Die Bildsprache verbindet eine strenge zeichnerische Linie mit eruptiven Farbausbrüchen. Einige Leinwände werden von dichten, pastosen Pinselzügen durchzogen, die wie spontane Interventionen wirken. Baselitz selbst spricht dabei von „small quotations, which I like to call ‘de Kooning’ and ‘de Kooning-in-the-wrong-place’: an arbitrary, sudden action with a brush and palette knife in de Kooning colours somewhere in or next to the figure.“
Der goldene Hintergrund besitzt in Venedig eine besondere kunsthistorische Resonanz. Er erinnert an die Bildtradition byzantinischer Ikonen ebenso wie an die goldenen Tafeln der frühen Renaissance. In Baselitz’ Malerei wird diese historische Aura jedoch gebrochen: Die Figuren erscheinen verletzlich, teilweise fragmentiert, und stehen im starken Kontrast zur majestätischen Oberfläche des Goldes. Licht und Schatten beginnen auf der metallischen Fläche zu flimmern und verleihen den Bildern eine beinahe sakrale Präsenz.
Der Titel der Ausstellung, „Eroi d’Oro“ – Helden aus Gold –, verweist zugleich auf eine frühe Werkphase des Künstlers. Bereits in den 1960er Jahren entwickelte Baselitz seine sogenannten „Heldenbilder“, Figuren, die weder klassische Helden noch realistische Porträts waren, sondern visionäre Gestalten zwischen Mythos und Geschichte. „Back in the 1960s, in 1965, I painted what became known as the Hero paintings. Those were fictional characters, not realistic, not based on models, but fantasy figures based on heroic characters from Russian civil war novels.“
In den neuen Arbeiten wird diese Idee erneut aufgegriffen, jedoch in einer reduzierten, fast meditativen Form. Viele Figuren erscheinen isoliert, teilweise als Selbstporträts oder als Darstellungen seiner lebenslangen Begleiterin Elke. Die Linien erinnern an Zeichnungen, während das Gold die Bilder in eine überzeitliche Atmosphäre taucht.
Die Ausstellung besitzt auch eine autobiografische Dimension. Baselitz reflektiert darin offen über die lange Geschichte seiner Malerei: „I have a long biography to look back on. What I mean is that I have painted an incredibly large number of pictures over the course of more than 60 years. Now that I’m more or less at the end of my painting activity, I thought I should draw some kind of conclusion. In other words, a summation of the paintings I’ve done over the years.“
So wird „Eroi d’Oro“ weniger zu einer einzelnen Ausstellung als zu einem kondensierten Rückblick auf ein Lebenswerk. Die monumentalen Leinwände, einige bis zu viereinhalb Meter hoch, verwandeln die Malerei in eine räumliche Erfahrung: Gold wird nicht mehr nur Hintergrund, sondern eine visuelle Atmosphäre, die den Betrachter umgibt.
Gerade im Umfeld der Venice Biennale wirkt diese Präsentation wie ein bewusst gesetzter Kontrapunkt. Während die Biennale häufig auf kuratorische Konzepte und globale Diskurse setzt, stellt Baselitz die elementare Kraft der Malerei in den Mittelpunkt – Körper, Linie, Farbe und Material als unerschöpfliches Feld künstlerischer Erfahrung.