Li Yi-Fan „Screen Melancholy“, Video-Installation, Biennale Venedig 2026, Taiwan Collateral Event
Li Yi-Fan „Screen Melancholy“, Video-Installation, Biennale Venedig 2026, Taiwan Collateral Event – Mit freundlicher Genehmigung von: gov.taipei / Taipei Fine Arts Museum

Wann: 09.05.2026 - 22.11.2026

Li Yi-Fan verwandelt den Palazzo delle Prigioni in eine irritierende Schnittstelle zwischen Körper, Simulation und Wahrnehmung – ein Beitrag zur Ausstellung Venedig, der digitale Bildwelten in den realen Raum zurückspiegelt.

Im Kontext der Biennale di Venezia entfaltet sich mit „Screen Melancholy: Li Yi-Fan“ ein Werk, das weniger auf visuelle Überwältigung als auf konzeptuelle Verschiebung setzt. Der in Taipeh geborene Künstler arbeitet seit mehreren Jahren mit Game-Engines und Echtzeit-Rendering und entwickelt daraus eine Bildsprache, in der sich digitale Prozesse, Körperfragmente und narrative Strukturen überlagern. Seine Teilnahme im Rahmen eines offiziellen Collateral Events positioniert ihn innerhalb eines kuratorischen Umfelds, das sich zunehmend für die Übergänge zwischen virtueller Simulation und physischer Präsenz interessiert.

Li Yi-Fan Porträt vor „Screen Melancholy“, Taiwan Pavillon, Biennale Venedig 2026
Li Yi-Fan Porträt vor „Screen Melancholy“, Taiwan Pavillon, Biennale Venedig 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: gov.taipei / Taipei Fine Arts Museum
Die Arbeit ist im Palazzo delle Prigioni angesiedelt – jenem historischen Ort, der selbst Teil der Inszenierung wird. In einer gezielten Verdopplung entsteht eine Situation, in der das Gebäude digital simuliert und zugleich real erfahren wird. Diese Rückkopplung zwischen Raum und Bild erzeugt eine produktive Unsicherheit: Das Virtuelle erscheint greifbar, während das Reale zunehmend als Konstruktion lesbar wird.

Zentral ist dabei die Figur eines Auges, das als erzählerisches Element durch die Arbeit führt. In einer Dramaturgie, die an digitale Tutorials erinnert, folgt der Betrachter einer Bewegung durch unterschiedliche Ebenen von Kontrolle, Fragmentierung und Wahrnehmung. Li Yi-Fan nutzt dabei einen zurückhaltenden, oft lakonischen Humor, um die Beziehung zwischen Mensch und Technologie nicht zu illustrieren, sondern gezielt zu irritieren.

Ergänzt wird die Videoarbeit durch dreidimensional gedruckte Skulpturen, die im Raum verteilt sind und sowohl als Referenz auf digitale Körper dienen als auch funktionale Elemente besitzen. Diese Objekte greifen die Logik der Simulation auf, übersetzen sie jedoch in eine physische Präsenz, die sich der reinen Bildlichkeit entzieht. Die Grenze zwischen digitalem Modell und realem Objekt beginnt sich aufzulösen.

Mit „Screen Melancholy“ formuliert Li Yi-Fan eine Position, die exemplarisch für eine jüngere Generation von Künstlern steht, die nicht mehr zwischen digital und analog unterscheidet, sondern beide Ebenen als gleichwertige Bestandteile einer erweiterten Realität begreift. Die Arbeit verweigert klare Zuordnungen und entwickelt ihre Wirkung gerade aus der Verschiebung zwischen den Zuständen.

Im Kontext der Biennale Venedig 2026 setzt diese Installation einen stillen, aber präzisen Akzent innerhalb der aktuellen Medienkunst. Die Verbindung von Video-Installation, digitaler Simulation und skulpturalem Raum verweist auf eine Entwicklung, in der sich künstlerische Praxis zunehmend jenseits klassischer Kategorien bewegt – und genau darin ihre nachhaltige Relevanz entfaltet.

Tags: Li Yi-Fan, Video Kunst, Biennale di Venezia, Digitale Kunst, Zeitgenössische Kunst, Kunst+Installation+Biennale, 3D-Druck, internationale Kunst

Während der Biennale di Venezia 2026, in der Regel täglich geöffnet.
Die genauen Zeiten richten sich nach dem Ausstellungsort Palazzo delle Prigioni und werden vor Ort bzw. über die offizielle Biennale-Kommunikation bekannt gegeben.