Peter Doig, 2 Girls, 2017 – Interieur mit zwei weiblichen Figuren, grünen Fensterflächen und zentralem dunklen Bildraum, zeitgenössische Malerei
Peter Doig, 2 Girls, 2017 – Interieur mit zwei weiblichen Figuren, grünen Fensterflächen und zentralem dunklen Bildraum, zeitgenössische Malerei – Mit freundlicher Genehmigung von: fondationlecorbusier.fr / Fondation Le Corbusier

Wann: 10.04.2026 - 30.04.2026

Peter Doig zeigt in Paris eine Ausstellung, die Malerei als stillen, vielschichtigen Erfahrungsraum begreift und die Beziehung zwischen Bild, Erinnerung und Architektur neu verhandelt.

In der Maison La Roche, einem Schlüsselbau von Le Corbusier, entfaltet Peter Doig eine konzentrierte Präsentation, die sich sensibel in die klare, moderne Struktur des Hauses einschreibt. Die Ausstellung bringt Malerei und Architektur in ein Spannungsverhältnis, das nicht auf Kontrast allein setzt, sondern auf eine leise, kontinuierliche Verschiebung der Wahrnehmung.

Peter Doig, Briey Concrete Cabin, 1994–1996 – modernistische Wohnarchitektur hinter dichtem Wald, Le Corbusier Unité d’Habitation Briey, zeitgenössische Malerei
Peter Doig, Briey Concrete Cabin, 1994–1996 – modernistische Wohnarchitektur hinter dichtem Wald, Le Corbusier Unité d’Habitation Briey, zeitgenössische Malerei – Mit freundlicher Genehmigung von: fondationlecorbusier.fr / Fondation Le Corbusier
Geboren 1959 in Edinburgh, zählt Peter Doig zu den prägenden Malern der Gegenwart. Seine Arbeiten entstehen aus einem Geflecht von Erinnerungen, Fotografien und filmischen Fragmenten. Dabei entwickelt er Bildräume, in denen sich Realität und Imagination überlagern, ohne sich eindeutig aufzulösen. Landschaften, Interieurs und Figuren erscheinen als visuelle Zustände, nicht als erzählerische Motive.

In der Pariser Ausstellung treten insbesondere Innenräume hervor, in denen Figuren wie aus dem Bild herausgelöst wirken. Die Körper bleiben schemenhaft, fast entrückt, während Farbflächen den Raum strukturieren. Intensives Grün, gebrochene Weißtöne und dunkle, nahezu undurchdringliche Flächen erzeugen eine Atmosphäre, die zwischen Klarheit und Unbestimmtheit oszilliert. Der Blick wird geführt und zugleich irritiert.

Die architektonische Umgebung der Maison La Roche verstärkt diese Wirkung. Die rationalen Linien und offenen Raumfolgen der Moderne treffen auf eine Malerei, die sich der eindeutigen Lesbarkeit entzieht. Doigs Bilder wirken in diesem Kontext wie ein leiser Widerstand gegen funktionale Klarheit – sie öffnen Räume für Erinnerung, Projektion und subjektive Wahrnehmung.

Seit den 1990er-Jahren hat sich Peter Doig international etabliert. Seine Werke sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter die Tate in London, das Museum of Modern Art in New York und das Centre Pompidou in Paris. Die Ausstellung in der Maison La Roche knüpft an diese Entwicklung an und zeigt eine Position, die Malerei konsequent als offenes, vieldeutiges Medium versteht.

Die Präsentation in Paris macht deutlich, wie stark Doigs Arbeiten von Orten geprägt sind – und wie sie zugleich neue Räume erzeugen. Zwischen Architektur und Bild entsteht eine stille Spannung, die weniger erklärt als erfahrbar wird. Diese Ausstellung ist damit nicht nur eine Begegnung mit Malerei, sondern auch eine Reflexion über das Sehen.

Die Ausstellung von Peter Doig in der Maison La Roche zeigt Malerei als offenen Raum zwischen Erinnerung, Architektur und Wahrnehmung. In der Begegnung mit dem Werk von Le Corbusier entfalten die Bilder eine stille Spannung, die den Blick verlangsamt und die Vielschichtigkeit zeitgenössischer Malerei erfahrbar macht. Paris wird hier nicht nur zum Ort der Ausstellung, sondern zum Resonanzraum einer Kunst, die sich jeder eindeutigen Lesart entzieht – und gerade darin ihre nachhaltige Wirkung entfaltet.

Tags: Peter Doig, Maison La Roche, Zeitgenössische Kunst, Malerie, Architektur

Die Maison La Roche ist von Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 17.30 Uhr. Jährliche Schließzeiten sind an Feiertagen sowie vom 27. Juli bis 18. August und vom 22. Dezember bis 5. Januar.