„Kann man zu Waldmüller noch neue Aspekte in den Fokus rücken? Man kann!“, betont Generaldirektorin Stella Rollig. Der Maler ist angesichts seiner Beliebtheit und des umfangreichen Bestands ein zentraler Künstler in der Sammlung des Belvedere. Wenn seine Landschaften im europäischen Vergleich präsentiert werden, dürfen sich selbst Fans und Fachleute auf neue Perspektiven freuen.
Der Schlachtruf „Wirklichkeitstreue“ verband in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele progressive Künstler*innen über Landesgrenzen hinweg. Die Konzentration auf die heimische Landschaft spielte dabei eine zentrale Rolle. Zugleich wuchs das Bedürfnis, Natur nicht nur zu erfahren, sondern sie sich in Form von Bildern ins eigene Zuhause zu holen. Politische Umbrüche, gesellschaftlicher Wandel und die voranschreitende Industrialisierung verstärkten diese Entwicklung.
Waldmüller, zentraler österreichischer Maler der Biedermeierzeit, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die „uns umgebende Natur, unsere Zeit, unsere Sitte“ zu malen. Mit seinen naturgetreuen Porträts, Genrebildern und Landschaften polarisierte er die Kritik. Zunächst diente die reale Landschaft in seinen Werken als Hintergrund. In den 1830er-Jahren jedoch rückte er die Natur ins Zentrum seiner Kompositionen und schuf zahlreiche, in ihrer Wirklichkeitsnähe bestechende Ansichten. Von da an begleitete die Landschaft sein Schaffen bis an sein Lebensende.