Bereits während ihrer Ausbildung in Berlin in der Weimarer Republik zeigte sich, dass Stomps weniger das naturgetreue Abbild interessierte als die innere Bewegung. Ihre frühen Skulpturen in Holz, Gips und Stein verdichten Spannung zu einer reduzierten, klaren Form. Parallel entstehen grafische Arbeiten, in denen Linie und Fläche als autonome Ausdrucksmittel erforscht werden. Figur und Ausdruck verschmelzen zu einem stillen Drama der Verdichtung.
Aus politischer Überzeugung zieht sich Stomps während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Nachdem 1936 Werke von Kollwitz und Barlach aus Ausstellungen entfernt werden, sieht auch sie sich und ihre Kunst nicht länger als Teil des Kulturbetriebs und stellt nicht mehr aus. 1943 zerstören Bombenangriffe Wohnung, Atelier und den Großteil ihres bisherigen Œuvres. Verlust wird biografische Realität – und später künstlerische Essenz.
Nach 1945 findet sie eine neue Sprache für Kriegserfahrung, Trauer und Neubeginn. Ihre Figuren wirken archaisch und zugleich zeitlos, verletzlich und standhaft. Der Berliner Kunstbetrieb beginnt erneut, ihr Werk wahrzunehmen; Ausstellungen und Auszeichnungen folgen.
„Die Hauptsache ist nicht die äußere Gestalt, sondern das Innere,
das Seelische.«
Louise Stomps, 1987
1960 erwirbt Stomps eine alte Wassermühle in Oberbayern. Dort entstehen überlebensgroße Holzskulpturen, in denen sie dem Material selbst folgt: Wuchs, Maserung und Astlöcher werden zu Impulsgebern der Form. Ihre Arbeiten gewinnen an organischer Freiheit, ohne den Bezug zum Menschen zu verlieren. Auch in ihren Tusche- und Kugelschreiberzeichnungen zeigt sich diese Konzentration auf das Wesentliche – eine Suche nach dem inneren Kern.