Richard Prince Untitled Cowboy 1989 Marlboro Werbung Appropriation Fotografie Western Mythos, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince Untitled Cowboy 1989 Marlboro Werbung Appropriation Fotografie Western Mythos, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien

Wann: 17.04.2026 - 16.08.2026

Richard Prince zerlegt mit verblüffender Präzision die Bilderwelt der Konsumgesellschaft – und verwandelt vertraute Ikonen in irritierende Spiegel einer medial geprägten Realität.

Die Ausstellung in der Albertina Wien widmet sich einem der einflussreichsten Künstler der Gegenwart, der seit den 1970er-Jahren die Mechanismen von Bildproduktion, Autorenschaft und Aneignung untersucht. Prince, 1949 geboren und in New York tätig, hat wie kaum ein anderer die visuelle Sprache der Werbung, der Popkultur und der Massenmedien analysiert – und zugleich unterlaufen.

Berühmt wurde Richard Prince mit seiner Serie der Cowboys, in der er Marlboro-Werbefotografien neu fotografierte und durch minimale Verschiebungen ihrer ursprünglichen Funktion entzog. Aus Reklamebildern werden stille, fast melancholische Reflexionen über Männlichkeit, Mythos und Projektion. Die scheinbar vertrauten Motive offenbaren dabei ihre konstruierten Grundlagen und verlieren ihre ursprüngliche Eindeutigkeit.

 

Richard Prince Untitled Cowboy 1999 Marlboro Werbung Appropriation Fotografie Western, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince Untitled Fashion 1982 Modefotografie Appropriation Identität Inszenierung, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince Untitled Cowboy 1999 Marlboro Werbung Appropriation Fotografie Western, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince • Richard Prince Untitled Fashion 1982 Modefotografie Appropriation Identität Inszenierung, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien

Links zeigt sich in den Cowboy-Arbeiten die gezielte Reduktion auf den Mythos: Durch das Weglassen von Pferd, Landschaft und Werbetext konzentriert Richard Prince die Darstellung auf die Figur selbst – den einsamen Cowboy als Projektionsfläche für amerikanische Freiheit, Männlichkeit und Unabhängigkeit.

Rechts zeigt sich die Strategie der Appropriation in ihrer klarsten Form: Prince übernimmt ein bestehendes Bild der Konsumwelt und entzieht es seinem ursprünglichen Kontext.. Was bleibt, ist keine Illustration mehr, sondern eine präzise Befragung von Autorenschaft, Originalität und medialer Konstruktion.

Parallel dazu widmet sich Prince der Modefotografie, deren ästhetische Versprechen er ebenso präzise seziert. In Arbeiten wie „Untitled (Fashion)“ erscheinen Körper und Identität als inszenierte Oberflächen, als fragile Konstruktionen zwischen Begehren, Konsum und medialer Codierung. Auch hier bleibt der Eingriff oft minimal – doch gerade diese Zurückhaltung entfaltet eine maximale Wirkung.

Richard Prince Lady Doc 1993 Text Bild Kombination Appropriation Kunst Psychologie Ironie, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince Lady Doc 1993 Text Bild Kombination Appropriation Kunst Psychologie Ironie, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien

Ein weiteres zentrales Feld bildet die Arbeit mit Text und Bild, etwa in „Lady Doc“, wo Sprache und Fotografie eine dichte, zugleich irritierende Erzählstruktur bilden. Humor, Ironie und subtile Verschiebungen der Bedeutungsebenen durchziehen diese Werke und verleihen ihnen eine eigentümliche Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz.

„Männlicher Patient zur Psychiaterin: „Ich habe letzte Nacht von Ihnen geträumt.“ „Ach ja?“, fragte die Ärztin. „Nein, Sie haben mich nicht gelassen.“ In der Psychologie nennt man das Übertragung – wenn Patienten Gefühle auf ihre Therapeuten projizieren. Richard Prince verdichtet dieses Konzept zu einer Szene von entwaffnender Klarheit – trocken, präzise und von subtiler Ironie durchzogen.“

In Collagen wie „Untitled (1,2,3,4)“ verdichtet Prince sein künstlerisches Prinzip der Aneignung zu einer präzisen Bildanalyse. Gefundene Bilder werden neu kombiniert, fragmentiert und in andere Zusammenhänge überführt. Bedeutung entsteht hier nicht durch das einzelne Bild, sondern durch dessen Kontext – durch Auswahl, Wiederholung und Verschiebung.

Richard Prince Untitled 1 2 3 4 2008 Collage Appropriation Fotografie Auswahl Kontext, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince Untitled 1 2 3 4 2008 Collage Appropriation Fotografie Auswahl Kontext, Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien

Die Ausstellung ist Teil der aktuellen Ausstellungen in Wien und versammelt rund 150 Arbeiten, die die konsequente Entwicklung eines Werks zeigen, das sich an der Schnittstelle von Fotografie, Malerei und Skulptur bewegt. Im Zentrum steht dabei stets das fotografische Denken: ein Blick, der weniger dokumentiert als vielmehr analysiert, hinterfragt und entlarvt.

Richard Prince führt vor, wie Bilder funktionieren – und warum wir ihnen glauben. Gerade in einer Zeit, in der visuelle Medien allgegenwärtig sind, gewinnt sein Werk eine neue Dringlichkeit. Es zeigt, dass jedes Bild zugleich Konstruktion, Verführung und kritischer Kommentar ist.

Die Ausstellung „Richard Prince“ in der Albertina Wien zählt zu den zentralen Kunstereignissen 2026 und verbindet Fotografie, Appropriation Art und Medienkritik zu einem eindrucksvollen Überblick über die Bildwelten der Konsumgesellschaft.

Tags: Richard Prince, Fotografie, Appropriation Art, Zeitgenössische Kunst, Konzeptkunst, Fotokunst, Medienkunst, Männlichkeit, Untitled Fashion

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