Angela (boots), 1992 (c) Catherine Opie – Schwarzweißporträt einer sitzenden Figur in Stiefeln
Angela (boots), 1992 (c) Catherine Opie – Schwarzweißporträt einer sitzenden Figur in Stiefeln – Mit freundlicher Genehmigung von: npg.org.uk / National Portrait Gallery London

Wann: 05.03.2026 - 31.05.2026

Catherine Opie entfaltet in London einen präzisen, fast schon sezierenden Blick auf Identität, Gemeinschaft und Macht – und macht die National Portrait Gallery zum Resonanzraum einer Gesellschaft im Spiegel ihrer Bilder.

Mit „Catherine Opie: To Be Seen“ widmet das Haus der amerikanischen Fotografin Catherine Opie eine Ausstellung, die weniger Rückblick als vielmehr präzise gesetzte Bestandsaufnahme ist. Gezeigt werden fotografische Porträts aus mehreren Jahrzehnten, die sich nicht mit Oberfläche zufriedengeben, sondern tief in Fragen von Identität, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Ordnung eindringen.

„Catherine Opie: To Be Seen zeigt fotografische Porträts der amerikanischen Künstlerin Catherine Opie. Die Ausstellung, in Zusammenarbeit mit der Künstlerin kuratiert, ist die erste große Museumsausstellung ihres Werks im Vereinigten Königreich.“

Pig Pen, 1993 (c) Catherine Opie – Porträt einer tätowierten Person auf Hocker vor rotem Hintergrund
Abdul, 2008 (c) Catherine Opie – Porträt eines Footballspielers im roten Trikot im Freien
Pig Pen, 1993 (c) Catherine Opie – Porträt einer tätowierten Person auf Hocker vor rotem Hintergrund • Abdul, 2008 (c) Catherine Opie – Porträt eines Footballspielers im roten Trikot im Freien – Mit freundlicher Genehmigung von: npg.org.uk / National Portrait Gallery London

Was hier sichtbar wird, ist ein Werk, das das Porträt als offenes Feld versteht. Opie interessiert sich nicht nur für die Darstellung des Gegenübers, sondern für die Bedingungen dieser Darstellung selbst. Nähe und Distanz, Inszenierung und Dokument, Intimität und Öffentlichkeit verschieben sich in ihren Bildern zu einem fein austarierten Gleichgewicht. Es entstehen Porträts von queeren Gemeinschaften, von Freunden, Jugendlichen, Sportlern oder politischen Versammlungen – Bilder, die sich nicht aufdrängen, sondern bleiben.

„Opies Werk hinterfragt Vorstellungen von Zuhause, Intimität und Familie, von Politik, Identität und Machtstrukturen.“

Über drei Jahrzehnte hinweg hat Opie das fotografische Porträt immer wieder neu definiert. Ihre Arbeiten verbinden eine fast klassische Strenge mit einer radikal zeitgenössischen Perspektive. Serien aus unterschiedlichen Schaffensphasen treten in Dialog und verdichten sich zu einem vielschichtigen Bild davon, wie Sichtbarkeit entsteht – und wie sie verweigert wird.

„In den vergangenen 30 Jahren hat Opie das Porträt in zahlreichen Kontexten und visuellen Formaten untersucht und positioniert. Konzeptuell streng und formal präzise ausgeführt, machen ihre Fotografien queere Gemeinschaften, Mentoren und Weggefährten, Kinder, Surfer, Highschool-Footballspieler, politische Menschenmengen sowie Opie selbst in Selbstporträts sichtbar.“

Besonders eindrücklich ist der Aufbau der Ausstellung selbst: Die Porträts stehen nicht isoliert, sondern treten in Beziehung, widersprechen einander, ergänzen sich und eröffnen neue narrative Räume. Von frühen Arbeiten wie „Being and Having“ bis hin zu kunsthistorisch aufgeladenen Serien entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart.

Flipper, Tanya, Chloe & Harriet, San Francisco, 1995 (c) Catherine Opie – Gruppenporträt in einem Innenraum am Tisch
Flipper, Tanya, Chloe & Harriet, San Francisco, 1995 (c) Catherine Opie – Gruppenporträt in einem Innenraum am Tisch – Mit freundlicher Genehmigung von: npg.org.uk / National Portrait Gallery London

„Die in der Ausstellung gezeigten Werke reichen von ihrem ersten bedeutenden Werk Being and Having (1991) über Porträts von LGBTQ+-Freunden, inspiriert vom Hofmaler Hans Holbein, bis hin zu barock anmutenden Künstlerporträts. Die Porträts treten miteinander in Dialog, schaffen neue Erzählungen und fordern die Betrachter dazu auf, über jene Figuren nachzudenken, die in der Kunst am häufigsten dargestellt werden – und über jene, die unsichtbar bleiben.“

Gleichzeitig greift die Ausstellung in die Sammlung der National Portrait Gallery ein und verschiebt deren Perspektiven. Opies Arbeiten werden bewusst in bestehende Kontexte eingebettet und erweitern den Blick auf Repräsentation als historisches wie aktuelles Thema.

„Ergänzend zur Ausstellung setzt eine Reihe von Interventionen Opies Fotografien in Dialog mit der permanenten Sammlung und untersucht die Frage der Repräsentation im Kontext der National Portrait Gallery weiter.“

So entsteht eine Ausstellung, die sich jeder schnellen Einordnung entzieht. „To Be Seen“ ist kein lauter Auftritt, sondern eine präzise, fast leise gesetzte Reflexion darüber, wie Bilder Identität formen – und wie sie zugleich Räume öffnen, in denen neue Sichtbarkeiten möglich werden.

Eine Ausstellung, die zeigt, wie kraftvoll das Porträt im 21. Jahrhundert sein kann – und warum Catherine Opie zu den präzisesten Chronistinnen unserer Zeit zählt, eindrucksvoll inszeniert in der National Portrait Gallery.

Tags: Catherine Opie, Ausstellung London, Fotografie, Porträtfotografie, zeitgenössische Fotografie, Queere Kunst, Gesellschaft und Kunst, Kunst London, Gegenwartskunst

Geöffnet täglich von 10.30 bis 18.00 Uhr, freitags und samstags verlängerte Öffnungszeiten bis 21.00 Uhr.