Mehrschichtig komponierte Szene mit liegender Figur im Vordergrund, überlagerten Porträts und fragmentierten Bildräumen in kräftigen Farben.
Mehrschichtig komponierte Szene mit liegender Figur im Vordergrund, überlagerten Porträts und fragmentierten Bildräumen in kräftigen Farben. – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Wann: 06.05.2026 - 27.09.2026

Zur Biennale Arte 2026 positioniert sich die Ausstellung in Venedig als präzise gesetzter Beitrag zur Gegenwart der Malerei: „Painting in the Present Tense“ von David Salle im Palazzo Cini verhandelt die Beziehung von Bild, Technologie und Autorschaft mit analytischer Schärfe neu.

Im Kontext der internationalen Aufmerksamkeit rund um die Biennale markiert die Präsentation zugleich die erste Einzelausstellung des New Yorker Künstlers in der Stadt. Kuratiert von Luca Massimo Barbero und getragen von der Zusammenarbeit mit Thaddaeus Ropac, entfaltet sich ein Werkkomplex, der künstliche Intelligenz nicht als Ersatz, sondern als gezielte Irritation eines gewachsenen malerischen Systems einsetzt.

David Salle im Atelier bei der Arbeit, Porträt des Künstlers beim Zeichnen zwischen Skizzen, Farben und Materialien Photo: Costa Picadas
David Salle im Atelier bei der Arbeit, Porträt des Künstlers beim Zeichnen zwischen Skizzen, Farben und Materialien Photo: Costa Picadas – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg
Im Zentrum steht die Weiterführung der Tapestry Paintings (1989–91), jener Werkgruppe, die bereits selbst auf komplexen Übersetzungsprozessen basiert: von italienischer Malerei der Renaissance über russische Tapisserien zurück auf die Leinwand. Salle setzt diesen Kreislauf fort, indem er ein eigens trainiertes KI-Modell auf sein eigenes Werk anwendet. Die daraus hervorgehenden Bildstrukturen – fragmentiert, verschoben, neu organisiert – werden auf Leinwand übertragen und anschließend malerisch überarbeitet. Alte und neue Technologien begegnen sich hier nicht als Gegensatz, sondern in produktiver Reibung.

„Eine Möglichkeit, eine hegemoniale Technologie zu unterlaufen, besteht darin, sie für die eigenen Zwecke zu vereinnahmen.“

Was die Maschine erzeugt, ist kein Bild im klassischen Sinn, sondern ein destabilisiertes visuelles Feld. Salle greift ein, korrigiert, verstärkt, übermalt – und reetabliert damit eine malerische Entscheidungsebene, die sich nicht automatisieren lässt. Figuren, die bereits mehrfach durch kunsthistorische Kontexte gewandert sind, erscheinen als phantasmagorische Fragmente, überlagert von zeitgenössischen Bildzitaten, Stilllebenmotiven und Versatzstücken visueller Kultur.

„Alles in der Malerei existiert im Präsens.“

Mit „Painting in the Present Tense“ im Palazzo Cini in Venedig zeigt David Salle zur Biennale Arte 2026, wie sich Malerei und künstliche Intelligenz zu einem neuen, gegenwärtigen Bildraum verbinden – und positioniert die Ausstellung in Venedig als präzisen Beitrag zur aktuellen Diskussion um zeitgenössische Kunst.

David Salle, Mime, 2026 – fragmentierte figurative Malerei mit überlagerten Körpern, Porträts und surrealen Bildräumen in intensiven Farben
David Salle, Mime, 2026 – fragmentierte figurative Malerei mit überlagerten Körpern, Porträts und surrealen Bildräumen in intensiven Farben – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Seit 2022 arbeitet Salle an der Entwicklung seines personalisierten KI-Modells. Sein Ansatz zielt nicht auf Effizienz, sondern auf Irritation. Die Maschine fungiert als „kreativer Juniorpartner“, der Bildlogiken verschiebt, ohne selbst Intention zu besitzen. „Die Maschine verletzt die Regeln der Darstellung, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.“

So entsteht ein Spannungsfeld, das über die einzelne Ausstellung hinausweist. In einer Zeit, in der Bilder gezielt manipuliert und massenhaft generiert werden, formuliert Salle eine künstlerische Gegenbewegung: die Rückgewinnung von Bedeutung durch malerische Handlung. Die Zusammenarbeit mit KI wird zum Austragungsort eines Konflikts – nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Kontrolle und Offenheit, zwischen Wiederholung und Transformation.

„Es geht darum, Bedeutung aus der Richtung, die die KI einschlägt, wieder in menschliche Hände zurückzuholen.“

Mit „Painting in the Present Tense“ im Palazzo Cini in Venedig zeigt David Salle zur Biennale Arte 2026, wie sich Malerei und künstliche Intelligenz zu einem neuen, gegenwärtigen Bildraum verbinden und die Zukunft der zeitgenössischen Kunst neu definieren.

Tags: David Salle, Malerei, Digital Art, Künstliche Intelligenz, Zeitgenössische Kunst, Luca Massimo Barbero

Öffnungszeiten – Palazzo Cini, Venedig

Mittwoch – Montag: 11:00 – 19:00 Uhr
Dienstag: geschlossen

Letzter Einlass: ca. 30 Minuten vor Schließzeit

(Änderungen während der Biennale möglich)