Francisco de Zurbarán, Saint Casilda, um 1635, barockes Heiligenporträt mit detailreicher Stoffdarstellung, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza Madrid
Francisco de Zurbarán, Saint Casilda, um 1635, barockes Heiligenporträt mit detailreicher Stoffdarstellung, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza Madrid – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Wann: 02.05.2026 - 23.08.2026

Es ist eine Begegnung, die lange ausgeblieben ist. Mit der Ausstellung zu Francisco de Zurbarán (1598–1664) widmet sich London erstmals umfassend einem der bedeutendsten Maler des spanischen 17. Jahrhunderts. In Sevilla tätig, in einer der wohlhabendsten Städte seiner Zeit, arbeitete Zurbarán für religiöse Orden, Kirchen und einflussreiche Auftraggeber – und blieb dennoch außerhalb Spaniens lange weniger präsent als Zeitgenossen wie Velázquez oder Murillo.

Die Ausstellung eröffnet die seltene Gelegenheit, Zurbaráns Werk in seiner ganzen Spannweite zu sehen. Gemälde aus internationalen Sammlungen versammeln sich in London und führen durch zentrale Phasen seines Schaffens.

Francisco de Zurbarán, Saint Casilda, um 1635, barockes Heiligenporträt, Museo Thyssen-Bornemisza Madrid
Francisco de Zurbarán, Saint Casilda, um 1635, barockes Heiligenporträt, Museo Thyssen-Bornemisza Madrid – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London
Von großformatigen Altarbildern bis zu stillen, konzentrierten Stillleben entfaltet sich ein Œuvre, das gleichermaßen von religiöser Intensität wie von präziser Beobachtung getragen ist. Porträts von Mönchen, Heiligen und Märtyrern stehen neben Darstellungen von Früchten, Stoffen und Gefäßen – Motive, die in ihrer Einfachheit eine überraschende Gegenwärtigkeit entwickeln.

Im Zentrum steht die besondere Atmosphäre seiner Bilder. Zurbarán arbeitet mit Licht nicht als dekorativem Effekt, sondern als strukturierendes Prinzip. In dunklen Räumen, oft nur von einer einzelnen Lichtquelle erhellt, entstehen Szenen von stiller Dramatik. Bereits frühe Werke wie „The Crucifixion“ (1627) zeigen diese Radikalität. In einer ursprünglich nahezu dunklen Kapelle präsentiert, wirkte das Gemälde so real, dass es von Zeitgenossen für eine Skulptur gehalten wurde. Die Reduktion auf das Wesentliche, das Fehlen erzählerischer Ablenkung, verstärkt die unmittelbare Wirkung.

Diese Klarheit prägt auch die Stillleben. Zitronen, Orangen, eine einzelne Blüte – scheinbar einfache Arrangements gewinnen durch ihre Präzision eine eigentümliche Präsenz. Zurbarán beobachtet genau, doch er ordnet ebenso bewusst. Die Dinge erscheinen nicht zufällig, sondern gesetzt, fast entrückt. Gerade darin liegt ihre Modernität: in der Ruhe, der Konzentration und der Reduktion auf Form, Licht und Oberfläche.

Francisco de Zurbarán, Still Life with Lemons, Oranges and a Rose, 1633, barockes Stillleben mit Früchten und Blüte, Norton Simon Foundation
Francisco de Zurbarán, Still Life with Lemons, Oranges and a Rose, 1633, barockes Stillleben mit Früchten und Blüte, Norton Simon Foundation – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Seine Aufmerksamkeit für Materialität gehört zu den auffälligsten Qualitäten seines Werks. Stoffe, Leder, Metall – alles scheint greifbar. In Gemälden wie „Saint Casilda“ entfalten Farben und Texturen eine sinnliche Wirkung, die über das rein Visuelle hinausgeht. Zurbaráns Herkunft aus einem Händlerhaushalt, in dem mit Stoffen und Materialien gehandelt wurde, spiegelt sich in dieser besonderen Sensibilität für Oberflächen und Strukturen.

Francisco de Zurbarán, The Crucifixion, 1627, barocke Kreuzigung Christi vor dunklem Hintergrund, Art Institute of Chicago
Francisco de Zurbarán, The Crucifixion, 1627, barocke Kreuzigung Christi vor dunklem Hintergrund, Art Institute of Chicago – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London
Gleichzeitig zeigt die Ausstellung die monumentale Dimension seines Schaffens. Altarbilder, entstanden für bedeutende religiöse Einrichtungen, verbinden visionäre Inhalte mit klar strukturierten Bildordnungen. Für die Präsentation in London werden erstmals seit langer Zeit Teile eines groß angelegten Altars wieder zusammengeführt, dessen ursprüngliche Konzeption auf eine Höhe von fünfzehn Metern angelegt war. In diesen Arbeiten wird sichtbar, wie Zurbarán religiöse Vorstellungen in präzise, zugleich eindringliche Bildräume überführt.

Was diese Ausstellung besonders macht, ist nicht allein die Qualität der Werke, sondern ihre Konstellation. Sie ermöglicht einen Blick auf einen Künstler, der zwischen Sichtbarkeit und Zurückhaltung arbeitet, zwischen Präsenz und Stille. Zurbaráns Malerei entfaltet ihre Wirkung nicht im Spektakel, sondern in der Konzentration. Gerade darin liegt ihre nachhaltige Kraft.

Die Ausstellung in London lädt dazu ein, einen Künstler neu zu entdecken, dessen Bilder sich nicht aufdrängen – und gerade deshalb bestehen. Zwischen Licht und Dunkel entsteht eine Bildwelt, die weniger erzählt als verdichtet – und ihre Wirkung gerade aus dieser Zurücknahme gewinnt.

Die Zurbarán Ausstellung in der National Gallery London (2. Mai bis 23. August 2026) zählt damit zu den zentralen Präsentationen spanischer Barockmalerei und bietet einen seltenen, konzentrierten Einblick in das Werk eines der bedeutendsten Künstler des 17. Jahrhunderts.

Tags: Barock, Francisco de Zurbarán, spanische Kunst, Barock Kunst Spanien, 17 jahrhundert, religiöser Kunst, Stillleben, Michelangelo da Caravaggio, Alte Meister, Kirchen kunst

Montag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 – 21:00 Uhr