Markus Lüpertz Haus der Athene 2025 Malerei Galerie Michael Werner Berlin Gallery Weekend © VG Bild-Kunst Bonn, 2026.  Photo: Jens Ziehe, Berlin
Markus Lüpertz Haus der Athene 2025 Malerei Galerie Michael Werner Berlin Gallery Weekend © VG Bild-Kunst Bonn, 2026.  Photo: Jens Ziehe, Berlin – Mit freundlicher Genehmigung von: gallery-weekend-berlin.de / GALLERY WEEKEND, Berlin

Wann: 01.05.2026 - 03.05.2026

Gallery Weekend Berlin entfaltet 2026 eine Energie, die zwischen Mythos, Material und Gegenwart oszilliert – ein Auftakt, der Berlin für drei Tage in einen Zustand konzentrierter künstlerischer Verdichtung versetzt.

Rund fünfzig Galerien bilden den Kern des Wochenendes vom 1. bis 3. Mai 2026. Diese bewusst gesetzte Begrenzung ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines kuratorischen Prinzips: Übersichtlichkeit als Qualität. Während andere Städte expandieren, bleibt Berlin bei einer Struktur, die erfahrbar bleibt – und gerade daraus ihre Stärke zieht. Mit dem neuen Format „Perspectives“ öffnet sich das Wochenende zudem kontrolliert für jüngere Positionen, ohne die Klarheit des Gesamtbildes zu verlieren.

Was daraus entsteht, ist kein Nebeneinander, sondern ein präzise komponierter Spannungsbogen zwischen Klassischer Moderne, Nachkriegsabstraktion und zeitgenössischer Kunst. Den Auftakt bildet die kraftvolle Gegenwartsmalerei von Markus Lüpertz in der Galerie Michael Werner, in der sich mythologische Bildwelten und figurative Gesten zu einer autonomen, bewusst gesetzten Malerei verdichten – ein Echo des Neoexpressionismus und zugleich ein Widerstand gegen die Auflösung der Form.

Mit „Haus der Athene“ (2025) verdichtet Lüpertz diese Haltung in eine stille, fast entrückte Bildwelt. Ein heller, gebrochener Hintergrund aus Weiß- und Grüntönen öffnet einen Raum ohne festen Horizont. Links wächst ein erdverbundener Baum, während sich in der Mitte eine blockhafte, nahezu architektonische Form behauptet. Rechts erscheint ein dunkler Vogel, der an das wiederkehrende Motiv des Raben erinnert – eine Figur, die in der Kunstgeschichte häufig mit Wissen, Transformation und innerer Bewegung verbunden wird.

Unmittelbar daran schließt die historische Tiefe der Nachkriegsmoderne an: Willi Baumeister bei Kunsthandel Wolfgang Werner, gemeinsam mit Rudolf Belling, führt zurück in die 1940er Jahre. Seine unter dem Begriff „afrikanisch“ gefassten Arbeiten markieren den Bruch mit der konstruktiven Strenge der 1920er Jahre und öffnen eine archaische, zeichenhafte Bildsprache, die zwischen Malerei und Relief oszilliert – ein zentraler Moment der europäischen Moderne im Übergang zur informellen Abstraktion.

Willi Baumeister Afrikanische Spiele 1942 Kunsthandel Wolfgang Werner Gallery Weekend Berlin 2026 © Willi Baumeister Stiftung, Stuttgart / 2026, VG Bild-Kunst, Bonn 
Philipp Gufler Sexualästhetiken 27 2025 BQ Berlin Gallery Weekend Berlin 2026 Courtesy BQ, Berlin.  Photo Roman März
Willi Baumeister Afrikanische Spiele 1942 Kunsthandel Wolfgang Werner Gallery Weekend Berlin 2026 © Willi Baumeister Stiftung, Stuttgart / 2026, VG Bild-Kunst, Bonn  • Philipp Gufler Sexualästhetiken 27 2025 BQ Berlin Gallery Weekend Berlin 2026 Courtesy BQ, Berlin.  Photo Roman März – Mit freundlicher Genehmigung von: gallery-weekend-berlin.de / GALLERY WEEKEND, Berlin
Farkhondeh Shahroudi blackside riding into the wave 2017 Galerie Barbara Thumm Gallery Weekend Berlin 2026
Farkhondeh Shahroudi blackside riding into the wave 2017 Galerie Barbara Thumm Gallery Weekend Berlin 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: gallery-weekend-berlin.de / GALLERY WEEKEND, Berlin

Die Gegenwart antwortet darauf mit einer Vielzahl von Stimmen, die sich zwischen Konzeptkunst, politischer Reflexion und materieller Erweiterung der Malerei bewegen. Farkhondeh Shahroudi in der Galerie Barbara Thumm verbindet textile Elemente, Sprache und Erinnerung zu vielschichtigen Bildräumen, die Fragen von Migration und Identität verhandeln. Parallel dazu entwickelt Philipp Gufler bei BQ eine konzeptuelle Praxis, die sich mit Leerstellen der Geschichte beschäftigt und verdrängte Narrative sichtbar macht.

