Richard Paul Lohse, Serielles Reihenthema in achtzehn Farben, Variation C, 1981/82, Ausstellungsansicht im Museum Haus Konstruktiv, 2026, großformatiges Farbraster mit 18 Farben, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich
Richard Paul Lohse, Serielles Reihenthema in achtzehn Farben, Variation C, 1981/82, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: HausKonstruktiv / Museum Haus Konstruktiv

Wann: 05.02.2026 - 10.05.2026

Richard Paul Lohse ist ein Paukenschlag der Stille – eine Explosion aus Farbe, Logik und moralischer Haltung, die im Museum Haus Konstruktiv das Jahresprogramm 2026 mit jener Klarheit eröffnet, die heute radikaler wirkt als je zuvor.

Die umfassende Einzelausstellung entsteht in Kooperation mit der Richard Paul Lohse-Stiftung, dem MASI Lugano, dem Josef Albers Museum und dem Wilhelm-Hack-Museum. Sie versammelt über fünfzig Werke aus den Jahren 1942 bis 1987 und rückt das malerische Œuvre eines Künstlers ins Zentrum, der die konstruktiv-konkrete Kunst entscheidend geprägt hat.

Lohse, 1902 in Zürich geboren, war nicht nur Maler und Grafiker, sondern auch Theoretiker mit scharfem intellektuellem Profil. Seine rationalen und seriellen Bildsysteme entwickelte er bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren – lange bevor Farbfeldmalerei, Minimal Art oder konzeptuelle Strömungen internationale Dominanz erlangten. Was bei anderen Bewegung wurde, war bei ihm längst Methode.

Nach einer Lehre im Büro des Werbers Max Dalang machte sich Lohse 1930 als Grafiker und Typograf selbstständig. Früh wandte er sich von figurativen Ansätzen ab und fand unter dem Einfluss von De Stijl und russischem Konstruktivismus zu einer Bildsprache, die auf Orthogonalität, Zahlensystemen und Farblogik beruhte.

HK 260203 0017 WEB Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich
HK 260203 0017 WEB Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: HausKonstruktiv / Museum Haus Konstruktiv

Für Lohse war Ästhetik niemals autonom im luftleeren Raum. Er verband Form und gesellschaftliche Verantwortung mit Konsequenz. Geprägt von einer entbehrungsreichen Jugend übersetzte er das Ideal sozialer Gleichheit in visuelle Prinzipien – etwa in die Mengengleichheit aller verwendeten Farben innerhalb eines Bildes.

«Meine Arbeiten», so formulierte er es selbst in einem 1988 veröffentlichten Dokumentarfilm über ihn, «versuchen ein Bild davon zu geben, wie die Strukturen der Welt verbessert werden könnten.»

Ab 1943 konzentrierte sich Lohse auf orthogonal strukturierte Bildfelder. Es entstanden modulare und serielle Ordnungen, deren Aufbau er in Entwürfen, Konstruktionszeichnungen und Farbtabellen minutiös offenlegte. Zahlen, Diagramme, Tabellen – seine Malerei ist durchdacht bis ins Detail.

«Meine Bilder kann man durchs Telefon geben», sagte der Künstler viele Jahre später anlässlich einer Ausstellung im Kunstverein München.

Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich
Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: HausKonstruktiv / Museum Haus Konstruktiv

Die Ausstellung im Haus Konstruktiv zeigt auch diese konzeptuellen Grundlagen in Vitrinen. Viele Gemälde wurden erst nach 1960 ausgeführt; die zeitliche Distanz zwischen Idee und Realisation dokumentiert sich in Doppeldatierungen – manchmal ergänzt um eine dritte Zahl, die auf Variationen desselben Systems verweist.

Von frühen Werken wie Abwandlung einer Figur oder Dynamische Konstruktion (1942), die noch frei schwebende geometrische Formen zeigen, über Vertikaler Rhythmus bis hin zu komplexen seriellen Reihenthemen entfaltet sich eine beeindruckende Entwicklung. Die grossformatigen Variationen A, B und C des Seriellen Reihenthemas in achtzehn Farben – erstmals 1982 auf der documenta präsentiert – gelten als Höhepunkt dieser Phase. Raster aus 108 Quadraten, sechs Reihen, achtzehn Farbtöne, alle in strenger Mengengleichheit organisiert: Malerei als offenes, bewegliches System, das Raum und Betrachter einbezieht.

Auch die späten Arbeiten wie Waagrechte Dominante mit violettem Quadrat oder Werke aus der Serie Neun Quadrate zeigen eine Verdichtung seines modularen Prinzips. 1988 wurden sie in den USA präsentiert – zunächst in Marfa in der von Donald Judd gegründeten Chinati Foundation, später in New York.

Gemeinsam mit Max Bill, Camille Graeser und Verena Loewensberg gehörte Lohse zum Kern der Zürcher Konkreten. Internationale Ausstellungen – von Amsterdam über São Paulo bis Venedig und Kassel – machten ihn zu einer prägenden Figur der Nachkriegsavantgarde.

Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich
Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: HausKonstruktiv / Museum Haus Konstruktiv

Kuratiert von Sabine Schaschl und Evelyne Bucher, macht die Ausstellung deutlich, wie visionär Lohses Denken war. Seine in den 1940er- und 1950er-Jahren entwickelten Konzepte antizipieren Entwicklungen, die später kunsthistorische Bedeutung erlangten – von der Farbfeldmalerei bis zur computergenerierten Kunst.

Die Ausstellung ist vom 5. Februar bis 10. Mai 2026 zu sehen. Begleitend erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag (d/e/i).

Mit grosszügiger Unterstützung der Merzbacher Kunststiftung sowie weiterer Förderung durch die Elisabeth Weber-Stiftung und die Albert Huber-Stiftung entsteht eine Präsentation, die Richard Paul Lohse nicht historisiert, sondern als hochaktuelle Stimme hörbar macht – als Künstler, der Ordnung nicht als Stil, sondern als Haltung verstand.

Tags: Richard Paul Lohse, Konstruktivismus, Konstruktivismus (Kunst), Konkrete Kunst, Konkreten Kunst, Serielle Kunst, Geometrie, Abstraktion, Farbsysteme, Moderne Kunst, Sabine Schaschl, Evelyne Bucher

Di / Do–So 11–17 UhrMi 11–20 Uhr

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