Tanz und Fotografie begegnen einander in einem Moment, in dem Bewegung erstmals dauerhaft sichtbar wird.
Der Tanz gehört zu den flüchtigsten Kunstformen überhaupt. Ein Sprung, eine Drehung, eine Geste – und der Moment ist bereits vergangen. Als die Fotografie im 19. Jahrhundert begann, sich dieser Kunst zu nähern, stieß sie auf eine technische Grenze: Die Kameras der 1860er-Jahre benötigten lange Belichtungszeiten – zu lang für die Geschwindigkeit des Tanzes.
Tanz erschien deshalb in den frühen Fotografien meist nicht als Bewegung, sondern als Pose. Tänzerinnen und Tänzer mussten für die Aufnahme stillstehen, sodass sorgfältig arrangierte Atelierbilder entstanden, in denen der Tanz eher angedeutet als tatsächlich festgehalten wurde.
Viele Fotografien dieser Zeit tragen nicht nur den Namen einer Person, sondern den eines Ateliers. Studios wie Atelier d’Ora, Atelier Robertson oder das Atelier von Anton Josef Trčka waren bekannte fotografische Adressen, in denen mehrere Mitarbeiter arbeiteten. Der Ateliername fungierte dabei gewissermaßen als Marke und stand für die künstlerische Qualität der Aufnahmen.