Dabei wird deutlich, dass der sogenannte „Neue Stil“ keine Abkehr im klassischen Sinne darstellt, sondern eine Verdichtung der bisherigen künstlerischen Erfahrung. Die Werke wirken geschlossener, zugleich offener in ihrer Wahrnehmung. Gegenstände werden vereinfacht, ohne an Ausdruck zu verlieren, und die Malerei gewinnt eine eigenständige Balance zwischen Abstraktion und Figuration.
Diese Präsentation versteht sich als konzentrierter Beitrag zur Neubewertung eines Künstlers, dessen Werk sich eindeutigen Kategorien entzieht. Kirchner erscheint als Suchender, der in der Stille der Berge zu einer Bildsprache findet, deren Konsequenz sich erst in der Rückschau vollständig erschließt.
Text: Alexandra Henze
Die Ausstellung in Wichtrach zeigt, wie sich innerhalb weniger Jahre eine künstlerische Sprache neu ordnet. Ernst Ludwig Kirchner erscheint nicht als abgeschlossene Figur der Klassischen Moderne, sondern als Künstler in Bewegung, dessen Werk sich aus innerer Notwendigkeit weiterentwickelt. Gerade in den Davoser Jahren verdichtet sich diese Entwicklung zu einer Bildwelt von klarer Struktur und stiller Intensität.
In der Gegenüberstellung von Gemälden und Arbeiten auf Papier wird dieser Prozess nachvollziehbar und gewinnt an Präzision. Die Ausstellung zeigt damit nicht nur eine stilistische Phase, sondern einen entscheidenden Moment innerhalb des Gesamtwerks von Ernst Ludwig Kirchner und leistet einen präzisen Beitrag zur aktuellen kunsthistorischen Einordnung seines sogenannten „Neuen Stils“.
Die Ausstellung in der Galerie Henze & Ketterer macht sichtbar, wie Ernst Ludwig Kirchner in seinen Davoser Jahren zu einer reduzierten, zugleich radikal modernen Bildsprache fand. Zwischen Malerei, Zeichnung und Holzschnitt entfaltet sich ein Werk, das bis heute zu den eindringlichsten Positionen des deutschen Expressionismus zählt.