Joan Miró im Atelier des Mas Miró in Mont-roig bei der Arbeit an der Skulpturenmaquette „Tête“, 1952, fotografiert von Ernst Scheidegger, Schwarzweißaufnahme im Atelierkontext
Joan Miró im Atelier des Mas Miró in Mont-roig bei der Arbeit an der Skulpturenmaquette „Tête“, 1952, fotografiert von Ernst Scheidegger, Schwarzweißaufnahme im Atelierkontext – Mit freundlicher Genehmigung von: miromallorca.com / Joan Miró Stiftung

Wann: 11.02.2026 - 17.01.2027

Joan Miró lässt das Universum aufleuchten – und jedes seiner Bilder erscheint wie ein freigelegter Kosmos aus Linien, Zeichen und magnetischer Spannung.

Mit der Ausstellung „Retrobar Miró. La guspira màgica“, die vom 11. Februar 2026 bis 17. Januar 2027 in der Fundació Miró Mallorca zu sehen ist, wird kein Mythos neu erfunden – er wird neu entzündet. Diese große Schau kündigt eine Bewegung an, die weniger Entdeckung als Rückkehr ist, weniger Bruch als bewusst gesetzte Erschütterung. Miró blickt nicht nach vorne, um das Unbekannte zu suchen. Er wendet sich zurück – und findet im Eigenen das Unerschöpfliche.

Seine Linien wirken heute wie grafische Systeme, wie kosmische Schaltpläne unsichtbarer Kräfte, die das Bild unter Spannung setzen. Feine schwarze Bahnen verbinden Kreise, Sterne, Punkte und organische Formen zu einem dichten Geflecht, in dem jedes Zeichen sendet und empfängt. Nichts steht isoliert. Alles ist Beziehung.

Bereits in den ab 1940 entstandenen „Constellations“ verdichtet Miró Vögel, Frauenfiguren und Sternformen zu komplexen Kompositionen, in denen Linien wie leitende Bahnen erscheinen. Der Kosmos wird zum inneren Diagramm. Das Sichtbare verweist auf das Unsichtbare. Das Bild beginnt zu pulsieren.

Auch Titel wie „Flux de l’Aimant“ aus dem Jahr 1964 verweisen auf jene unsichtbaren Strömungen, die seine Werke durchziehen. Magnetischer Fluss ist hier keine bloße Metapher, sondern künstlerische Haltung: Formen ziehen sich an, stoßen sich ab, kreisen umeinander. Zwischen ihnen entsteht Spannung – und aus dieser Spannung wächst Bedeutung.

„Per a mi, la qüestió és sempre ‘retrobar’; no es descobreix res a la vida.“

Dieses 1948 formulierte Bekenntnis von Joan Miró an James Johnson Sweeney wird zum Schlüssel der gesamten Ausstellung. Mirós Werk entfaltet sich nicht linear, sondern kreisend, tastend, springend zwischen Zeiten und Zuständen. Er kehrt zu frühen Motiven zurück, revidiert Zeichen, zerlegt Bildsprachen, greift frühere Arbeiten wieder auf – nicht um sie zu verwerfen, sondern um sie zu transformieren.

Oiseau solaire und Oiseau lunaire von Joan Miró vor dem Gemälde „Mosaic“ im Taller Sert, fotografiert von Daniel Frasnay, Skulpturen im Atelierkontext mit monumentaler Wirkung, © Successió Miró 2026
Oiseau solaire und Oiseau lunaire von Joan Miró vor dem Gemälde „Mosaic“ im Taller Sert, fotografiert von Daniel Frasnay, Skulpturen im Atelierkontext mit monumentaler Wirkung, © Successió Miró 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: miromallorca.com / Joan Miró Stiftung

Die Ausstellung vertieft das Thema der „guspira màgica“, jenes magischen Funkens, der aus dem Alltäglichen entsteht. Gefundene Objekte, Naturgaben, rohe Materialien, volkstümliche Kunst, Menschen aus seinem Umfeld und prägende Orte werden bei Miró zu Auslösern schöpferischer Energie. Der Impuls kommt nicht vom Fremden, sondern vom Vertrauten. Was ihn umgibt, verlangt nur eine neue, radikale Betrachtung.

„Retrobar Miró. La guspira màgica“ zeigt einen Künstler, der nicht entdeckt, sondern wiederfindet. Der sein eigenes Vokabular neu verschaltet, neu lädt, neu unter Strom setzt. Linien werden zu Leitungen. Sterne zu Knotenpunkten. Und jedes Zeichen zu einem Impuls im großen System Miró.

 

Und wenn wir abends den Blick zum Sternenhimmel heben, wird mancher von uns – wenn er genauer hinsieht – in diesem Geflecht aus Lichtpunkten Mirós Universum wiedererkennen. Für die Ewigkeit.

Tags: Joan Miró, Moderne Kunst, Malerei, spanische Kunst, Surrealismus, Skulpturen

Geöffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr