Eleanor Antin, „The Death of Petronius“, aus der Serie „The Last Days of Pompeii“, 2001, inszenierte fotografische Arbeit. © Eleanor Antin. Mit freundlicher Genehmigung: Kunstmuseum Liechtenstein.
Eleanor Antin, „The Death of Petronius“, aus der Serie „The Last Days of Pompeii“, 2001, inszenierte fotografische Arbeit. © Eleanor Antin. Mit freundlicher Genehmigung: Kunstmuseum Liechtenstein. – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumLI / Kunstmuseum Liechtenstein

Wann: 27.03.2026 - 27.09.2026

Eleanor Antin steht im Zentrum einer außergewöhnlichen Retrospektive im Kunstmuseum Liechtenstein, die vom 27. März bis 27. September 2026 einen eindrucksvollen Blick auf mehr als fünf Jahrzehnte künstlerischen Schaffens wirft. Die Ausstellung widmet sich einer der prägendsten Stimmen der Konzeptkunst, deren Werk mit Witz, Intelligenz und erzählerischer Raffinesse Fragen nach Identität, Macht und Darstellung verhandelt.

„I always tend to see the funny side of things. That’s the richest experience, when it’s the laughter and it’s the tears together.“ – Eleanor Antin

Die Eleanor Antin Retrospektive im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz zählt zu den wichtigsten Ausstellungen zur Konzeptkunst im Jahr 2026.

Eleanor Antin, The Two Eleanors, 1973 – Schwarzweißfotografie der Konzeptkünstlerin vor einem Spiegel, Selbstinszenierung und Identitätsstudie der 1970er-Jahre, © Eleanor Antin.
Eleanor Antin, The Two Eleanors, 1973 – Schwarzweißfotografie der Konzeptkünstlerin vor einem Spiegel, Selbstinszenierung und Identitätsstudie der 1970er-Jahre, © Eleanor Antin. – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumLI / Kunstmuseum Liechtenstein
Seit über fünfzig Jahren zählt Eleanor Antin (geb. 1935 in New York, USA) zu den markantesten Persönlichkeiten der internationalen Gegenwartskunst. Früh entwickelte sie eine künstlerische Praxis, die Fotografie, Film, Text, Performance, Skulptur und Installation miteinander verbindet. Mit großer erzählerischer Freiheit erschafft sie fiktive Figuren und alternative Rollenbilder, die gesellschaftliche Erwartungen ebenso wie historische Narrative hinterfragen.

Zu den ikonischen Arbeiten ihres frühen Werks gehört die legendäre Aktion und Postkartenserie „100 Boots“ (1971–1973). In dieser inszenierten Reise schickt Antin hundert schwarze Gummistiefel von Kalifornien nach New York und verwandelt ein scheinbar absurdes Motiv in eine poetische und zugleich ironische Erzählung über Bewegung, Zeit und Geschichte.

Ebenso berühmt wurde die fotografische Serie „Carving: A Traditional Sculpture“ (1972), in der sie über einen Zeitraum von 36 Tagen ihren eigenen Körper dokumentiert und dabei den Begriff der Skulptur radikal neu denkt. Der Körper wird zur plastischen Form, zum Ort der Selbstbestimmung und zur Bühne einer präzisen künstlerischen Analyse.

Im Zentrum von Antins Werk steht die performative Selbstinszenierung. Seit den späten 1960er-Jahren erschafft sie Figuren wie den König, die Ballerina oder die Krankenschwester – Rollen, die historische Referenzen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und persönliche Identität miteinander verweben. Antin nutzt Fiktion und Inszenierung bewusst als künstlerisches Werkzeug, um kulturelle Zuschreibungen sichtbar zu machen. Geschichte erscheint dabei nicht als festes Narrativ, sondern als bewegliches Geflecht von Perspektiven, das aus der Gegenwart immer wieder neu gelesen werden kann.

Schwarz-Weiss-Fotografie aus Eleanor Antins Serie „100 Boots“ (1971–1973): Dutzende schwarze Gummistiefel stehen in geordneten Reihen auf einem Gehweg vor einem Gebäude.
Schwarz-Weiss-Fotografie aus Eleanor Antins Serie „100 Boots“ (1971–1973): zahlreiche schwarze Gummistiefel stehen in geordneten Reihen auf einem Gehweg vor einem Gebäude und erzeugen die Illusion einer unsichtbaren Menschenmenge. © Eleanor Antin – SAMMLUNG VERBUND, Wien
Schwarz-Weiss-Fotografie aus Eleanor Antins Serie „100 Boots“ (1971–1973): Dutzende schwarze Gummistiefel stehen in geordneten Reihen auf einem Gehweg vor einem Gebäude. • Schwarz-Weiss-Fotografie aus Eleanor Antins Serie „100 Boots“ (1971–1973): zahlreiche schwarze Gummistiefel stehen in geordneten Reihen auf einem Gehweg vor einem Gebäude und erzeugen die Illusion einer unsichtbaren Menschenmenge. © Eleanor Antin – SAMMLUNG VERBUND, Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumLI / Kunstmuseum Liechtenstein

Die Retrospektive im Kunstmuseum Liechtenstein ist die erste umfassende Präsentation von Antins Werk in Europa. Kuratiert von Christiane Meyer-Stoll gemeinsam mit Henrik Utermöhle, zeigt die Ausstellung die Vielschichtigkeit ihres Œuvres und verdeutlicht zugleich die anhaltende Aktualität ihrer Arbeiten. Initiiert wurde das Projekt vom Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, wo die Ausstellung bereits bis Februar 2026 zu sehen war. Nach der Station in Vaduz wird sie im MOCAK – Museum für Gegenwartskunst in Krakau weitergeführt.

Begleitet wird die Ausstellung von der Publikation „Eleanor Antin. Works 1965–2017“, herausgegeben von Vanessa Joan Müller und Bettina Steinbrügge im Hatje Cantz Verlag. Die umfangreiche Monografie versammelt Beiträge internationaler Autoren und gilt als bislang umfassendste Veröffentlichung über das Werk der Künstlerin.

Zur Finissage am 27. September 2026 realisiert der Künstler Saâdane Afif eine eigens entwickelte Performance, die Antins vielschichtige Auseinandersetzung mit Rollenbildern und Erzählformen noch einmal in eine neue künstlerische Perspektive rückt. Mit dieser Retrospektive wird sichtbar, wie nachhaltig Eleanor Antin die Entwicklung der Konzeptkunst geprägt hat – und wie lebendig ihre Arbeiten auch im 21. Jahrhundert geblieben sind.

Das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz gehört zu den wichtigsten Museen für Gegenwartskunst im Alpenraum.

Tags: Eleanor Antin, Konzeptkunst, Performance Kunst, Medienkunst, Gegenwartskunst, Saâdane Afif

Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr

Donnerstag 10–20 Uhr

Montag geschlossen

Jeden Mittwoch freier Eintritt