Ursi Fürtler, Ohne Titel, 1978, Gouache auf Papier © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler, Ohne Titel, 1978, Gouache auf Papier © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Wann: 18.03.2026 - 14.06.2026

Ursi Fürtler entfaltet ein visuelles Feuerwerk aus Farbe, Rhythmus und Bewegung – ein Bild, das an exotische Vogelwelten, textile Muster und die vibrierende Energie der 1970er Jahre erinnert. Gelbe Sonnenformen, schuppenartige Felder in Rosa und Ocker sowie flügelartige Strukturen in Blau und Schwarz breiten sich über die Bildfläche aus, während Papageien wie aus einem ornamentalen Traum hervorbrechen. Zwischen abstrakter Komposition und dekorativem Muster entsteht eine Bildwelt von fast hypnotischer Kraft – ein Motiv, das unmittelbar erkennen lässt, warum Textil für Ursi Fürtler nie bloß Material, sondern eine eigenständige künstlerische Sprache ist.

Ursi Fürtler, Kleid und Rock oder Schal, um 2005, Kunstfaser, gecrasht, bedruckt © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler, Kleid und Rock oder Schal, um 2005, Kunstfaser, gecrasht, bedruckt © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien
*Unter dem Titel „Textil – Abstrakt“ widmet das MAK – Museum für angewandte Kunst Wien der österreichischen Textilkünstlerin Ursi Fürtler (1939) erstmals eine umfassende Ausstellung. Sie eröffnet am Geburtstag der Künstlerin und zeigt einen Querschnitt durch ihr Werk – von Textilentwürfen auf Papier aus den 1970er und 1980er Jahren über Paravents bis hin zu Textilien an der Schnittstelle von skulpturalem Objekt und tragbarem Kleidungsstück.

Zu Fürtlers bekanntesten Arbeiten zählen die seit den 1980er Jahren entstandenen tragbaren Textilobjekte aus synthetischen Fasern, Seide und Wolle. Komplexe Faltenarrangements verbinden bedruckte und unbedruckte Partien miteinander und erzeugen bewegte Oberflächen. Die Plissees erinnern an Mariano Fortuny oder Issey Miyake, während die Muster – besonders in Bewegung – an das schillernde Federkleid von Vögeln oder an reptilienartige Schuppenstrukturen denken lassen.

In diesen tragbaren Textilobjekten zeigt sich Fürtlers eigentliche künstlerische Idee: Stoff wird zur beweglichen Form, die sich erst im Zusammenspiel mit dem Körper vollständig entfaltet.

Ursi Fürtler in Zusammenarbeit mit Walli Jungwirth, ohne Titel (Hutobjekt), 2021, Kunstfaser © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler in Zusammenarbeit mit Walli Jungwirth, ohne Titel (Hutobjekt), 2021, Kunstfaser © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Ihre charakteristischen Ornamente entstehen im Schablonensiebdruck durch die Kombination mehrerer Schablonen. Punkte, Linien und Streifen formen abstrakte Kreise, Rechtecke oder Zacken, die sich zu rhythmischen Mustern verdichten. Einige der schlauchförmigen Objekte lassen sich als Puls- oder Schulterwärmer tragen, andere verwandeln sich in Röcke oder Kleider. Rechteckige Stücke mit symmetrischen Flügeln können wiederum als Schals oder Gürtel verwendet werden.

Neben diesen tragbaren Arbeiten umfasst Fürtlers Œuvre auch Paravents und Teppichentwürfe. Mit ihren geometrischen Mustern und kräftigen Farben verweisen sie auf die modernistische Textilkunst des Art déco und des Bauhauses. Ebenso prägend sind Einflüsse der Arts-and-Crafts-Bewegung und der Wiener Werkstätte.

Gleichzeitig zeigt sich in ihren Arbeiten eine intensive Auseinandersetzung mit außereuropäischen Traditionen. Fürtler beschäftigt sich mit japanischen Schablonentechniken wie Katazome und Katagami sowie mit traditionellen Symbolen, den sogenannten Familienzeichen „Mon“. Auch Muster aus den gewebten Kente-Stoffen der Akan- und Ewe-Völker Westafrikas fließen in ihren Formenkanon ein.

Ursi Fürtler, ohne Titel (Schal), um 2005, Seide, plissiert, beidseitig bedruckt © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler, ohne Titel (Schal), 2022, Kunstfaser, plissiert, beidseitig bedruckt © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler, Paravent, um 1980, bedruckter Stoff und Holz © MAK/Christian Mendez
Ursi Fürtler, ohne Titel (Schal), um 2005, Seide, plissiert, beidseitig bedruckt © MAK/Christian Mendez • Ursi Fürtler, ohne Titel (Schal), 2022, Kunstfaser, plissiert, beidseitig bedruckt © MAK/Christian Mendez • Ursi Fürtler, Paravent, um 1980, bedruckter Stoff und Holz © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Nach ihrer Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf und einem Studium der Druckgrafik an der Akademie für angewandte Kunst arbeitete Fürtler zunächst als Porzellandesignerin in Schweden. Seit den 1970er Jahren entwarf sie Textilmuster, die in Europa, den USA und Westafrika produziert wurden. Ab 1983 arbeitete sie in ihrer eigenen Werkstatt in Mödling, wo neben Heimtextilien auch Paravents und Kleidungsstücke entstanden.

Für ihr Werk erhielt Ursi Fürtler zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2003 den Bayerischen Staatspreis und 2016 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Die Ausstellung im MAK zeigt eindrucksvoll, wie eigenständig und zeitlos ihre textile Bildsprache zwischen Kunst, Design und internationaler Textilkultur geblieben ist.

Mit „Textil – Abstrakt“ würdigt das MAK Wien die österreichische Textilkünstlerin Ursi Fürtler und zeigt, wie ihre Arbeiten zwischen Bauhaus-Tradition, Design und tragbarer Kunst bis heute eine überraschende Aktualität besitzen.

Tags: Ursi Fürtler, Textilkunst, Textildesign, Bauhaus, Wiener Werkstätte, Paravent, Damenmode, Mode und Kunst

Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr