Cindy Sherman wird im Museum of Contemporary Art of Montenegro erstmals in der Region präsentiert und eröffnet mit „Untitled: Critical Act“ im Petrović Palace eine Ausstellung, die einen konzentrierten Einblick in ihr einflussreiches Werk bietet.
Die Schau versammelt zentrale Werkgruppen wie die „Untitled Film Stills“, die „Centerfolds“ und „Faces“ und zeichnet damit Shermans kontinuierliche Auseinandersetzung mit Identität, Darstellung und der kulturellen Konstruktion des Selbst nach. Dabei wird deutlich, wie konsequent die Künstlerin seit den 1970er-Jahren an der Dekonstruktion visueller Rollenbilder arbeitet.
Cindy Sherman tritt in ihren Fotografien zugleich als Autorin, Regisseurin und Protagonistin auf. Ihre Figuren sind keine Porträts im klassischen Sinne, sondern präzise inszenierte Bildkonstruktionen, die sich aus Versatzstücken von Film, Mode und medialen Stereotypen speisen. Die Ausstellung macht sichtbar, wie diese Rollenbilder gesellschaftliche Erwartungen spiegeln und zugleich infrage stellen.
In den „Untitled Film Stills“ erscheinen weibliche Figuren, die an Szenen aus dem Kino erinnern, ohne je Teil eines konkreten Films zu sein. Sie verweisen auf vertraute Bildwelten und bleiben dennoch bewusst offen in ihrer Erzählung. Die „Centerfolds“ verschieben den Blick nach innen und zeigen verletzliche, introvertierte Figuren, deren Haltung und Umgebung psychologische Zustände andeuten.
Die späteren Serien erweitern diesen Ansatz durch den Einsatz von Masken, Prothesen und digitalen Techniken. Shermans Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Faszination und Irritation und eröffnen einen Bildraum, in dem Fragen von Identität, Alter, Klasse und gesellschaftlicher Wahrnehmung verhandelt werden.
Die Ausstellung im Petrović Palace unterstreicht zugleich die internationale Bedeutung von Cindy Sherman und setzt einen wichtigen Akzent innerhalb des Programms des Museums für zeitgenössische Kunst in Montenegro. Sie schafft einen Zugang zu einem Werk, das die visuelle Kultur der Gegenwart nachhaltig geprägt hat und bis heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.