Die Ausstellung widmet sich ebenso den extremen Ausprägungen der Liebe. Tragische Erzählungen wie „Tristan und Isolde“, musikalisch weitergeführt von Richard Wagner, oder die existenzielle Verzweiflung in Goethes „Werther“ zeigen die Nähe von Leidenschaft und Zerstörung. Auch Werke wie „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch oder „Lulu“ von Frank Wedekind verdeutlichen die Ambivalenz zwischen Hingabe und Abhängigkeit.
Im Spannungsfeld von Macht, Gesellschaft und Begehren erscheint die Figur des Don Juan als konstantes Motiv. Von Tirso de Molina über Mozarts „Don Giovanni“ bis hin zu zeitgenössischen Bearbeitungen bei Peter Handke und Robert Menasse wird das Thema der Verführung immer wieder neu interpretiert.
Neben literarischen und musikalischen Werken treten persönliche Zeugnisse in den Vordergrund. Briefe von Ludwig Wittgenstein, die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan sowie Arbeiten von Friederike Mayröcker und Ernst Jandl machen die intime Dimension des Themas greifbar.
Gleichzeitig überschreitet die Ausstellung die Grenzen romantischer Vorstellungen. Liebe erscheint auch als Fürsorge und gesellschaftliche Verantwortung, dokumentiert durch historische Zeugnisse wie einen Papyrus zur Brotverteilung oder ein Caritas-Plakat des 20. Jahrhunderts. Damit erweitert sich der Blick auf eine universelle Dimension, die in Religion, Politik und sozialem Handeln verankert ist.
Die Präsentation im Prunksaal verbindet diese Perspektiven mit einer sinnlichen Erfahrung. Hörstationen mit Musik von der Oper bis zum Lied sowie gelesene Gedichte eröffnen zusätzliche Zugänge. Besucher können darüber hinaus eigene Liebesbotschaften hinterlassen und damit Teil eines fortlaufenden Dialogs werden.