Die Ausstellung knüpft an die seit 2019 entwickelte „A&E“-Serie an, in der Fragen von Macht, Identität und historischer Aufladung verhandelt wurden. Nun verschiebt sich dieses Spannungsfeld in die Sphäre populärer Mythologie. Die vertraute Figur des Weihnachtsmanns wird zur Bühne einer radikalen Neuvermessung kultureller Narrative.
Zentraler Schauplatz ist ein detailgetreu rekonstruiertes Interieur aus McCarthys Kindheit in Salt Lake City, heute Teil seines Studios in Los Angeles. Dieser Raum fungiert als hermetische Bühne, in der Erinnerung, Inszenierung und psychische Projektion ineinander greifen. Über dreizehn Tage hinweg entstanden hier die performativen Sessions, aus denen Zeichnungen und filmische Arbeiten hervorgingen.
Die großformatigen Zeichnungen tragen die Spuren dieser intensiven Prozesse. Vertikal aufragend, beinahe totemhaft, erscheinen sie als hybride Figuren zwischen Idol und Fragment. Rot und Grün dominieren – Santa und Elf als Farbcodes, die sich zugleich symbolisch aufladen.
„Drawing is a form of analysis. I’m not controlling it, just allowing it to unfold. It’s not about clarity, it’s about each piece suggesting the next one in a continuum.“
Parallel entfaltet sich eine sechskanalige Video-Installation, die den Blick des Betrachters aktiviert. Perspektiven überlagern sich, Bedeutung entsteht im Moment der Wahrnehmung.
„the artist edits, the viewer edits.“
Was hier entsteht, ist ein Zustand permanenter Überlagerung – ein „liquid theatre“, ohne Skript, ohne festes Ende. Bewusste und unbewusste Bilder, Rollen und Erinnerungen fließen ineinander.
„SS EE Saint Santa Eva Elf“ legt die Bruchstellen jener kulturellen Erzählungen frei, die als harmlos gelten. Hinter der festlichen Oberfläche treten Ideologie, Konsum und kollektive Psychosen hervor. Mit schneidender Präzision zeigt McCarthy, wie tief diese Strukturen in die Gegenwart eingeschrieben sind.
Mit Paul McCarthy bei Hauser & Wirth in Paris wird sichtbar, wie radikal zeitgenössische Kunst die verborgenen Strukturen von Konsum, Macht und Mythos offenlegt – und warum diese Ausstellung zu den zentralen Positionen der Gegenwart zählt.