Ferdinand Georg Waldmüller, Partie aus dem Prater, 1831  2017 Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
Ferdinand Georg Waldmüller, Partie aus dem Prater, 1831 2017 Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

Wann: 27.02.2026 - 14.06.2026

Die Ausstellung im Unteren Belvedere rückt erstmals die Naturdarstellung im Œuvre von Ferdinand Georg Waldmüller in den Fokus – 27. Februar bis 14. Juni 2026.

Die Landschaftsmalerei gelangte im 19. Jahrhundert europaweit zur Blüte. Waldmüller war Teil dieser Entwicklung und vermittelte mit seinen intimen Baumstudien, weiten Wienerwaldlandschaften und stilprägenden Ansichten des Salzkammerguts die Sehnsucht des Menschen nach der Natur. In der Schau liefern Beispiele wegweisender Zeitgenossen wie John Constable und Jean-Baptiste Camille Corot Impulse, um Waldmüllers realistische Naturdarstellungen vor dem Hintergrund europäischer Entwicklungen neu zu entdecken.

 Ferdinand Georg Waldmüller, Die Ruinen des griechischen Theaters von Taormina mit dem Ätna, 1844  LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
 John Constable, Salisbury Cathedral und Leadenhall vom Fluß Avon, 1820  © The National Gallery, London
Ferdinand Georg Waldmüller, Die Ruinen des griechischen Theaters von Taormina mit dem Ätna, 1844 LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna • John Constable, Salisbury Cathedral und Leadenhall vom Fluß Avon, 1820 © The National Gallery, London – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

„Kann man zu Waldmüller noch neue Aspekte in den Fokus rücken? Man kann!“, betont Generaldirektorin Stella Rollig. Der Maler ist angesichts seiner Beliebtheit und des umfangreichen Bestands ein zentraler Künstler in der Sammlung des Belvedere. Wenn seine Landschaften im europäischen Vergleich präsentiert werden, dürfen sich selbst Fans und Fachleute auf neue Perspektiven freuen.

Der Schlachtruf „Wirklichkeitstreue“ verband in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele progressive Künstler*innen über Landesgrenzen hinweg. Die Konzentration auf die heimische Landschaft spielte dabei eine zentrale Rolle. Zugleich wuchs das Bedürfnis, Natur nicht nur zu erfahren, sondern sie sich in Form von Bildern ins eigene Zuhause zu holen. Politische Umbrüche, gesellschaftlicher Wandel und die voranschreitende Industrialisierung verstärkten diese Entwicklung.

Waldmüller, zentraler österreichischer Maler der Biedermeierzeit, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die „uns umgebende Natur, unsere Zeit, unsere Sitte“ zu malen. Mit seinen naturgetreuen Porträts, Genrebildern und Landschaften polarisierte er die Kritik. Zunächst diente die reale Landschaft in seinen Werken als Hintergrund. In den 1830er-Jahren jedoch rückte er die Natur ins Zentrum seiner Kompositionen und schuf zahlreiche, in ihrer Wirklichkeitsnähe bestechende Ansichten. Von da an begleitete die Landschaft sein Schaffen bis an sein Lebensende.

 Jean-Baptiste Camille Corot, Der Nemisee, 1843  Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
 John William Inchbold, Bolton Abbey, 1853  Foto mit freundlicher Genehmigung von Northampton Museums and Art Gallery
Jean-Baptiste Camille Corot, Der Nemisee, 1843 Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll • John William Inchbold, Bolton Abbey, 1853 Foto mit freundlicher Genehmigung von Northampton Museums and Art Gallery – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

„Seine realistischen Naturdarstellungen – sowohl als Bildhintergrund als auch in eigenständigen Landschaften – spiegeln ein europaweit wachsendes gesellschaftliches Interesse an Natur wider“, erklärt Kuratorin Arnika Groenewald-Schmidt. Die Einbettung seiner Landschaftsmalerei in den Kontext europäischer Zeitgenossen eröffne neue Perspektiven und verorte sein Werk als eigenständige Ausprägung realistischer Tendenzen in Europa.

Von derselben ideologischen Basis ausgehend entwickelten sich in verschiedenen Ländern unterschiedliche Spielarten realistischer Kunst – teils in Abhängigkeit voneinander, teils parallel. Ausbildungsmethoden, kulturelle Hintergründe und topografische Eigenheiten prägten Stil und Herangehensweise an die Darstellung der Natur. Die Ausstellung ermöglicht es, Waldmüllers Beschäftigung mit der Landschaft im Wiener Prater, im Wienerwald, in der Umgebung von Salzburg sowie in Italien nachzuspüren. Werke europäischer Größen wie Johan Christian Dahl ergänzen den Dialog und schärfen den Blick auf Waldmüllers Position im künstlerischen Gefüge seiner Zeit.

Im Sommer 2026 präsentiert die National Gallery in London die erste Ausstellung von Gemälden Waldmüllers in Großbritannien. „Waldmüller: Landscapes“ (2. Juli bis 20. September 2026) ist zugleich die erste Schau, die den österreichischen Künstler ausschließlich als Landschaftsmaler würdigt. Sie entsteht in Kooperation zwischen der National Gallery und dem Belvedere, das den Großteil der ausgestellten Werke zur Verfügung stellt.

Tags: Ferdinand Georg Waldmüller, Landschaftsmalerei, 19. Jahrhundert, Biedermeier, Realismus, John Constable, Jean-Baptiste Camille Corot, Johan Christian Dahl, Kunstgeschichte

Montag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr