Seit 2022 arbeitet Salle an der Entwicklung seines personalisierten KI-Modells. Sein Ansatz zielt nicht auf Effizienz, sondern auf Irritation. Die Maschine fungiert als „kreativer Juniorpartner“, der Bildlogiken verschiebt, ohne selbst Intention zu besitzen. „Die Maschine verletzt die Regeln der Darstellung, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.“
So entsteht ein Spannungsfeld, das über die einzelne Ausstellung hinausweist. In einer Zeit, in der Bilder gezielt manipuliert und massenhaft generiert werden, formuliert Salle eine künstlerische Gegenbewegung: die Rückgewinnung von Bedeutung durch malerische Handlung. Die Zusammenarbeit mit KI wird zum Austragungsort eines Konflikts – nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Kontrolle und Offenheit, zwischen Wiederholung und Transformation.
„Es geht darum, Bedeutung aus der Richtung, die die KI einschlägt, wieder in menschliche Hände zurückzuholen.“
Mit „Painting in the Present Tense“ im Palazzo Cini in Venedig zeigt David Salle zur Biennale Arte 2026, wie sich Malerei und künstliche Intelligenz zu einem neuen, gegenwärtigen Bildraum verbinden und die Zukunft der zeitgenössischen Kunst neu definieren.