Was hier sichtbar wird, ist ein Werk, das das Porträt als offenes Feld versteht. Opie interessiert sich nicht nur für die Darstellung des Gegenübers, sondern für die Bedingungen dieser Darstellung selbst. Nähe und Distanz, Inszenierung und Dokument, Intimität und Öffentlichkeit verschieben sich in ihren Bildern zu einem fein austarierten Gleichgewicht. Es entstehen Porträts von queeren Gemeinschaften, von Freunden, Jugendlichen, Sportlern oder politischen Versammlungen – Bilder, die sich nicht aufdrängen, sondern bleiben.
„Opies Werk hinterfragt Vorstellungen von Zuhause, Intimität und Familie, von Politik, Identität und Machtstrukturen.“
Über drei Jahrzehnte hinweg hat Opie das fotografische Porträt immer wieder neu definiert. Ihre Arbeiten verbinden eine fast klassische Strenge mit einer radikal zeitgenössischen Perspektive. Serien aus unterschiedlichen Schaffensphasen treten in Dialog und verdichten sich zu einem vielschichtigen Bild davon, wie Sichtbarkeit entsteht – und wie sie verweigert wird.
„In den vergangenen 30 Jahren hat Opie das Porträt in zahlreichen Kontexten und visuellen Formaten untersucht und positioniert. Konzeptuell streng und formal präzise ausgeführt, machen ihre Fotografien queere Gemeinschaften, Mentoren und Weggefährten, Kinder, Surfer, Highschool-Footballspieler, politische Menschenmengen sowie Opie selbst in Selbstporträts sichtbar.“
Besonders eindrücklich ist der Aufbau der Ausstellung selbst: Die Porträts stehen nicht isoliert, sondern treten in Beziehung, widersprechen einander, ergänzen sich und eröffnen neue narrative Räume. Von frühen Arbeiten wie „Being and Having“ bis hin zu kunsthistorisch aufgeladenen Serien entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart.