Paul McCarthy, SS EE, She He, D8 #4–8, 2025 – expressive Zeichnung mit überlagerten Figuren in Rot, Blau, Grün und Schwarz, rohe Linienführung und fragmentierte Körperformen aus performativen Sessions der SS EE Serie
Paul McCarthy, SS EE, She He, D8 #4–8, 2025 – expressive Zeichnung mit überlagerten Figuren in Rot, Blau, Grün und Schwarz, rohe Linienführung und fragmentierte Körperformen aus performativen Sessions der SS EE Serie – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Wann: 21.03.2026 - 31.05.2026

Ein düster schillerndes Spiel mit Mythen, Macht und Maskerade: Paul McCarthy entfaltet in der Ausstellung „SS EE Saint Santa Eva Elf“ bei Hauser & Wirth in Paris ein neues Kapitel seines kompromisslosen Werks. Vom 21. März bis 31. Mai 2026 wird Paris zum Schauplatz einer künstlerischen Versuchsanordnung, in der Zeichnung, Performance und Film zu einer präzisen Analyse unserer Gegenwart verschmelzen.

Seit über fünf Jahrzehnten verfolgt McCarthy eine Praxis jenseits ästhetischer Bequemlichkeit. Körperlich, politisch, grotesk – und durchzogen von subversivem Humor. In der neuen Serie kehrt er zu einer seiner aufgeladensten Figuren zurück: dem Weihnachtsmann. Was vertraut scheint, kippt ins Abgründige. Santa wird zur Projektionsfläche eines entfesselten Kapitalismus, eingeschrieben in die Rituale des Konsums.

Gemeinsam mit der deutschen Schauspielerin Lilith Stangenberg entwickelt McCarthy ein performatives Universum zwischen Theater, Filmset und psychologischem Experiment. Als Santa und Elf erscheinen zwei Figuren, deren vermeintliche Harmlosigkeit eine latente Bedrohung trägt. Der Elf bleibt dabei ein rätselhafter Gegenpart: fremd, autonom und zugleich unauflöslich verstrickt.

Paul McCarthy, SS EE, Kandinsky GODOG, D4 #1, 2025 – großformatige, vielschichtige Zeichnung mit expressiven Linien
Paul McCarthy, SS EE, Eva God Elf, D6 #1, 2025 – expressive, großformatige Zeichnung mit fragmentierten Figuren
Paul McCarthy, SS EE, Kandinsky GODOG, D4 #1, 2025 – großformatige, vielschichtige Zeichnung mit expressiven Linien • Paul McCarthy, SS EE, Eva God Elf, D6 #1, 2025 – expressive, großformatige Zeichnung mit fragmentierten Figuren – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Die Ausstellung knüpft an die seit 2019 entwickelte „A&E“-Serie an, in der Fragen von Macht, Identität und historischer Aufladung verhandelt wurden. Nun verschiebt sich dieses Spannungsfeld in die Sphäre populärer Mythologie. Die vertraute Figur des Weihnachtsmanns wird zur Bühne einer radikalen Neuvermessung kultureller Narrative.

Zentraler Schauplatz ist ein detailgetreu rekonstruiertes Interieur aus McCarthys Kindheit in Salt Lake City, heute Teil seines Studios in Los Angeles. Dieser Raum fungiert als hermetische Bühne, in der Erinnerung, Inszenierung und psychische Projektion ineinander greifen. Über dreizehn Tage hinweg entstanden hier die performativen Sessions, aus denen Zeichnungen und filmische Arbeiten hervorgingen.

Die großformatigen Zeichnungen tragen die Spuren dieser intensiven Prozesse. Vertikal aufragend, beinahe totemhaft, erscheinen sie als hybride Figuren zwischen Idol und Fragment. Rot und Grün dominieren – Santa und Elf als Farbcodes, die sich zugleich symbolisch aufladen.

„Drawing is a form of analysis. I’m not controlling it, just allowing it to unfold. It’s not about clarity, it’s about each piece suggesting the next one in a continuum.“

Parallel entfaltet sich eine sechskanalige Video-Installation, die den Blick des Betrachters aktiviert. Perspektiven überlagern sich, Bedeutung entsteht im Moment der Wahrnehmung.

„the artist edits, the viewer edits.“

Was hier entsteht, ist ein Zustand permanenter Überlagerung – ein „liquid theatre“, ohne Skript, ohne festes Ende. Bewusste und unbewusste Bilder, Rollen und Erinnerungen fließen ineinander.

„SS EE Saint Santa Eva Elf“ legt die Bruchstellen jener kulturellen Erzählungen frei, die als harmlos gelten. Hinter der festlichen Oberfläche treten Ideologie, Konsum und kollektive Psychosen hervor. Mit schneidender Präzision zeigt McCarthy, wie tief diese Strukturen in die Gegenwart eingeschrieben sind.

Mit Paul McCarthy bei Hauser & Wirth in Paris wird sichtbar, wie radikal zeitgenössische Kunst die verborgenen Strukturen von Konsum, Macht und Mythos offenlegt – und warum diese Ausstellung zu den zentralen Positionen der Gegenwart zählt.

Tags: Gegenwartskunst, Zeichnung, Zeitgenössische Kunst, Performance Kunst, Politische Kunst, Lilith Stangenberg, Videokunst, Mixed Media, Ausstellung Paris, Paul McCarthy

Die Galerie Hauser & Wirth in Paris ist in der Regel von Dienstag bis Samstag jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Montag und Sonntag bleibt die Galerie geschlossen.