Ein Teil der gezeigten Werke war zuvor im Weltkulturen Museum zu sehen und wird nun in einem neuen Kontext präsentiert. Parallel dazu ist Sy in der Ausstellung „Tirailleurs – From Cannon Fodder to Avant-Garde“ im Haus der Kulturen der Welt vertreten, die sich mit kolonialen Kontinuitäten sowie deren kulturellen und politischen Nachwirkungen auseinandersetzt. In diesem Zusammenhang wird seine Arbeit als Teil aktueller dekolonialer Diskurse lesbar.
El Hadji Sy gilt als eine der prägenden Figuren der zeitgenössischen Kunst in Westafrika. Seit den 1970er-Jahren entwickelte er eine Praxis, die Malerei, Performance und institutionelle Kritik miteinander verbindet. Als Künstler, Kurator und Aktivist war er maßgeblich am Aufbau unabhängiger Kunststrukturen im Senegal beteiligt und positionierte sich bewusst gegen kulturpolitische Vorgaben der sogenannten École de Dakar.
Ein zentraler Moment seines künstlerischen Denkens liegt in der bewussten Abkehr von traditionellen Maltechniken. Über Jahre hinweg malte Sy mit den Füßen, eine radikale Geste, die sowohl als Erweiterung seines Ausdrucks als auch als Widerstand gegen etablierte Kunstbegriffe gelesen werden kann. Diese performative Dimension ist bis heute präsent und prägt die Beziehung zwischen Körper, Material und Bildträger.
Im Kern bleibt die Malerei, die Sy konsequent über ihre klassischen Grenzen hinausführt. Seit den 1980er-Jahren arbeitet er mit Jute-Reissäcken, industriellen Materialien und recycelten Trägern, die er mit Öl, Acryl, Teer oder Wachs bearbeitet. Die daraus entstehenden Arbeiten besitzen eine rohe, physische Qualität und verweisen zugleich auf globale Warenströme und ökonomische Zusammenhänge. Seine Bildsprache bewegt sich zwischen gestischer Abstraktion, fragmentierten Figuren und symbolischer Verdichtung.
Internationale Ausstellungen, darunter die Biennale von Venedig, die documenta 14 oder die Biennale von São Paulo, haben wesentlich zur Sichtbarkeit seines Werks beigetragen. Institutionen wie die Kestner Gesellschaft oder die Whitechapel Gallery haben seine Arbeiten früh gezeigt und in einen globalen kunsthistorischen Kontext eingebettet.
Die Ausstellung in der Galerie Barbara Thumm bündelt diese Entwicklungen zu einem konzentrierten Einblick in ein Werk, das sich konsequent gegen Vereinnahmung stellt und gerade in seiner materiellen und körperlichen Radikalität seine anhaltende Relevanz innerhalb der zeitgenössischen Kunst behauptet.