In Shahroudis Arbeit verdichtet sich diese Haltung zu einer fragilen, zugleich eindringlichen Bildwelt aus Stoff und Geste. In einem hellen, fast leeren Raum öffnet sich eine Szene, die zwischen Schwere und Schweben oszilliert: Eine dunkle, menschliche Figur neigt sich nach vorne, getragen von einem leuchtend roten, textilen Element, das zugleich Körper und Raum definiert. Die Oberfläche ist von Nähten durchzogen, als würde sich die Form erst im Moment des Betrachtens zusammenfügen.

Daneben erscheint eine zweite Figur – leichter, fragmentierter, mit angedeuteten Flügeln und doppeltem Kopf. Weiß, von schwarzen Linien durchzogen, wirkt sie weniger körperlich als vielmehr wie ein flüchtiges Zeichen. Beide Formen stehen in einem Spannungsverhältnis von Gewicht und Auflösung, von Körper und Erinnerung, von Präsenz und Entzug.

Mit „Counter City“, kuratiert von Juliette Desorgues, verdichtet sich dieser Diskurs schließlich zu einer explizit politischen Perspektive. Positionen wie Cosima von Bonin, Jana Euler, Klara Lidén oder Sophy Rickett untersuchen den urbanen Raum als Ort, in dem sich Machtstrukturen einschreiben und reproduzieren – eine zeitgenössische Erweiterung kritischer Stadt- und Gesellschaftstheorien innerhalb der Kunst.

Sophy Rickett Vauxhall Bridge 2 1995 Fotografie Counter City Ausstellung Berlin Courtesy the artist
Markus Selg Skulptur PLA filament 2024 Galerie Guido W Baudach Berlin zeitgenössische Kunst Courtesy the artist & Galerie Guido W. Baudach, Berlin © Markus Selg 2024, All rights reserved
Sophy Rickett Vauxhall Bridge 2 1995 Fotografie Counter City Ausstellung Berlin Courtesy the artist • Markus Selg Skulptur PLA filament 2024 Galerie Guido W Baudach Berlin zeitgenössische Kunst Courtesy the artist & Galerie Guido W. Baudach, Berlin © Markus Selg 2024, All rights reserved – Mit freundlicher Genehmigung von: gallery-weekend-berlin.de / GALLERY WEEKEND, Berlin

Demgegenüber öffnet die Galerie Guido W. Baudach mit „Auto-Paragone“ einen Dialog zwischen Malerei und Skulptur. Künstler wie Tamina Amadyar, Thomas Helbig, Andy Hope 1930, Hinako Miyabayashi und Markus Selg führen das klassische Spannungsverhältnis der Gattungen in die Gegenwart und verhandeln Material, Bild und Raum neu – ein Echo kunsthistorischer Debatten vom Paragone bis in die Postmoderne.

Am Ende dieses Parcours steht mit Max Liebermann bei BASTIAN die Rückbindung an die Klassische Moderne. Seine Gartenbilder erscheinen hier nicht als nostalgischer Abschluss, sondern als ruhiger Gegenpol – als Erinnerung daran, dass jede Gegenwart aus einer klaren Ordnung der Form hervorgegangen ist.

Max Liebermann Wannseegarten Malerei 1927 Impressionismus Bastian Gallery Berlin
Max Liebermann Wannseegarten Malerei 1927 Impressionismus Bastian Gallery Berlin – Mit freundlicher Genehmigung von: gallery-weekend-berlin.de / GALLERY WEEKEND, Berlin

So entsteht ein Rundgang, der weniger chronologisch als vielmehr atmosphärisch funktioniert – zwischen Klassischer Moderne, Nachkriegsabstraktion und einer Gegenwart, die ihre Geschichte kennt und zugleich neu verhandelt.

Das Gallery Weekend Berlin 2026 verdichtet die Stadt zu einem präzisen Parcours der Gegenwartskunst – ein Rundgang, der Vergangenheit und Gegenwart in eine klare, überzeugende Form bringt.

Tags: Zeitgenössische Kunst, Markus Lüpertz, Malerei, Skulpturen, Willi Baumeister, Rudolf Belling, Farkhondeh Shahroudi, Philipp Gufler, Max Liebermann, Markus Selg, Gegenwartskunst, Fotografie

1.–3. Mai 2026
Freitag bis Sonntag, jeweils ab 11 Uhr

(Die genauen Schließzeiten variieren je nach Galerie)