Die Präsentation beginnt mit einer Gruppe von Porträts, die Lee Miller selbst zeigen – aufgenommen von einigen der bedeutendsten Fotografen und Filmemacher der 1920er und 1930er Jahre. In New York wurde sie Ende der 1920er Jahre zunächst als Model bekannt und gehörte bald zu den gefragtesten Gesichtern der Modefotografie. Sie verkörperte den Typus der modernen, unabhängigen Frau jener Zeit.
Ein entscheidender Abschnitt der Ausstellung widmet sich Millers Aufenthalt in Paris zwischen 1929 und 1932. In dieser Phase begegnete sie dem Surrealisten Man Ray, der ihr Mentor und künstlerischer Partner wurde. Gemeinsam experimentierten sie mit den Möglichkeiten der Fotografie und entwickelten die Technik der Solarisation weiter, die durch eine kurze erneute Belichtung während der Entwicklung einen charakteristischen Effekt erzeugt.
Doch Lee Miller blieb nicht auf die Rolle der Muse beschränkt. Sie entwickelte eine eigenständige fotografische Handschrift, in der surrealistische Bildideen mit einer präzisen Beobachtung der Wirklichkeit verschmelzen. Diese Spannung zwischen Inszenierung und Realität wird zu einem zentralen Thema der Ausstellung.
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Jahren des Krieges. Als akkreditierte Korrespondentin der US-Armee fotografierte Miller die Befreiung Europas, dokumentierte zerstörte Städte und gehörte zu den ersten Fotografinnen, die die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau fotografierten. Ihre Bilder verbinden journalistische Unmittelbarkeit mit einer eindringlichen visuellen Sprache und gehören zu den wichtigsten fotografischen Zeugnissen jener Zeit.
Der Rundgang durch die Ausstellung folgt dieser außergewöhnlichen Biografie von New York über Paris bis nach London und Ägypten. Dabei zeigt sich die erstaunliche Vielfalt eines Werkes, das Modefotografie, surrealistische Experimente, Porträts, Reportage und politische Bilddokumente umfasst.
Fast zwei Jahrzehnte nach der letzten großen französischen Retrospektive eröffnet das Musée d’Art Moderne de Paris nun einen neuen Blick auf eine Fotografin, deren Werk lange im Schatten ihrer Legende stand. Die Ausstellung macht deutlich, dass Lee Miller weit mehr war als eine Ikone des Surrealismus – sie war eine der großen Bildchronistinnen des 20. Jahrhunderts.
In Paris wird diese Ausstellung zu einer eindrucksvollen Reise durch das Leben einer Künstlerin, die Mode, Avantgarde und Geschichte mit derselben Intensität fotografierte – und deren Bilder bis heute eine außergewöhnliche Kraft besitzen.