Li Yi-Fan Porträt vor „Screen Melancholy“, Taiwan Pavillon, Biennale Venedig 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: gov.taipei / Taipei Fine Arts Museum
Die Arbeit ist im Palazzo delle Prigioni angesiedelt – jenem historischen Ort, der selbst Teil der Inszenierung wird. In einer gezielten Verdopplung entsteht eine Situation, in der das Gebäude digital simuliert und zugleich real erfahren wird. Diese Rückkopplung zwischen Raum und Bild erzeugt eine produktive Unsicherheit: Das Virtuelle erscheint greifbar, während das Reale zunehmend als Konstruktion lesbar wird.
Zentral ist dabei die Figur eines Auges, das als erzählerisches Element durch die Arbeit führt. In einer Dramaturgie, die an digitale Tutorials erinnert, folgt der Betrachter einer Bewegung durch unterschiedliche Ebenen von Kontrolle, Fragmentierung und Wahrnehmung. Li Yi-Fan nutzt dabei einen zurückhaltenden, oft lakonischen Humor, um die Beziehung zwischen Mensch und Technologie nicht zu illustrieren, sondern gezielt zu irritieren.
Ergänzt wird die Videoarbeit durch dreidimensional gedruckte Skulpturen, die im Raum verteilt sind und sowohl als Referenz auf digitale Körper dienen als auch funktionale Elemente besitzen. Diese Objekte greifen die Logik der Simulation auf, übersetzen sie jedoch in eine physische Präsenz, die sich der reinen Bildlichkeit entzieht. Die Grenze zwischen digitalem Modell und realem Objekt beginnt sich aufzulösen.