Seit den 1960er Jahren entwickelt Schnyder ein Werk, das sich jeder stilistischen Vereinnahmung entzieht. Seine Malerei wirkt oft leicht, beinahe beiläufig – und ist doch von analytischer Schärfe. Alltagsmotive, Landschaften, Stillleben oder scheinbar „banale“ Sujets werden bei ihm zu Experimentierfeldern des Sehens. Es ist eine Kunst, die nicht laut auftritt, sondern über Dauer wirkt.
Die Ausstellung im MASI Lugano, kuratiert von Tobia Bezzola und Ludovica Introini, konzentriert sich auf neue Gemälde, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind. Besonders eindrucksvoll sind die kleinformatigen en plein air-Landschaften, gemalt in den Schweizer Bergregionen. Hier begegnet man einer Malerei, die das unmittelbare Sehen feiert: Licht, Wetter, Topografie – alles verdichtet sich in einer reduzierten, zugleich sensiblen Bildsprache.
Diese aktuellen Arbeiten treten in einen spannungsvollen Dialog mit zwei zentralen Werkkomplexen aus Schnyders Œuvre. Die Serie „Billige Bilder“ (2000–2019) hinterfragt mit subversivem Humor Wertzuschreibungen und Marktmechanismen der Kunst. Dem gegenüber steht das monumentale Gemälde „Stilleben“ (1970), ein früher Höhepunkt, der in seiner formalen Klarheit und malerischen Präsenz bis heute nichts von seiner Intensität verloren hat.
„La pittura 2024/25“ zeigt Jean-Frédéric Schnyder nicht als Chronisten der Vergangenheit, sondern als Künstler der Gegenwart. Seine Malerei behauptet sich jenseits modischer Diskurse. Sie ist beharrlich, eigensinnig und zutiefst persönlich – eine Einladung, genauer hinzusehen und im scheinbar Einfachen das Komplexe zu entdecken.
Die Ausstellung wird am 14. März 2026 um 18 Uhr eröffnet und ist bis 9. August 2026 im MASI Lugano zu sehen.