Die Wiener Malerin Franziska Maderthaner eröffnet mit der Ausstellung „Du hast den Farbfilm vergessen!“ in der kleinen galerie der Wiener Volkshochschulen eine eindringliche Reflexion über die Kraft des Schwarz-Weiß – eine Malerei, die ohne Farbe auskommt und gerade dadurch eine überraschende Intensität entfaltet.
Der Titel der Ausstellung ist bewusst gewählt. „Du hast den Farbfilm vergessen!“ erinnert zunächst an den bekannten Song von Nina Hagen, doch in der kleinen galerie wird der Satz zu einer programmatischen Geste: Was bleibt von einem Bild, wenn Farbe verschwindet? Welche Formen, welche Strukturen und welche Spannungen treten hervor, wenn sich die Malerei auf Schwarz, Weiß und ihre unzähligen Zwischenstufen reduziert?
Kuratiert von Franziska Maderthaner, versammelt die Ausstellung ausgewählte Positionen zeitgenössischer Malerei, die sich mit dieser radikalen Reduktion auseinandersetzen. Die gezeigten Arbeiten von Karen Hollander, Barbara Holler, Alexandra Kontriner, Franziska Maderthaner, Ramona Schnekenburger und Christoff Wiesinger entfalten dabei sehr unterschiedliche Bildsprachen. Gemeinsam ist ihnen jedoch der bewusste Verzicht auf Farbe und die Konzentration auf Kontrast, Struktur und gestische Bewegung.
Gerade in der Malerei zeigt sich, dass Schwarz-Weiß keine Einschränkung bedeutet, sondern eine Öffnung des Blicks. Linien, Flächen und Materialität treten mit einer Klarheit hervor, die im Farbraum oft übersehen wird. Schraffuren, Spachtelspuren und malerische Verdichtungen erzeugen Spannungsfelder, in denen sich abstrakte Form und figurative Andeutung begegnen.
Besonders eindrucksvoll wird dieser Ansatz in den Arbeiten von Franziska Maderthaner, deren großformatige Bilder florale Motive, gestische Bewegung und malerische Verdichtung miteinander verbinden. Serien wie „Tulipmania“ zeigen, wie sich organische Formen aus breiten Pinselzügen und fließenden Farbspuren entwickeln. Die Tulpe erscheint hier nicht als botanisches Motiv, sondern als dynamische Struktur zwischen Abstraktion und Bildzeichen. Gerade diese Bildsprache lässt erkennen, dass sich hier eine künstlerische Position entfaltet, deren Weiterentwicklung aufmerksam zu beobachten sein wird.
Die Ausstellung führt damit zugleich zu einer grundlegenden Frage der Wahrnehmung. Schwarz-Weiß ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern auch ein kulturelles Symbol. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft in vereinfachten Gegensätzen geführt werden, erinnert die Malerei daran, dass zwischen Schwarz und Weiß unzählige Nuancen existieren.
Mit dieser konzentrierten Präsentation zeigt die kleine galerie der Wiener Volkshochschulen eine Ausstellung, die den Blick schärft und zugleich daran erinnert, dass die Reduktion oft der stärkste Weg zur Bildkraft ist – und dass gerade im scheinbar Einfachen eine überraschende Tiefe entstehen kann.