“ verehrt, als erster Khutuktu Jetsundamba, höchste religiöse Autorität der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus in der Mongolei, angesehen als „reincarnation of one of the original five hundred disciples of the Buddha.“
Doch Zanabazar war mehr als ein spiritueller Führer. Er war Linguist, Gelehrter und vor allem der „greatest Mongolian sculptor of the early modern period.“ Seine Werke, inspiriert von Reisen und Aufenthalten in tibetischen Klöstern, wurden zu heiligen Objekten in Tempeln und Kultstätten der Mongolei. Besonders die Darstellungen der Taras ragen heraus – weibliche Manifestationen des Buddha, Gottheiten des Schutzes und der inneren Befreiung – und zeichnen sich durch „their exceptionally high aesthetic value“ aus.
Die beiden in Rom gezeigten Werke – eine raffinierte Green Tara sowie ein bronzenes Selbstporträt Zanabazars, thronend dargestellt – stammen aus dem Chinggis Khaan National Museum in Ulan Bator. Erstmals gelangen Arbeiten dieses Meisters nach Europa und Italien. Zum ersten Mal in der Geschichte können Besucher eines westlichen Museums diese Präsenz erleben und ihre ästhetische wie formale Nähe zu unserem eigenen künstlerischen Erbe erfahren – ein stiller, aber kraftvoller Beweis für die überraschende Nähe zweier scheinbar entfernter Kulturen.
Das Projekt geht idealerweise aus der Ausstellung „Global Baroque. The World in Rome at the Time of Bernini“ hervor und vertieft deren Erkenntnis über den „profoundly transcultural character of seventeenth-century Rome“. Schon damals war Rom ein Knotenpunkt von Handelsbeziehungen, diplomatischen Kontakten und geistigen Reisen – ein Netzwerk, das heutige Globalisierung vorwegnahm.
Auf dieser Grundlage entwickelt die Galleria Borghese nun „a project without precedent“, der die Komplexität von Beziehungen zwischen Figuren und Artefakten erforscht, die historisch, geografisch und technisch weit auseinanderliegen, sich jedoch „surprisingly close in creative spirit“ zeigen. Genau das ist der Geist des „global baroque“.
Für das Publikum entsteht daraus eine seltene Gelegenheit: „a unique opportunity: to admire works usually kept tens of thousands of kilometres away, brought together for the first time as expressions of a shared historical moment.“
Zanabazar in der Galleria Borghese ist mehr als eine Ausstellung. Es ist eine Einladung, den Barock neu zu denken – nicht als europäische Episode, sondern als weltumspannendes Echo einer Epoche, in der Kunst, Glaube und Macht über Kontinente hinweg miteinander sprachen.