Ausstellungsplakat "Weltmacht der Liebe"
Ausstellungsplakat "Weltmacht der Liebe" – Mit freundlicher Genehmigung von: onbwien / Österreichischen Nationalbibliothek

Wann: 20.03.2026 - 01.11.2026

Die Österreichische Nationalbibliothek eröffnet im Prunksaal eine Ausstellung, die sich einem der ältesten und zugleich wandelbarsten Themen der Menschheitsgeschichte widmet. Unter dem Titel „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ entfaltet sich ab 20. März 2026 ein kulturhistorisches Panorama, das Literatur, Musik und bildliche Überlieferung miteinander verbindet und die Liebe als zentrale Triebkraft künstlerischen Schaffens sichtbar macht.

Die Ausstellung folgt keiner linearen Dramaturgie, sondern nähert sich dem Thema in vielschichtigen Perspektiven. Von antiken Schöpfungsmythen über die mittelalterliche Minne bis hin zu literarischen und musikalischen Positionen der Neuzeit entsteht ein dichtes Geflecht kultureller Zeugnisse. Namen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert oder Johann Wolfgang von Goethe stehen exemplarisch für eine Tradition, in der Liebe gleichermaßen als Inspiration und als Konfliktstoff erscheint.

Klavierauszug zu Wolfgang Amadeus Mozart „Le nozze di Figaro“, Hamburg 1809, historische Titelillustration
Klavierauszug zu Wolfgang Amadeus Mozart „Le nozze di Figaro“, Hamburg 1809, historische Titelillustration – Mit freundlicher Genehmigung von: onbwien / Österreichischen Nationalbibliothek

Der Auftakt führt in die Ursprünge abendländischer Vorstellungen. Illustrierte Handschriften wie die Lilienfelder Bibel zeigen die Erschaffung Evas aus Adams Rippe und verweisen auf den Satz: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.“ Parallel dazu wird der antike Mythos bei Platon thematisiert, dessen Vorstellung der ursprünglich kugelförmigen Menschen eine frühe Erklärung für unterschiedliche Liebesformen liefert. Diese Perspektiven treten in Dialog mit der modernen Deutung bei Sigmund Freud, der die psychologischen Dimensionen von Begehren und Bindung analysiert.

Ein weiterer Schwerpunkt gilt der unerreichbaren Liebe und ihren Projektionen. Der Mythos des Narziss, überliefert durch Ovid, wird zur Reflexion über Selbstbezug und Isolation. Im Mittelalter steigert sich dieses Motiv in der hohen Minne, während es in der Literatur von Dante Alighieri oder Miguel de Cervantes neue erzählerische Formen annimmt. Die geliebte Figur bleibt dabei oft fern, überhöht oder imaginär.

Friederike Mayröcker „an die Kandare genommen“, Wien, undatiert, Kugelschreiber und Filzstift auf Papier
Friederike Mayröcker „an die Kandare genommen“, Wien, undatiert, Kugelschreiber und Filzstift auf Papier – Mit freundlicher Genehmigung von: onbwien / Österreichischen Nationalbibliothek

Die Ausstellung widmet sich ebenso den extremen Ausprägungen der Liebe. Tragische Erzählungen wie „Tristan und Isolde“, musikalisch weitergeführt von Richard Wagner, oder die existenzielle Verzweiflung in Goethes „Werther“ zeigen die Nähe von Leidenschaft und Zerstörung. Auch Werke wie „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch oder „Lulu“ von Frank Wedekind verdeutlichen die Ambivalenz zwischen Hingabe und Abhängigkeit.

Im Spannungsfeld von Macht, Gesellschaft und Begehren erscheint die Figur des Don Juan als konstantes Motiv. Von Tirso de Molina über Mozarts „Don Giovanni“ bis hin zu zeitgenössischen Bearbeitungen bei Peter Handke und Robert Menasse wird das Thema der Verführung immer wieder neu interpretiert.

Neben literarischen und musikalischen Werken treten persönliche Zeugnisse in den Vordergrund. Briefe von Ludwig Wittgenstein, die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan sowie Arbeiten von Friederike Mayröcker und Ernst Jandl machen die intime Dimension des Themas greifbar.

Gleichzeitig überschreitet die Ausstellung die Grenzen romantischer Vorstellungen. Liebe erscheint auch als Fürsorge und gesellschaftliche Verantwortung, dokumentiert durch historische Zeugnisse wie einen Papyrus zur Brotverteilung oder ein Caritas-Plakat des 20. Jahrhunderts. Damit erweitert sich der Blick auf eine universelle Dimension, die in Religion, Politik und sozialem Handeln verankert ist.

Die Präsentation im Prunksaal verbindet diese Perspektiven mit einer sinnlichen Erfahrung. Hörstationen mit Musik von der Oper bis zum Lied sowie gelesene Gedichte eröffnen zusätzliche Zugänge. Besucher können darüber hinaus eigene Liebesbotschaften hinterlassen und damit Teil eines fortlaufenden Dialogs werden.

Der Fall Luzifers und die Erschaffung Evas im „Speculum humanae salvationis“, Utrecht um 1470, illuminierte Handschrift
Flugblatt zur Hochzeit von Maria Theresia und Franz Stephan, 1736, historische Darstellung höfischer Zeremonien
Der Fall Luzifers und die Erschaffung Evas im „Speculum humanae salvationis“, Utrecht um 1470, illuminierte Handschrift • Flugblatt zur Hochzeit von Maria Theresia und Franz Stephan, 1736, historische Darstellung höfischer Zeremonien – Mit freundlicher Genehmigung von: onbwien / Österreichischen Nationalbibliothek

Mit „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ gelingt der Österreichischen Nationalbibliothek eine vielschichtige Annäherung an ein Thema, das zwischen Mythos, Emotion und kultureller Praxis oszilliert und seit der Antike als Quelle von Freiheit und Zwang, Glück und Schmerz sowie als unerschöpfliche künstlerische Inspiration wirkt. Die Ausstellung im Prunksaal in Wien zählt zu den zentralen Kulturereignissen 2026 und bietet mit bedeutenden Handschriften, literarischen Werken und musikalischen Bezügen einen konzentrierten Überblick über die Kulturgeschichte der Liebe.

Tags: Liebe, Literatur, Musik, Kulturgeschichte, Sigmund Freud, Amadeus Mozart, Handschriften, Antiquarische Bücher

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